Heise 17.08.2026
12:18 Uhr

Nvidia kappt OpenAI-Garantie auf rund 100 Milliarden Dollar


Nvidia und OpenAI stehen kurz vor einem Deal für eines der größten KI-Rechenzentren der Welt, aber mit einer kleineren Garantiesumme als zunächst berichtet.

Nvidia kappt OpenAI-Garantie auf rund 100 Milliarden Dollar

Nvidia und OpenAI haben den Deal inzwischen bestätigt. Die Einzelheiten dazu haben wir am Ende des Artikels ergänzt.

Die geplante Milliardenabsicherung für OpenAIs Mega-Rechenzentrum in Ohio steht Berichten zufolge kurz vor dem Abschluss, fällt aber deutlich kleiner aus als zunächst berichtet. Das Wall Street Journal schrieb am Freitag, dass Nvidia das gigantische Projekt zunächst mit weniger als 120 Milliarden US-Dollar absichern wolle. Gut zweieinhalb Wochen zuvor war noch von 250 Milliarden Dollar die Rede gewesen.

Das US-Techmedium The Information berichtete am Sonntag von einer noch etwas niedrigeren Summe von rund 100 Milliarden Dollar. Nvidia wolle sein eigenes Kreditrisiko bei dem Ohio-Projekt zudem auf höchstens 25 Prozent der Finanzierung begrenzen. Die rund 100 Milliarden Dollar sollen zunächst die erste Ausbauphase unterstützen, die etwa zwei Jahre dauern und rund die Hälfte des Gesamtprojekts umfassen soll. Eine zweite, ähnlich große Ausbauphase soll anschließend folgen.

Das Gesamtprojekt dürfte Schätzungen zufolge rund 500 Milliarden US-Dollar kosten und zählt zu den größten geplanten Rechenzentrumsprojekten überhaupt. Es wäre das erste große Rechenzentrum, das OpenAI direkt selbst anmietet. Bislang bezieht OpenAI den Großteil seiner Rechenleistung über Cloudanbieter wie Microsoft und Amazon.

Das Wall Street Journal führt die Verkleinerung der Garantie auch auf Bedenken von Anlegern über Nvidias wachsende finanzielle Risiken zurück. Unabhängig vom OpenAI-Projekt sichert Nvidia bereits andere Rechenzentrumsprojekte mit Milliardenbeträgen finanziell ab. Erst kürzlich kündigte das Unternehmen gemeinsam mit sechs großen Finanzkonzernen eine Initiative an, über die mehr als 500 Milliarden Dollar Kapital für KI-Infrastruktur mobilisiert werden sollen. Nvidias wachsende finanzielle Verpflichtungen sorgen bei Anlegern für Nervosität und belasteten zuletzt die Aktie.

Nvidia tritt bei dem OpenAI-Projekt als finanzieller Rückhalt auf. Entwickelt wird der Campus von SB Energy, einer Tochter des japanischen SoftBank-Konzerns. OpenAI will die Infrastruktur anmieten. Für den milliardenschweren Ausbau braucht der Entwickler Fremdkapital. Da OpenAI als Mieter weiterhin unprofitabel ist, soll Nvidias Garantie den Geldgebern zusätzliche Sicherheit geben und so günstigere Kredite ermöglichen.

Nvidia investiert die rund 100 Milliarden Dollar also nicht direkt, sondern sichert einen Teil der Miet- und Finanzierungsverpflichtungen ab. Für den Chipkonzern ist das auch eine Wette auf den weiteren KI-Boom: Je leichter neue Rechenzentren finanziert werden können, desto größer ist der potenzielle Absatzmarkt für Nvidia-Chips. Wie eng Finanzierung und Chipgeschäft zusammenhängen, zeigt der Ohio-Deal selbst: Nvidia verhandelt mit OpenAI laut Wall Street Journal zusätzlich über ein separates Finanzierungspaket für Chipkäufe von bis zu 350 Milliarden US-Dollar. Anleger fürchten, dass solche zirkulären Finanzierungsmodelle das Risiko einer Blase erhöhen.

Inzwischen sind die wichtigsten Eckpunkte des Projekts offiziell bestätigt. OpenAI sichert sich am sogenannten PORTS-Pike-Campus in Ohio rund acht Gigawatt IT-Kapazität und schließt mit dem Betreiber SB Energy einen Mietvertrag über 20 Jahre. Zum Einsatz kommt ausschließlich Nvidia-Technik. Die erste Ausbaustufe umfasst 4,25 Gigawatt und könnte laut Nvidia pro Hardwaregeneration rund 1,5 Millionen GPUs beziehungsweise 150 bis 200 Milliarden Dollar Umsatz bedeuten. Später kann der Konzern seine Unterstützung auf die übrigen 3,75 Gigawatt ausweiten und die Hardware um neue GPU-Generationen ersetzen, schreibt das Unternehmen.

Nvidia konkretisierte auch seine finanzielle Absicherung. Sie gilt zunächst für die rund vier Gigawatt und umfasst definierte Teile der Miet- und Stromzahlungen, nicht sämtliche Kosten oder Verpflichtungen OpenAIs. Laut The Information ist Nvidias maximale Zahlungsverpflichtung für diese erste Phase auf 105 Milliarden US-Dollar begrenzt.

Die Garantie wird schrittweise wirksam, wenn zwischen 2028 und 2030 Kapazitäten in Betrieb gehen. Die ersten 800 Megawatt sollen 2028 verfügbar werden, der sechsjährige Ausbau ist bis 2032 vorgesehen. OpenAI rechnet während dieser Phase mit 35.000 Arbeitsplätzen und anschließend mit 2.500 dauerhaften Stellen. OpenAI hat sich Nvidia zufolge bis 2030 bereits zu insgesamt rund zwölf Gigawatt Nvidia-Rechenleistung verpflichtet. Erweitert Nvidia sein Engagement in Ohio vollständig, könnten es rund 16 Gigawatt werden. Das damit verbundene Geschäftspotenzial beziffert Nvidia auf rund 600 Milliarden US-Dollar.

Nvidia weist den Verdacht einer zirkulären Finanzierung zurück und betont, dass OpenAI selbst für die Miete aufkommen werde. Sollte OpenAI den Standort später nicht mehr nutzen, könnten die Kapazitäten Nvidia zufolge an andere geeignete Kunden weitervermietet werden.

(tobe)