Heise 16.07.2026
10:47 Uhr

E-Scooter-Unfälle: 38 Prozent mehr Crashs mit Verletzten in einem Jahr


Die Zahl der E-Scooter-Unfälle mit Verletzten ist 2025 um 38 Prozent gestiegen. Falsche Fahrbahnnutzung und Alkohol zählen zu den häufigsten Ursachen.

E-Scooter-Unfälle: 38 Prozent mehr Crashs mit Verletzten in einem Jahr

Die Zahl der E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden ist in Deutschland 2025 drastisch gestiegen und damit deutlich stärker als die allgemeinen Verkehrsunfallzahlen. Während jene nur um 2,3 Prozent zunahmen, schnellten die E-Scooter-Crashs um 38,1 Prozent nach oben. Waren es 2024 noch 11.944, zählte das deutsche Statistikamt Destatis bereits 16.496 E-Scooter-Unfälle mit Verletzten im Vorjahr. Ihr Anteil an allen Unfällen mit Personenschaden wuchs damit von 4,1 auf 5,5 Prozent.

Den Zahlen von Destatis zufolge starben bei E-Scooter-Unfällen 38 Menschen, 1895 wurden schwer und 16.184 leicht verletzt. 82,4 Prozent der Verunglückten waren selbst auf dem E-Scooter unterwegs, 33 von ihnen kamen ums Leben. Die Zahl der Todesopfer auf diesen Elektrokleinstfahrzeugen steigt seit Jahren kontinuierlich: von 10 im Jahr 2022 über 21 (2023) und 27 (2024) auf nun 33.

Die häufigste Unfallursache ist mit 21,6 Prozent die falsche Benutzung von Fahrbahn oder Gehwegen. Obwohl die Fahrzeuge laut StVO vorhandene Radwege nutzen müssen und auf Gehwegen nichts zu suchen haben, ignorieren viele Nutzer diese Regel. Alkohol am Lenker ist mit 10,9 Prozent die zweithäufigste Ursache, deutlich mehr als bei Fahrradunfällen, die nur in 7,7 Prozent im Rausch gebaut wurden. An dritter Stelle folgt nicht angepasste Geschwindigkeit mit 8,4 Prozent.

Auffällig ist die hohe Alleinunfallquote: 30,5 Prozent aller E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden ereigneten sich ohne Unfallgegner. Fast die Hälfte der 33 tödlich verunglückten Fahrenden starb bei solchen Alleinunfällen. Laut einer Analyse der Björn Steiger Stiftung spielt Alkohol dabei eine „erhebliche“ Rolle: Rund 60 Prozent der Alleinunfälle seien auf Kontrollverlust durch Sturz oder Balanceverlust nach dem Genuss von Alkohol zurückzuführen.

Die technischen Eigenheiten der Fahrzeuge tragen zur hohen Alleinunfallquote bei. E-Scooter sind zumeist mit 8-Zoll-Rädern ausgestattet, mit denen die E-Tretroller bereits bei Unebenheiten, Bordsteinkanten und Straßeneinbauten in Zustände unkontrollierbarer Fahrdynamik geraten können. 32 Prozent der schweren Alleinunfälle seien laut Steiger-Stiftung auf solche Hindernisse zurückzuführen gewesen. Schlechte Bodenbeschaffenheit durch Sand, Splitt oder gelöste Pflastersteine kommt als weiterer Faktor hinzu. Crash-Simulationen der HTW Berlin zeigen, dass die Belastungen bei Stürzen mit 25 km/h deutlich höher ausfallen als bei den derzeit erlaubten 20 km/h – ein Argument gegen die diskutierte Anhebung der Höchstgeschwindigkeit.

Die Altersstruktur der Verunglückten unterstreicht, dass E-Scooter-Unfälle vor allem ein Problem junger Nutzer in Großstädten sind. Mit 53,6 Prozent war mehr als die Hälfte der Verunglückten jünger als 25 Jahre, 83,7 Prozent jünger als 45. Fast die Hälfte aller E-Scooter-Unfälle ereignete sich in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern. Das Unfallgeschehen konzentriert sich laut der Steiger-Stiftung auf die Zeit zwischen 18 und 6 Uhr sowie auf Freitag bis Sonntag.

Auch illegales Verhalten schlägt sich in der Statistik nieder: 5,5 Prozent der Verunglückten sind auf E-Scootern mitgefahren, obwohl die Fahrzeuge laut StVO nur für eine Person zugelassen sind. Die Quote stieg damit gegenüber dem Vorjahreswert von 4,7 Prozent weiter an. Bei Kollisionen mit Fußgängern trugen E-Scooter-Fahrende in 88,7 Prozent der Fälle die Hauptschuld, bei Zusammenstößen mit Fahrrädern in 74,3 Prozent.

Die Björn Steiger Stiftung bewertet die bestehende Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung und deren geplante Novellierung als unzureichend. Die Unfallforscher empfehlen unter anderem die Einführung der bewährten Mofa-Prüfbescheinigung, die automatisch das Mindestalter auf 15 Jahre anheben und StVO-Grundkenntnisse sicherstellen würde. Zudem fordern sie verbindliche Mindestgrößen für Räder von 10 Zoll aufwärts, eine Begrenzung von Abstellflächen in Bereichen mit hohem Alkoholkonsum sowie verstärkte Kontrollen. Eine generelle Helmpflicht lehnt die Unfallforschung aufgrund der überwiegend leichten Kopfverletzungen dagegen ab und empfiehlt stattdessen Aufklärungskampagnen. Sie lehnen eine Erhöhung der Höchstgeschwindigkeit auf 25 km/h aus Sicherheitsgründen klar ab.

Im Gegensatz zur allgemeinen Verkehrsunfallbilanz 2025 mit ihrem langfristig stabilen Trend über viele Jahre zeigen E-Scooter einen zunehmend auffälligen Problembereich. Das dürfte so bleiben, solange Flottenausbau sowie Nutzerzahlen steigen und die Regelungslücken fortbestehen.

(fpi)