Heise 17.10.2026
09:00 Uhr

Gettys Restrukturierung und imposantes Wildlife – Fotonews der Woche 42/2026


Zwischen Gettys finanzieller Neuaufstellung, Canons Fingerabdruck-Idee und preisgekrönter Wildlife-Fotografie zeigt sich, wie vielfältig Fotografie ist.

Gettys Restrukturierung und imposantes Wildlife – Fotonews der Woche 42/2026

Diese Woche bot die Fotografie ein spannendes Spektrum zwischen Herausforderungen, Innovation und emotionalen Momenten: Getty Images kündigt ein Insolvenzverfahren an, Canon wagt mit Fingerabdrucksensoren in Kameras einen technologischen Vorstoß und die Gewinner des „Wildlife Photographer of the Year 2026” beeindrucken mit atemberaubenden Bildern. Noch dazu gab es eine herzerwärmende Geschichte über ein verlorenes Hochzeitsalbum, das seinen Weg zurück nach Hause fand.

Getty Images, einer der weltweit führenden Anbieter von Bild- und Videolizenzen, bereitet eine Chapter-11-Restrukturierung vor. Ein Chapter-11-Verfahren ist ein spezieller Umstrukturierungsprozess für US-Unternehmen. Wie PetaPixel erklärt, soll der Schritt das Unternehmen privatisieren und finanziell neu aufstellen. Im Rahmen dessen wollen die Getty-Familie und das Unternehmen Koch Equity Development, der Investitionsarm der Koch Inc., bis zu 533 Millionen US-Dollar neues Eigenkapital bereitstellen. Getty betont, dass der Geschäftsbetrieb unverändert weiterlaufen und es keine geplanten Auswirkungen auf Fotografen oder Kunden geben soll. Branchenverbände wie die ASMP sowie PetaPixel empfehlen Kreativen dennoch, Zahlungsunterlagen, Vergütungsabrechnungen und Verträge zu dokumentieren. Die finanziellen Belastungen werden unter anderem mit den Kosten der gescheiterten Fusion mit Shutterstock sowie laufenden Rechtsstreitigkeiten mit Stability AI in Verbindung gebracht.

Für Fotografen, deren Einkommen von Getty Images abhängig ist, bleibt die Situation unsicher. Zwar versichert das Unternehmen, dass es Lieferanten und Dienstleister regulär bezahlen und keine Zahlungen aussetzen möchte. Das Szenario zeigt jedoch, wie fragil die aktuelle wirtschaftliche Situation selbst für große Akteure in der Foto- und Kreativbranche ist. Für viele Fotografen sei es ratsam, sich auf mögliche Verzögerungen vorzubereiten und Verträge kritisch zu prüfen, betont Getty Images.

Canon hat Anfang des Monats eine Patentanmeldung für Fingerabdrucksensoren im Kameragriff veröffentlicht, wie Docma berichtet. Die Sensoren sollen sich so positionieren lassen, dass Nutzer die Kamera beim gewohnten Halten authentifizieren können. Denkbar wären Diebstahlschutz, personalisierte Kameraeinstellungen oder eine Zuordnung von Aufnahmen zu einer bestimmten Person. Ob sich daraus ein Produkt entwickelt und ob die Technologie tatsächlich zur Absicherung der Bildauthentizität dienen kann, ist derzeit noch offen.

Zwar ist die Idee innovativ, sie wirft jedoch auch einige Probleme auf. Während die Authentifizierungsfunktion für professionelle Fotografen von Vorteil sein könnte, wirft sie Fragen zum Datenschutz und zur Sicherheit der hinterlegten biometrischen Daten auf. Zudem könnte die Technologie Fotojournalisten, die anonym bleiben wollen oder müssen, in autoritären Staaten gefährden. Ob sich die Idee in der Praxis durchsetzen wird, bleibt daher abzuwarten.

Die Gewinner des renommierten Wettbewerbs „Wildlife Photographer of the Year 2026” wurden bekanntgegeben. Den Hauptpreis sicherte sich der Italiener Federico Veronesi mit seinem berührenden Foto „The Aftermath“. Das Bild zeigt eine Elefantenkuh, die ein totes Kalb trägt. Das Verhalten ist selten und Experten vermuten, dass das Kalb nicht ihr eigenes war, da die Kuh bereits mehrfach tote Kälber anderer Kühe aufgenommen hatte. Weitere ausgezeichnete Bilder stammen von sowohl jungen als auch etablierten Fotografen, die mit ihren spektakulären Aufnahmen die Schönheit und Zerbrechlichkeit der Natur dokumentieren. Zu den Höhepunkten gehören ein unter UV-Licht leuchtender Pilz, ein mit einem Smartphone festgehaltener Hummelflügelschlag sowie vermutlich erstmals dokumentierte Paarungs- und Laichmomente von Abbott-Muränen in Japan.

Der Fotowettbewerb zeigt eindrucksvoll, wie Fotografie oft übersehene oder seltene Momente der Natur einfangen kann. In einer Zeit, in der der Lebensraum vieler Tierarten bedroht ist, tragen solche Bilder dazu bei, Bewusstsein für die Natur und den Umweltschutz zu schaffen. Die Ausstellung im Natural History Museum in London ist ab dem 16. Oktober 2026 zu sehen und lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, die Geschichten hinter den Bildern zu entdecken und die Vielfalt der Natur zu erleben.

Eine bewegende Geschichte: In Wakefield (Großbritannien) wurde ein Hochzeitsalbum aus den 1950er-Jahren, das bei einem Diebstahl verloren gegangen war, an seine rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben. Andrew Bedford fand das Album vor seinem Café „Eva’s Kitchen“ in Wakefield. Die Historikerin Anne-Marie Fawcett spürte die Familie auf und so erhielten die ursprünglichen Besitzer ihr Album zurück. Es stammte von der Hochzeit von Maxwell Dawson und Barbara Parr im Jahr 1957 und war zusammen mit anderen Familiengegenständen aus einem Lagerfach gestohlen worden.

Die Geschichte zeigt auf eindrucksvolle Weise den immateriellen Wert von Fotografien als Erinnerungsstücke. In einer zunehmend digitalen Welt, in der Bilder oft als flüchtig wahrgenommen werden und viele Fotos nur digital existieren, erinnert dieser Vorfall daran, wie wichtig physische Fotografien für die Bewahrung persönlicher Geschichten sind.

Von technologischen Innovationen bei Canon über wirtschaftliche Herausforderungen bei Getty Images hin zu emotionalen Höhepunkten in der Wildlife-Fotografie und einer herzerwärmenden Geschichte aus Großbritannien – diese Woche zeigt einmal mehr die Vielschichtigkeit der Fotografie. Sie ist nicht nur ein technisches Handwerk, sondern auch ein Medium, das Geschichten erzählt, Emotionen einfängt und Erinnerungen bewahrt. Gleichzeitig stellt sie uns immer wieder vor neue Herausforderungen, sei es im Bereich der Bildauthentifizierung oder der finanziellen Absicherung von Kreativen.

(vat)