Heise 03.09.2026
12:25 Uhr

Blick ins Heft c’t 19/2026: Raus aus der Abhängigkeit


Ein Leben ohne Microsoft 365 oder Google Workspace? Was nach digitaler Askese klingt, ist eine realistische Option mit quelloffenen Office-Komponenten.

Blick ins Heft c’t 19/2026: Raus aus der Abhängigkeit

Anfang der Woche hat Microsoft ganze Nutzergruppen lahmgelegt, es hagelte Probleme beim Zugriff auf und Versand über den cloudbasierten E-Mail-Dienst Exchange Online. Ursache sei eine Konfiguration der Kern-Authentifizierung, erklärte Microsoft. Das führte wohl auch zu Störungen in Teams und Outlook.

Die inzwischen behobene Störung von Exchange zeigt eine relevante Schwachstelle in unserer hochdigitalisierten Gesellschaft auf (okay, das ist ein großes Wort angesichts der Digitalisierung deutscher Behörden, aber egal): Wenn sich der Dienst eines zentralen Anbieters verschluckt, müssen Nutzer weltweit husten. Und können nichts dagegen tun.

Meine Kollegen haben in der aktuellen c’t untersucht, welche Folgen die Abhängigkeit von Microsoft, Google & Co. hat. Herausgekommen ist eine Bestandsaufnahme nebst Anleitung, wie sich Unternehmen, Behörden und private Nutzer aus den Fängen der allmächtigen US-Unternehmen befreien könnten. Ob sie das dann auch tun, steht auf einem anderen Blatt. Es ist aber gut zu wissen, wie es gehen könnte und warum Microsoft-Alternativen wie openDesk auch für Privatanwender einen Blick wert sind.

Ein Leben ohne Microsoft 365 oder Google Workspace? Was nach digitaler Askese klingt, ist längst eine realistische Option. Privatleute und Unternehmen, die Microsoft 365 oder Google Workspace nutzen, überlassen den US-Konzernen einen beträchtlichen Teil ihrer digitalen Daten. E-Mails, Termine, Kontakte und Dokumente liegen auf deren Servern; über Teams und Meet laufen vertrauliche Gespräche; OneDrive, SharePoint und Google Drive speichern mitunter ganze Unternehmensarchive.

Zwar betreiben Microsoft und Google längst Rechenzentren in Europa und versprechen umfangreiche Schutzmaßnahmen. Doch beide Unternehmen bleiben US-amerikanischem Recht unterworfen.

Trotzdem muss niemand Word-Dokumente als Mailanhang hin- und herschicken oder den eigenen Mailserver im Keller betreiben. Europäische Anbieter kombinieren längst quelloffene Office-Komponenten zu eigenen Online-Arbeitsplätzen für Office, Kommunikation und Kollaboration. Und mit openDesk steht ein entsprechendes Paket aus Open-Source-Komponenten für Behördenarbeitsplätze bereit.

Datenschutz ist aber nur ein Teil des Problems: Wer seine E-Mails, Dateien und Arbeitsabläufe vollständig einem Cloudanbieter anvertraut, bindet sich auch technisch und wirtschaftlich an ihn. Daten lassen sich zwar meist exportieren. Ob sich aber jahrelang gewachsene Postfächer, Kalender, gemeinsam bearbeitete Dokumente, Zugriffsrechte und Arbeitsabläufe ohne Verluste zu einem anderen Dienst übertragen lassen, steht auf einem anderen Blatt.

Je mehr Funktionen aus einer Hand kommen, desto größer wird der Aufwand bei einem späteren Wechsel. Man spricht vom sogenannten „Vendor-Lock-in“.

Nicht für jeden Nutzer wiegen diese Risiken gleich schwer. Besonders hoch sind die Anforderungen bei Behörden, im Gesundheitswesen oder bei Betreibern kritischer Infrastrukturen. Hier wird digitale Abhängigkeit zum gesellschaftlichen Risiko.

Eine zentrale Rolle bei der digitalen Souveränität spielt derzeit Nextcloud. Das Open-Source-Projekt begann als Alternative zu Cloudspeichern wie Dropbox und OneDrive, hat sich aber längst zu einer umfangreichen Kollaborationsplattform entwickelt. Nextcloud stellt dabei vor allem die Plattform: Einen eigenen Mailserver bringt die Software beispielsweise nicht mit, sondern bindet vorhandene Mailkonten ein.

Wer einen ähnlich vollständigen Arbeitsplatz wie mit Microsoft 365 oder Google Workspace mit anderer Software betreiben will, muss deshalb mehrere Bausteine miteinander kombinieren. An Auswahl mangelt es nicht. Für fast jede von den US-Diensten abgedeckte Aufgabe existieren mittlerweile ausgereifte Alternativen.

Die Preise für Arbeitsspeicher und SSDs erklimmen seit rund einem Jahr immer neue Höchststände. Entsprechend ist die Kauflaune vor allem bei PC-Bastlern im Keller. Statt komplett neue Rechner zu kaufen, entscheiden sich viele fürs Aufrüsten ihrer bestehenden Systeme. Das spart viel Geld und kann viel bewirken.

Wir rüsten exemplarisch einen rund sieben Jahre alten, spieletauglichen Allround-PC auf, statt 2000 Euro oder mehr in einen neuen Gaming-Rechner zu stecken. Unser Beispiel ist der c’t-Bauvorschlag des optimalen PCs von Ende 2019, der eine aktuelle Grafikkarte sowie einen leistungsfähigeren Prozessor bekommt.

Uns geht es nicht darum, wie viel Performance das bringt. Der Artikel liefert stattdessen allgemeine Tipps zum Aufrüsten und weist auf Fallstricke bei Netzteil, Kühlung und die Upgrade-Optionen für verschiedene CPU-Plattformen hin.

