FAZ 19.07.2026
16:19 Uhr

Zirkus Barelli: Familienleistung unter dem Zirkusdach


Der Zirkus Barelli ist zurück in Frankfurt. Im neuen Zelt überzeugen die Mitglieder der Familie mit internationaler Unterstützung.

Zirkus Barelli: Familienleistung unter dem Zirkusdach

Gelungener Neuanfang: Das zweite Leben des Zirkus Barelli hat unter der Leitung von Timmy und Franz Barelli vor zwei Jahren unter anderem mit einem Gastspiel in Frankfurt etwas stotternd begonnen. Von dem Ziel, so gut wie der deutsche Vorzeigezirkus Roncalli zu werden, war Barelli damals meilenweit entfernt. Ja, man musste sogar befürchten, dass es wieder schnell zu Ende gehen würde mit dem zweiten Zirkusleben. Jetzt, zwei Jahre später, darf man nach der Premiere auf dem Frankfurter Festplatz am Ratsweg optimistisch sein, dass dem Zirkusunternehmen der Familie Spindler, die sich Barelli nennt, ein längeres Leben beschieden sein wird und dem Publikum weiterhin ein schönes Nachmittags- oder Abendvergnügen. Man kann den Omas, Opas, Tanten und Onkeln nur empfehlen, ihre Enkel, Nichten und Neffen während der Ferien an die Hand zu nehmen und ins Chapiteau auf dem Frankfurter Festplatz zu führen, während Mama und Papa arbeiten. Verblüffender Zauber und ein sanfter Clown Noch immer ist Roncalli dem Familienzirkus aus Pirmasens um einiges voraus, doch haben die Barellis einen großen Schritt nach vorne gemacht und können nun nicht nur ein komfortables neues Zelt mit rundum freier Sicht auf die Manege anbieten, sondern auch ein attraktives Familienprogramm, das alles enthält, was eine klassische Zirkusdarbietung verlangt: einige internationale Artisten, zwei sehenswerte Tiernummern, eine verblüffende Zaubershow, einen sympathisch sanften Clown aus Frankreich, ein Orchester mit zwölf Musikern aus der Ukraine – und eine geschlossene Familienleistung. Der Einsatz zahlreicher Familienmitglieder ist das Fundament, das diesen Zirkus trägt. Barelli hier, Barelli dort. Sogar der Patriarch Harry Barelli hat einen kurzen komischen Auftritt. Seine Söhne Franz und Timmy, die jetzt das Unternehmen leiten, sind dagegen im Dauereinsatz: Franz als Ansager und in einer gesonderten Nummer als Dompteur von vier Kamelen, die im Wiegeschritt durch die Manege traben und sich nicht von den drei quirligen weißen Araberpferden mit ihren eleganten Drehungen und schnellen Formationen aus der Ruhe bringen lassen. Timmy seinerseits gibt sich als Comedian und Sänger, dem besonders gut italienische Schnulzen à la „O sole mio“ von den Lippen gehen. Überhaupt ist die Familie Barelli sehr musikalisch: Timmy und sein zwölf Jahre alter Enkel Anthony spielen die Trompete, dass es eine Freude ist. Anthonys Bruder Francesco wiederum brilliert im artistischen Fach mit einer stilvollen Jonglage-Nummer mit mittlerweile sieben Bällen, die sicher von seiner Hand auf den Boden und zurück zirkulieren. Wenn er dereinst einmal mit acht oder gar neun Kugeln arbeitet, dürfte er ein international gefragter Star sein. Der Familienverbund wird vervollständigt durch Ashley Barelli, die präzise die Hula-Hoop-Reifen kreisen lässt, und durch Ramona Barelli, die auf ihrem Andalusier „Quiero“ die hohe Schule der Reitkunst zelebriert. Internationale Artistenklasse hat sich der Zirkus Barelli mit den beiden Rivera-Brüdern aus Kolumbien dazugekauft, die im und auf dem Todesrad mit südamerikanischem Temperament ihre riskanten Läufe und Sprünge vorführen. Ein Leckerbissen ist die Drahtseilnummer der Tonitos, die im spanischen Rhythmus zwei Meter über dem Boden tanzen. Mit den Flying Milla aus Chile bietet Barelli eine Spitzennummer, auch wenn der äußerst schwierige dreifache Salto Mortale am Fliegenden Trapez an diesem Abend scheitert. Zu Recht haben die Barellis die Luna Magic Show ans Ende des Programms gesetzt, denn danach gehen die Zuschauer mit der unbeantwortbaren Frage nach Hause, wie der großartige Magier wohl vier schöne Frauen aus einem leeren Schrank gezaubert hat. Der Zirkus Gebrüder Barelli gastiert bis zum 9. August auf dem Festplatz am Ratsweg in Frankfurt. Vorstellungen finden täglich von 15 und 20 Uhr an statt, an Sonn- und Feiertagen von 11 und 15 Uhr an.