Heise 30.09.2026
09:17 Uhr

OpenAI startet Dots: Dauerhaft aktive KI-Agenten mit eigenem Cloud-Computer


OpenAI bringt mit Dots persönliche KI-Agenten, die dauerhaft und proaktiv Aufgaben übernehmen. In Europa sind sie zum Start nur eingeschränkt verfügbar.

OpenAI startet Dots: Dauerhaft aktive KI-Agenten mit eigenem Cloud-Computer

OpenAI führt mit Dots dauerhaft aktive KI-Agenten ein, die über einzelne Chat-Sitzungen hinaus selbstständig an Aufgaben und Projekten weiterarbeiten können. Sie basieren auf GPT-6 Astra und verfügen jeweils über einen eigenen Cloud-Computer mit Browser. Dots können auf angebundene Apps und Dienste zugreifen, wiederkehrende Aufgaben ausführen, Arbeit an Unteragenten delegieren und selbstständig nach relevanten neuen Informationen suchen. Nutzer können ihre Aktivitäten verfolgen und jederzeit eingreifen.

OpenAI nennt als Beispiele die Untersuchung von Softwarefehlern anhand von Kundenfeedback, das Aktualisieren von Unterlagen für Produkteinführungen und wiederkehrende Recherchen. Über das Plugin-Ökosystem lassen sich laut OpenAI mehr als 4000 Apps anbinden.

Nutzer können ihre Dots direkt in ChatGPT ansprechen und zusätzlich über Slack oder Microsoft Teams mit ihnen interagieren. Optional lassen sich ihnen Zugriff auf lokale Dateien und den Browser ihres Rechners gewähren. Dieser Zugriff ist standardmäßig deaktiviert.

OpenAI führt Dots schrittweise ein. Nutzer von ChatGPT Pro sowie Premium-Nutzer von ChatGPT Business erhalten zunächst jeweils einen Dot ohne separaten Aufpreis. Pro-Nutzer bleiben zum Start im Europäischen Wirtschaftsraum, in der Schweiz und im Vereinigten Königreich außen vor. Für Business Premium gilt diese Einschränkung nicht. Für Enterprise, Edu und Healthcare steht Dots zunächst als Beta zur Verfügung und muss vom jeweiligen Workspace-Administrator aktiviert werden. Langfristig will OpenAI Dots für eine breitere Nutzerschaft öffnen.

Künftig sollen Nutzer mehrere Dots einsetzen können, die später auch miteinander zusammenarbeiten sollen. Zudem stellt OpenAI spezialisierte Dots für Unternehmen in Aussicht.

Da Dots auf persönliche und geschäftliche Daten sowie verbundene Dienste zugreifen können, hat OpenAI mehrere Schutzmechanismen eingebaut. Die Cloud-Umgebungen verschiedener Nutzer sind voneinander isoliert, bei unterstützten Anmeldeverfahren sollen Passwörter nicht in den Modellkontext gelangen. Gegen Prompt-Injection-Angriffe setzt OpenAI auf Modelltraining, beschränkte Zugriffsmöglichkeiten, Freigaben und laufende Überwachung.

Für bestimmte sensible Aktionen sind zusätzliche Bestätigungen erforderlich. Über benutzerdefinierte Regeln legen Nutzer fest, ob ein Dot selbst handeln, vorher nachfragen oder eine Aufgabe an sie übergeben soll. Vor bestimmten Aktionen prüft ein separates Kontrollsystem, ob der Schritt mit Nutzeranweisungen und Sicherheitsregeln vereinbar ist.

So eine Schritt-für-Schritt Sicherheitsüberprüfung hat sich bei vergangenen KI-Sicherheitslecks bereits als unzureichend erwiesen. Die einzelne Aktion wie das Hochladen einer Datei kann zulässig sein, aber im Kontext von anderen Aktionen davor und danach könnte sie Schaden anrichten und Teil von zum Beispiel einem Hack sein, ohne dass das Sicherheitssystem es merkt. Schon vor einigen Monaten hielten die KI-Unternehmen deswegen fest, dass auch immer eine Bewertung des Kontexts der einzelnen KI-Aktionen nötig sei. So eine Prüfung erwähnte OpenAI bei der Vorstellung von Dots aber zumindest nicht explizit.

Ein Dot kann Informationen aus Gesprächen und verbundenen Diensten in seinem eigenen Kontext speichern und über längere Zeit nutzen. Diese Angaben bleiben erhalten, solange der Dot besteht. Einzelne gespeicherte Informationen lassen sich derzeit weder gezielt einsehen noch löschen. OpenAI weist zugleich darauf hin, dass die Sicherheitsmaßnahmen noch nicht alle Risiken abdecken. Die Tests für langfristig arbeitende Agenten in veränderlichen Umgebungen bezeichnet das Unternehmen selbst als vorläufig.

Mit Dots steigt OpenAI in einen Markt ein, in dem bereits andere große Anbieter vertreten sind. Meta stellte Anfang September mit Muse einen persönlichen KI-Agenten mit eigener Cloud-Umgebung vor, der selbstständig Aufgaben übernehmen und über längere Zeit weiterarbeiten kann. Auch xAI bietet seit August mit Grok Bot einen persistenten Agenten mit eigenem Cloud-Computer an.

Die Risiken autonom handelnder KI-Systeme bleiben derweilen ungelöst. OpenAI und andere KI-Labore machten 2026 mit zahlreichen Fällen Schlagzeilen, in denen Agenten von ihren vorgesehenen Aufgaben oder Berechtigungen abwichen.

Erst kurz vor der Vorstellung von Dots strich OpenAI die geplante Veröffentlichung von GPT-6.1 Astra. Das Modell zeigte in internen Tests häufiger täuschendes Verhalten und führte Aktionen aus, ohne zuvor die nötige Zustimmung einzuholen. GPT-6.1 Astra ist zwar kein KI-Agent im engeren Sinne, die Probleme betreffen aber gerade Eigenschaften, die bei zunehmend selbstständig handelnden Systemen relevant werden.

(tobe)