Energie in Deutschland – in täglich aktualisierten Grafiken Von JULIA BELLAN, CLAUDIA BOTHE, JENS GIESEL, CORINNA ZANDER und RAINER STIERLI Zuletzt aktualisiert: 06.09.2026, 18:41 Uhr Energy_Dashboard iframe Deutschland ist zurück in einer Energiekrise. Seit Beginn des Kriegs in Iran und der Sperrung der Straße von Hormus sind die Preise für Öl, Gas und auch Strom deutlich gestiegen. Ein Barrel Öl kostete zwischenzeitlich knapp 120 Dollar, fast doppelt so viel wie vor dem Krieg. Der Gaspreis stand teilweise bei mehr als 80 Euro je Megawattstunde, ein Plus von 150 Prozent. Und auch auf den Strommarkt schlagen die Entwicklungen durch, weil Gaskraftwerke hier oft den Preis setzen. Die steigenden Preise merken die Verbraucher schon jetzt unmittelbar an der Tankstelle. Aber auch beim Heizöl, Strom und Gas werden sie sich spätestens im kommenden Jahr auf der Nebenkostenabrechnung bemerkbar machen. Durch den steigenden Gaspreis verteuern sich auch Industrieprodukte wie zum Beispiel Düngemittel. Das wiederum hat Einfluss auf Lebensmittel- und Weizenpreise. Die Sanktionspolitik Russlands und der EU lässt zudem die Preise für Rohöl steigen, was sich auch auf die Benzin-, Diesel- und Heizölpreise auswirkt. Wie viel Erdgas wird verbraucht? Insgesamt ist der Gasverbrauch in Deutschland im Vergleich zum Jahr 2021 deutlich gesunken. Wegen des befürchteten Gasmangels einigten sich die EU-Staaten Ende Juli 2022 in einem Gas-Notfallplan für den Winter auf ein Einsparziel. Demnach sollten die Mitgliedstaaten ihren Gasverbrauch zwischen dem 1. August 2022 und dem 31. März 2023 um 15 Prozent reduzieren. Daraufhin sank in Deutschland der Gasverbrauch in den Jahren 2022 und 2023. Seit 2024 steigt der jährliche Verbrauch wieder leicht, liegt aber immer noch unter dem Niveau von 2021. Gasverbrauch nach Sektor Gasverbrauch Gesamt Gasverbrauch Haushalte & Gewerbe Gasverbrauch Industrie Kein Gas mehr aus Russland Vor dem russischen Angriff auf die Ukraine kamen die Hälfte der deutschen Gas- und Kohleimporte und sogar ein Drittel des Öls aus Russland. Seit Beginn des Krieges versucht die Bundesregierung, Alternativen zu russischen Energieimporten zu finden. Die geplante Inbetriebnahme der Gaspipeline Nord Stream 2 wurde gestoppt. Der russische Gaskonzern Gazprom, von dem die Gasimporte über Nord Stream 1 kommen, hat die Liefermenge im Juni drastisch reduziert. Nach einer zehntägigen Wartung im Juli 2022, in der kein Gas durch die Ostseepipeline floss, reduzierte der Konzern abermals die Durchflussmengen auf nur 20 Prozent der maximalen Kapazität. Seit dem 31. August 2022 fließt gar kein Gas mehr durch Nord Stream 1. Stattdessen sind Norwegen, die Niederlande und Belgien zu den wichtigsten Gaslieferanten für Deutschland geworden. Auch LNG-Importe nehmen seit 2025 zu, ihr Anteil an allen Importen lag bei 10,3 Prozent. Rund 96 Prozent kamen aus den USA. Aufgrund der geringeren Importe wurden die Gasexporte deutlich reduziert. Erst im Jahr 2025 nahmen diese wieder zu. Tägliche Gasimporte und -exporte Gasimporte und -exporte Gasimporte Gasexporte In Vorbereitung auf den Winter werden jedes Jahr die Gasspeicher wieder aufgefüllt. Sie sollen die Versorgungssicherheit gewährleisten und bei starker Nachfrage oder Versorgungsunterbrechungen eine zusätzliche Reserve sein. Die Europäische Union hat für alle Mitgliedsländer Ziele festgesteckt, die zunächst bis Ende März 2027 gelten. Deutschlands Gasspeicher sollen demnach am 1. November einen Füllstand von mindestens 80 Prozent erreicht haben und am 1. Februar 2027 einen Mindestfüllstand von 30 Prozent aufweisen. Unabhängigkeit durch erneuerbare Energien? Die Energiekrise zeigt, wie wichtig der Ausbau erneuerbarer Energien ist. In Deutschland besteht oft mehr als die Hälfte des erzeugten Stroms aus regenerativen Energiequellen wie Wind und Sonne. Während Dunkelflauten, also bei gleichzeitiger Dunkelheit und Windflaute, wird mehr Strom aus Gas-, Kohle- und Kernkraftwerken ins Netz gespeist. Seit dem 15. April 2023 wird in Deutschland selbst kein Atomstrom mehr produziert, die letzten drei Atomkraftwerke wurden abgeschaltet. Allerdings wird nicht nur Strom als Energie benötigt. Die Industrie nutzt Kohle und Gas, im Verkehrswesen wird zumeist Erdöl eingesetzt. Wohnungen werden oft mit Gas- oder Ölheizungen beheizt. Diese sollten durch klimafreundliche Wärmepumpen ersetzt werden. Die Förderung dafür schraubte die Bundesregierung nun zurück. Das sogenannte Heizungsgesetz der Vorgängerregierung soll durch das Gebäudemodernisierungsgesetz abgelöst werden. Was weiterhin gilt: Die CO₂-Emissionen in Deutschland sollen bis 2030 um 65 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 sinken. Bis 2045 soll Klimaneutralität erreicht werden. Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch soll bis 2030 auf mindestens 80 Prozent steigen. Damit würde sich Deutschland unabhängiger von fossilen Energieimporten machen. Im Jahr 2025 lag der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch bei 55,1 Prozent. Hinweis: Da es sich um Grafiken handelt, die Daten automatisiert bei der Quelle abfragen, kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich fehlerhafte oder fehlende Daten in Ausnahmefällen auch in unseren Grafiken niederschlagen. Energiekrise Reicht das Gas für den Winter? Vergleichsrechner Lohnt sich ein Umstieg aufs Elektroauto?
