Heise 08.07.2026
11:21 Uhr

Deutsche Digitalwirtschaft wächst weiter


Cloud und KI sorgen dafür, dass die deutsche Digitalwirtschaft auf solidem Wachstumskurs bleibt. International bleibt die Branche allerdings abgehängt.

Deutsche Digitalwirtschaft wächst weiter

Laut Bitkom-Prognose legt der deutsche Markt für IT und Telekommunikation – kurz ITK – in diesem Jahr voraussichtlich um 4,1 Prozent auf 246,4 Milliarden Euro zu. Damit schreibt die hiesige Digitalwirtschaft ungeachtet der schwierigen geopolitischen und konjunkturellen Rahmenbedingungen an ihrer Wachstumsgeschichte weiter. Im Vergleich zu 2025 verliert der Zuwachs allerdings weiter ein wenig an Fahrt. Denn im vergangenen Jahr wurden laut Verbandsstatistik noch ein Plus von 4,7 Prozent auf 236,6 Milliarden Euro erzielt.

„Digitalisierung bleibt ein Wachstumstreiber in Deutschland“, umschreibt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst die aktuelle Marktlage. Unternehmen und öffentliche Hand investierten weiter in Software, IT-Services, KI und Cybersicherheit, auch wenn manche Entscheidung angesichts der wirtschaftlichen Lage vorsichtiger getroffen werde.

Treibende Kraft hinter dem Wachstum der Digitalwirtschaft bleibt die Informationstechnik und hier vor allem das Softwaresegment. In der IT wird konkret ein Umsatzplus von 5,4 Prozent auf 170,8 Milliarden Euro erwartet. Die Geschäfte mit Software sollen in diesem Jahr voraussichtlich um 9,9 Prozent auf 58,1 Milliarden Euro zulegen. Ein wesentlicher Teil hiervon wird für den Betrieb öffentlicher Clouds ausgegeben. Allein mit Cloud-Software sollen in diesem Jahr 42,5 Milliarden Euro umgesetzt werden – ein Plus von 21,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Noch stärker legen erwartungsgemäß die KI-Aktivitäten zu – wenn auch noch auf überschaubarer Basis. Die Umsätze mit KI-Plattformen sollen nach Bitkom-Berechnungen in diesem Jahr um 75,8 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro steigen, nachdem sie 2025 schon um 50 Prozent gewachsen waren.

Die übrigen IT-Segmente Services und Hardware entwickeln sich der Prognose zufolge ebenso positiv, mit Wachstumswerten im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Innerhalb der IT-Hardware ragt das Geschäft rund um Infrastruktur aus der Cloud (Infrastructure-as-a-Service) mit einem Plus von 22,3 Prozent heraus. Darüber hinaus macht Wintergerst darauf aufmerksam, dass sich das Wachstum im Hardware-Segment zum Gutteil auf Preiseffekte zurückführen lässt. „Gestiegene Preise für RAM-Speicher und Chips treiben die Umsätze nach oben, obwohl in vielen Segmenten die Verkaufszahlen zurückgehen“, erklärt Wintergerst.

Der TK-Markt wiederum soll moderat zulegen. Der Verband erwartet ein Plus von 1,4 Prozent auf 75,6 Milliarden Euro. Den größten Anteil daran hat das Dienstesegment mit 53,9 Milliarden Euro (plus 0,9 Prozent). Die Infrastruktur-Umsätze steigen voraussichtlich um 4,2 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro. Die Einnahmen mit Endgeräten wie Smartphones steigen um 1,6 Prozent auf 13,4 Milliarden Euro.

Der allgemeine Branchenzuwachs von 4,1 Prozent wirkt im nationalen Konjunkturkontext fraglos äußerst solide. Zur ganzen Wahrheit gehört allerdings, dass die hiesige Digitalwirtschaft im internationalen Vergleich weiter hinterherhinkt. Denn weltweit legt der ITK-Markt 2026 sogar voraussichtlich um 8,5 Prozent auf 5,9 Billionen Euro zu. Infolgedessen wird der deutsche Anteil leicht auf 3,8 Prozent zurückgehen. Die USA als dominierende Region sollen dagegen ein Wachstum von 12,7 Prozent und damit einen Anteil von 41 Prozent am weltweiten ITK-Geschäft verbuchen.

Die Schere öffnet sich folglich immer weiter, weil in Ländern wie den USA massiv in digitale Infrastrukturen wie Rechenzentren und Innovationen investiert werden. Um nicht noch weiter an Boden zu verlieren und zumindest die Wachstumsraten der USA zu erreichen, fordert Wintergerst nachdrücklich mehr ITK-Investitionen.

(axk)