Heise 16.07.2026
13:56 Uhr

Fehlannahme: Folgen von Sonnenstürmen für moderne Technik wohl viel heftiger


Auf Basis bisheriger Messdaten dachte man, dass es für Folgen eines Sonnensturms eine Obergrenze gibt. Eine solche existiert aber offenbar überhaupt nicht.

Fehlannahme: Folgen von Sonnenstürmen für moderne Technik wohl viel heftiger

Extreme Sonnenstürme können auf der Erde viel heftigere Folgen haben als bislang angenommen. Das habe ein Forschungsteam ermittelt und dabei eine alte Vermutung entkräftet, berichtet die britische Lancaster University. Demnach ist man seit Jahrzehnten davon ausgegangen, dass es für die infolge eines geomagnetischen Sturms in der oberen Erdatmosphäre entstehenden elektrischen Ströme eine Obergrenze gibt. Diese Annahme gehe aber auf Ungenauigkeiten bei den Messungen zurück, solch eine Obergrenze existiere nicht. Je stärker der Sonnensturm, desto heftiger die Auswirkungen auf die Erde und unsere moderne Technik. Das müsse man bei den Vorbereitungen einplanen.

Wie die Forschungsgruppe in Erinnerung ruft, besteht Sonnenwind aus einem nie endenden Strom aus heißem Gas, der von der Sonne weg strömt. Während einer Sonneneruption kann sich der verstärken, und als Folge können elektrische Ströme in der Erdatmosphäre zunehmen. Das kann Satelliten, Kommunikationstechnik und Navigationssignale beeinflussen, je nach Stärke kann Technik dadurch auch beschädigt werden. Bislang hätten Messungen aber darauf hingedeutet, dass das nur bis zu einer bestimmten Grenze der Fall ist, dann würden sich die elektrischen Ströme nicht mehr verstärken. Genau das sei aber nicht der Fall, stattdessen handle es sich um einen Effekt, der unter anderem darauf zurückgehe, dass unsere Daten nur von bestimmten Gebieten im All stammten.

Auf Basis von über einer Million Messwerten der NASA-Sonden MMS und THEMIS hat die Forschungsgruppe demnach jetzt ermittelt, dass es doch einen direkten Zusammenhang zwischen der Stärke eines Sonnensturms und den Strömen in der Erdatmosphäre gibt. Das lege nahe, dass es die angenommene Obergrenze nicht gebe. Erschwert wird die Forschung dadurch, dass die besonders heftigen Sonnenstürme extrem selten sind. Deshalb stehen für solche Analysen nur wenige Daten zur Verfügung. Gleichzeitig legt die Arbeit jetzt nahe, dass die Folgen für unsere Infrastruktur noch heftiger wären als angenommen. Laut der Forschungsarbeit können die „Folgen extremer geomagnetischer Stürme doppelt so groß sein wie bisher angenommen“.

Die Gefahr für unsere moderne Technik geht bei solchen Ereignissen von der Schwächung des Erdmagnetfelds aus, für die elektrisch geladenen Teilchen sorgen. Diese Partikel können moderne Infrastruktur im Weltall und auf der Erdoberfläche lahmlegen, betroffen wären beispielsweise Strom- und Kommunikationsnetze. Vor fünf Jahren hat eine US-Forscherin gewarnt, dass eine besonders starke Sonneneruption dramatische Folgen für die Internetinfrastruktur auf der Welt haben und eine „Internet-Apokalypse“ auslösen könnte. Während die Menschheit seit Jahrzehnten von einer vergleichsweise ruhigen Sonne profitiert, gibt es deshalb immer wieder Forschung zu der Thematik. Erst vor wenigen Wochen hat eine Forschungsgruppe eine mögliche Verteidigungstechnik vorgeschlagen.

(mho)