Heise 21.07.2026
11:15 Uhr

Gut versteckt: Verbotene Glücksspiele im brasilianischen App Store


Entwicklern ist es offenbar gelungen, „dutzende“ Apps an Apples Review-Prozess vorbeizuschmuggeln, über die man auf Zock-Plattformen gelangt.

Gut versteckt: Verbotene Glücksspiele im brasilianischen App Store

Apple hat offenbar eine größere Anzahl an Anwendungen in den brasilianischen iOS App Store gelassen, die insgeheim Zugang zu nach Apples Regeln eigentlich verbotenen Glücksspielplattformen boten. Das fand das US-Apple-Blog 9to5Mac heraus. Dem Bericht zufolge soll es sich um mehr als 60 Anwendungen handeln, die dennoch durch Apples App Review kamen. Die Apps reagierten dabei auf die IP-Adresse der Person, die sie aufrief: Hatte die eine brasilianische Herkunft, tauchten statt der beschriebenen Anwendung Wettplattformen auf.

Laut 9to5Mac hat Apple mittlerweile alle identifizierten Anwendungen aus dem iOS App Store gelöscht, allerdings tauchten mittlerweile neue auf. Sie schafften es sogar in die Top 200 der am häufigsten heruntergeladenen kostenlosen Anwendungen. Alle Apps waren zudem für die Altersgruppe „AL“ zugelassen, was bedeutet, dass sie auch bei Kindern auftauchten. Bei manchen der betroffenen Apps gibt es von Nutzern verfasste Kommentare, die vor „Scam“ warnen.

Laut dem Bericht wurden die Apps in zahlreichen beliebten Kategorien wie Reisen, Navigation oder Wetter verteilt. Sie stellen sich als Spiele dar, was jeweils nicht in die Kategorie passt. Es sind KI-generierte Icons von Tieren zu sehen. Die meisten Apps stammen von Entwicklern, die bislang nur eine einzige Anwendung im App Store haben, was Apple eigentlich hätte stutzig machen müssen. Die Entwicklernamen scheinen häufig vietnamesisch zu sein.

Offensichtlich helfen sich die Entwickler untereinander. 9to5Mac stellte auf GitHub ein Repository fest, das genaue Anweisungen enthält, wie man mit KI-Agenten von Cursor entsprechende Apps via Vibe Coding entwickelt, um sie dann auf Wettplattformen verweisen zu lassen. Die brasilianische Regierung hatte Apple zuletzt aufgefordert, sich zu illegalen Glücksspielprogrammen im App Store zu äußern, eine ähnliche Anfrage ging auch an Google und seinen Play Store, wo es offenbar ähnliche Probleme gibt.

Apple betont stets, wie genau sein App-Review-Prozess ist. Man habe so Milliarden US-Dollar an Betrügereien gestoppt. Allerdings kommt es immer wieder vor, dass problematische Programme durchrutschen. Tricks wie jener, je nach IP-Herkunft unterschiedliche Inhalte anzuzeigen, sind dem iPhone-Konzern seit Jahren bekannt – er müsste sie also eigentlich erkennen können.

(bsc)