Die wichtigste Komponente für 3D-Spiele ist die Grafikkarte. Wenn es zu ruckeln anfängt, also die Bildrate unter 60 fps fällt, ist meistens sie überfordert. Das kann an einer zu schwachen GPU, zu wenig Grafikspeicher oder einer Kombination aus beidem liegen. Durch Reduzieren von Bilddetails, grafischen Effekten und der Renderauflösung durch Upscaling lässt sich das oft beheben. Wenn nicht, bleibt nur der Tausch gegen eine stärkere Grafikkarte.

Um den Flaschenhals beim Prozessor zu beseitigen, haben wir beim Ryzen-Allrounder zusätzlich zur Grafikkarte noch den Sechskerner Ryzen 5 3600 ersetzt. Größter Gamechanger war dabei im wahrsten Sinne des Wortes der 3D-V-Cache. Das spart Zugriffe aufs vergleichsweise langsame RAM, wovon vor allem 3D-Spiele profitieren.

Wie Sie beim Umbau konkret vorgehen und wie viel Geld Sie dafür in die Hand nehmen müssen (Spoiler: es ist nicht super billig, aber es lohnt sich), haben wir im Detail für Sie aufgeschrieben. Wir wünschen viel Spaß beim Nachbauen.

Anthropics KI-Assistent Claude liest Dateien auf dem Rechner, steuert den Browser und erledigt autark mehrstufige Aufgaben. Wir zeigen, wie Sie Kollege Claude einrichten, personalisieren und die Sicherheit im Blick behalten.

In moderne Rechner gehört eine PCIe-SSD, ältere Schätzchen aber haben nur SATA-Ports. Passende SATA-SSDs können die Lebensdauer der PCs verlängern. Die getesteten Kandidaten haben rund 500 GByte und kosten ab 27 Euro.

FritzOS 8.50 bringt DNS-Filter, die nervige Werbung blocken – nicht nur auf dem PC, sondern auch auf Smartphone, TV und allen anderen Geräten im Heimnetz. So nutzen Sie Adblocker direkt in Fritzboxen.

Mobilfunklaufzeitverträge halten für unerfahrene Nutzer böse Kostenfallen bereit. Prepaid-Angebote bieten günstige Preise bei minimalem Risiko. Bei der Auswahl gilt es aber einiges zu beachten.

Die Busy Bar zeigt auf einem pixeligen Display an, wenn – und wie lange noch – ihr Besitzer nicht gestört werden möchte. Sie ist über Apps und APIs erweiterbar.

Oben und unten, rechts und links: Irgendwo sind immer schwarze Balken. Kaum ein Film nutzt den Platz auf 16:9-Fernsehern komplett aus. Warum Filme nie richtig auf den Bildschirm passen. Die Kunst der schwarzen Balken.

KI-Agenten sollen künftig durch Programme und Webseiten klicken, Dateien bearbeiten und Termine organisieren. Das birgt außer Sicherheitsrisiken auch die grundsätzliche Frage, wie autonom KI agieren darf. Forscher arbeiten an Kontrollpunkten und persönlichen Datenräumen, damit der Mensch die Kontrolle behält. Wenn die KI zur Maus greift.

Die auf iPhones vorinstallierte Kurzbefehle-App kann mit Automatisierungen dabei helfen, ein abhandengekommenes Gerät zu orten. Ein verlegtes iPhone ist damit schnell wiedergefunden. Sicherheitsleine fürs Smartphone.

Eine Android-App ohne viel Aufwand auch für iOS, Desktops und das Web zu veröffentlichen, das verspricht Kotlin Multiplatform. Wir probieren den aktuellen Stand des Projekts anhand einer einfachen Beispiel-App aus. Überall-App Apps für Mobilgeräte und Web entwickeln.

KI-Rechenzentren schießen wie Pilze aus dem Boden. Sie verheizen nicht nur mehr Strom als normale Rechenzentren, sondern haben auch technische Besonderheiten. Wie sich KI-Rechenzentren von gewöhnlichen unterscheiden.

Hören Sie Podcasts? Dann möchte ich Ihnen heute die neue Staffel unserer „Darknet Diaries Deutsch“ ans Herz legen. In dem True-Crime-Format geht es um echte Kriminalfälle aus dem Tech-Bereich. Auch die sechs neuen Geschichten sind eine überarbeitete Fassung des US-amerikanischen Originalpodcasts von Jack Rhysider. Wie in den Vorgängerstaffeln übersetzen und moderieren Isabel Grünewald, Judith Hohmann und Marko Pauli die Episoden.

Diesmal geht es unter anderem um ein Hackertrio, das mit Malware, Krypto-Mining und Millionenbetrug jahrelang das FBI beschäftigt hat. Außerdem dabei Rachel Tobac, die mit ihrer Stimme und gefälschten Dokumenten Bankkonten knackt und ein Streaming-Stick, der seine Nutzerinnen und Nutzer heimlich ausspioniert.

Letzteres hat mich an die sehr einfach erhältlichen Hackertools erinnert, die mein Kollege Ronald Eikenberg vor geraumer Zeit vorgestellt hat. Sein Bericht hat mich nachhaltig davor bewahrt, fremde USB-Sticks in mein Notebook zu stecken.

Auch bei den „Darknet Diaries Deutsch“ können Sie eine Menge lernen über Cyberkriminalität und wie Sie sich davor schützen kann. Hören Sie mal rein, es lohnt sich wirklich! Los geht es ab dem 15. September: Jeden Dienstag gibt es eine neue Folge. Und damit Sie die nicht versehentlich verpassen, können Sie unseren Podcast abonnieren:

(uk)