Heise 09.09.2026
15:38 Uhr

Anstieg von Verbrauch an KI-Tokens – was einige Claude-Nutzer berichten


Einige Claude-User schauen derzeit geschockt auf ihren Token-Verbrauch. Obwohl sie die KI-Tools teilweise tagelang nicht nutzen, steigt der Verbrauch weiter.

Anstieg von Verbrauch an KI-Tokens – was einige Claude-Nutzer berichten

Wer KI-Dienste wie Anthropics Claude über die API nutzt, schaut wahrscheinlich regelmäßig auf den Token-Verbrauch. Dieser zeigt an, wie viel vom monatlichen Limit schon durch diverse KI-Aufgaben verbraucht wurde und ob womöglich weitere Kosten auf die Nutzer zukommen. Wie TechCrunch berichtet, steigt aktuell der Verbrauch bei vielen Claude-Usern obwohl sie die KI gar nicht benutzen.

So erging es etwa Grant De Swardt, einem KI-Berater aus Großbritannien. Er nutzt einen Claude-Max-Account mit zwanzigfachem Limit. Monatlich zahlt er dafür 200 US-Dollar. Zunächst bemerkte er, dass der Verbrauch stieg, obwohl er die KI an diesem Tag nicht genutzt hatte. Um dem Ganzen nachzugehen, stoppte er sämtliche geplanten Aufgaben in Claude Cowork und nutzte auch den Chatbot selbst nicht mehr. Obwohl die Arbeit für die KI von seiner Seite aus brachlag, stieg der Verbrauch von 45 auf 55 Prozent an.

De Swardt kontaktierte Anthropic und schilderte das Problem. Das KI-Unternehmen stellte ebenfalls fest, dass es verdächtige Aktivitäten gibt, terminierte alle Sessions des Users und sperrte seinen Account. Der Grund: Dritte hätten sich über einen kompromittierten Session-Key Zugriff auf sein Konto verschafft. Er bekam 44,49 britische Pfund als anteilige Rückerstattung für seine monatliche Zahlung zurück. Allerdings benötigte er den Zugang, um seiner Arbeit als KI-Berater nachzugehen. Zwei Wochen dauerte es, bis sein Account wiederhergestellt wurde.

In der Zwischenzeit schilderte De Swardt sein Problem auf Reddit und anderen Plattformen und fand dort Leidensgenossen. Andere Claude-User hatten die KI ebenfalls nicht genutzt, stellten aber einen steigenden Token-Verbrauch fest. Anthropic schickte einigen von ihnen sogar eine Mail dazu. Darin heißt es, dass es seit geraumer Zeit Malware-Angriffe auf Claude-User gibt, über die Login-Sessions gekapert werden. Anschließend verbrauchen die Hacker die Tokens der User.

Laut Anthropic ist dafür ein Infostealer verantwortlich, der die Login-Daten und Session-Keys an die Hacker übermittelt. Das Unternehmen betont, dass die Malware nicht durch die Nutzung von Claude, sondern über andere Wege auf den Computern der User gelandet sein muss. Deshalb sollten User aufpassen, dass sie keine Dateien von dubiosen Webseiten herunterladen. Die meisten betroffenen Accounts wurden von Anthropic ausgeloggt, ihre Autorisierung zurückgesetzt und etwaige Zahlungen anteilig zurückerstattet.

Wie die Claude-User bemängeln, hätten sie von dem Verbrauch fast nichts mitbekommen. Der Dienst zeigt nur den Gesamtverbrauch in Prozenten an, aber nicht, wofür die Tokens genutzt wurden. So haben User keinerlei Einblick, ob ihre Aufgabe die Tokens verbraucht oder jemand anderes komplett andere Tasks anstößt. De Swardt ist laut eigenen Aussagen mittlerweile auf Cursor gewechselt, weil er nicht auf die Reaktivierung seines Claude-Accounts warten konnte.

Dieser Artikel ist zuerst auf t3n.de erschienen.

(jle)