Heise 17.07.2026
18:59 Uhr

Mehr Unfälle: Verkehrssicherheitsrat fordert Führerscheinpflicht für E-Scooter


Die Zahl der verunglückten Elektro-Tretroller-Fahrer ist 2025 in die Höhe geschnellt. Jetzt verlangt der Deutsche Verkehrssicherheitsrat strikte Konsequenzen.

Mehr Unfälle: Verkehrssicherheitsrat fordert Führerscheinpflicht für E-Scooter

Die Debatte über die Sicherheit von Elektro-Kleinstfahrzeugen wird schärfer. Angesichts anhaltender Probleme auf städtischen Straßen sieht der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) den Gesetzgeber gefordert. Das aktuelle Unfallgeschehen verdeutlicht laut der Organisation, dass vielen Nutzern Regelkenntnisse und die nötigen Fahrfähigkeiten im Umgang mit E-Scootern fehlen. Wer keinen regulären Führerschein besitzt, soll daher künftig einen speziellen E-Scooter-Befähigungsnachweis vorlegen müssen.

Die Ausgestaltung stellen sich die Unfallschützer ähnlich wie bei der Mofa-Prüfbescheinigung vor. So soll sichergestellt werden, dass alle Fahrer die wichtigsten Verkehrsregeln kennen und ihr Fahrzeug auch in anspruchsvollen Situationen sicher beherrschen. Für Jugendliche könnte die Ausbildung direkt in den Schulalltag integriert werden.

Vor allem jüngere Verkehrsteilnehmer hat der DVR im Blick. Für Kinder und Teenager seien E-Scooter besonders riskant. Deshalb plädiert der Verband dafür, das gesetzliche Mindestalter von derzeit 14 auf 15 Jahre anzuheben. Das Fahren eines motorisierten Fahrzeugs im Straßenverkehr erfordere ein Maß an Reife und Erfahrung, das bei Jüngeren oft noch nicht vorhanden sei.

Ferner sieht der Verband Nachbesserungsbedarf bei der technischen Ausstattung, insbesondere für eine größere Sichtbarkeit. Viele Unfälle ereigneten sich beim Überqueren von Fahrbahnen in der Dämmerung oder Dunkelheit, weil die schmalen Roller seitlich kaum zu erkennen seien. Abhilfe schaffen sollen aktiv leuchtende gelbe Seitenmarkierungsleuchten für alle Neufahrzeuge. Für Roller, die sich bereits im Verkehr befinden, bringt der DVR eine Nachrüstpflicht für Reflektoren an der Lenkstange ins Spiel.

Da viele Vorschriften bekannt seien, im Alltag aber bewusst missachtet würden, fordert der DVR auch eine konsequentere Rechtsdurchsetzung durch mehr Polizeipräsenz und Kontrollen.

Dass die Politik das Problem erkannt hat, zeigen bereits beschlossene Maßnahmen. Ab 2027 gilt für Neufahrzeuge eine Blinkerpflicht. Die Verwarngelder für das Fahren auf Gehwegen und die unerlaubte Nutzung zu zweit wurden erhöht. Positiv bewertet der DVR auch die geplante Einbeziehung von E-Scootern in die Gefährdungshaftung der Fahrzeughalter, die Verletzten nach Unfällen durch rücksichtslos abgestellte Roller den Zugang zu Entschädigungen erleichtern soll. Das allein reiche jedoch nicht aus.

Bund und Länder müssten die Regeln kontinuierlich weiterentwickeln, um die Sicherheit im Straßenverkehr technisch und regulatorisch zu verbessern, betont der Rat. Bis dahin bleibe der Selbstschutz der Fahrenden entscheidend. Neben vorausschauendem und regelkonformem Fahren empfehlen die Experten das Tragen eines Helms, um das Risiko schwerer Kopfverletzungen zu senken.

Seine Forderungen stützt der DVR auf die jüngste Bilanz des Statistischen Bundesamtes. Demnach stieg die Zahl der E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden 2025 deutlich auf 16.496 Fälle – ein Plus von 38,1 Prozent gegenüber 2024. Besonders besorgniserregend sei der Anstieg der Todesopfer: 38 Menschen kamen ums Leben, 40,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Unter den Verunglückten oder unerlaubt Mitfahrenden befanden sich rund 2200 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren. Vier von ihnen starben, 211 wurden schwer verletzt. Laut dem statistischen Bundesamt gab es im Jahr 2025 insgesamt 2778 Verkehrstote. Im Vorjahr waren es insgesamt 2704 Verkehrstote. Das entspricht einem Anstieg von rund 2,74 Prozent.

Update, Montag, 20. Juli, 10:33 Uhr: Artikel mit weiteren Einzelheiten ergänzt.

(nen)