FAZ 08.03.2026
11:26 Uhr

Wahl in Baden-Württemberg: Cem Özdemir hat gewählt


Spitzenkandidat der Grünen gibt in Stuttgart seine Stimme ab +++ Frohnmaier soll prorussischen Mitarbeiter länger beschäftigt haben als bisher bekannt +++ Neues Wahlrecht mit zwei Stimmen +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Wahl in Baden-Württemberg: Cem Özdemir hat gewählt

Kretschmann gibt seine Stimme abBaden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat seine Stimme für die Landtagswahl abgegeben. Begleitet von seiner Frau Gerlinde und seinem Sohn Johannes kam der 77 Jahre alte Politiker zum Wahllokal in Sigmaringen. Der Grünen-Politiker tritt bei der Wahl nicht mehr an – nach 15 Jahren als Ministerpräsident in Baden-Württemberg. Seit 2016 hat Kretschmann mit der CDU regiert, zuvor fünf Jahre lang mit der SPD. 

Özdemir hat gewähltDer Grünen-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg, Cem Özdemir, hat in einem Wahllokal in Stuttgart gewählt. Der 60 Jahre alte frühere Bundesminister kam allein in die Schule, in der der Raum für die Abstimmung war. Özdemir will Nachfolger von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) werden, der nach drei Amtszeiten nicht mehr antritt. Chancen auf Kretschmanns Nachfolge hat neben Özdemir auch der CDU-Landesvorsitzende Manuel Hagel. 

Politikwissenschaftler sieht Özdemir als „idealen Kandidaten“Der Politikwissenschaftler Joachim Behnke sieht in der unterschiedlichen Wahrnehmung der Spitzenkandidaten einen Hauptgrund für das Zulegen der Grünen in Umfragen kurz vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg. „Özdemir ist der ideale Kandidat der Grünen, weil er wie Kretschmann ist. Er kann wirklich als der legitime Erbe von Kretschmann auftreten, was für Wähler wichtig ist, die keine typischen Grünen-Wähler sind“, sagte der Politikwissenschaftler an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen in einem Interview der „Schwäbischen Zeitung“.Überraschend sei, wie stark Özdemir den Amtsinhaberbonus von Ministerpräsident Winfried Kretschmann geerbt habe. Die CDU hingegen habe vor allem auf das Thema Wirtschaft gesetzt. „Sie hat es aber nicht geschafft, Manuel Hagel als Person stärker zu vermarkten. Er ist zu blass geblieben. Wir wissen, dass ein Großteil der Bevölkerung ihn gar nicht kennt“, stellte Behnke fest und betonte zugleich, dass die Ausgangsposition des CDU-Fraktionsvorsitzenden schwierig gewesen sei: „Insofern glaube ich, haben sie schon das Wesentliche rausgeholt.“ 

\u003Cspan style=\"font-size: 13px; font-weight: 400; text-transform: uppercase;\">Landtagswahl in Baden-Württemberg\n\u003C/span>\u003Cbr>\nJüngste Wahlergebnisse und Umfragen

Welche Partei entspricht Ihrer Position am ehesten?Die Wahl in Baden-Württemberg wird spannend: Wer beerbt Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann von den Grünen? Mit dem Wahl-O-Mat können Sie herausfinden, welche Partei Ihren Positionen am ehesten entspricht:

Kurz vor Schluss wurde Hagel nervösVor einem halben Jahr noch sah es so aus, als würde die CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Manuel Hagel einen einfachen und überzeugenden Sieg bei der Landtagswahl einfahren. Doch Hagel ist im Ländle immer noch relativ unbekannt und hat möglicherweise auf das falsche Thema gesetzt. Kurz vor der Wahl kam dann noch die „Rehaugen“-Affäre dazu und er musste seine Taktik ändern. Die ganze Geschichte hat Rüdiger Soldt hier aufgeschrieben.

Folgen für die Bundesregierung?Beim Wahlausgang im Südwesten spielt die SPD wohl keine herausragende Rolle. Umfragen vor der Wahl sahen sie bei rund acht Prozent. Trotzdem könnte das Wahlergebnis Folgen für die Koalition mit der CDU in Berlin haben. Worum es geht, haben Mona Jaeger und Matthias Wyssuwa hier aufgeschrieben.

Kopf-an-Kopf-Rennen bei Wahl in Baden-Württemberg erwartet In Baden-Württemberg wählen die Menschen am Sonntag einen neuen Landtag. Die Wahllokale sind ab 8 Uhr geöffnet. Bei der Wahl geht es auch um die Frage, wer Nachfolger von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) wird, der nach drei Amtszeiten nicht mehr antritt.Ihn wollen CDU-Landeschef Manuel Hagel und Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir beerben. Letzte Umfragen deuten auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem 37-jährigen Hagel und dem 60-jährigen Özdemir hin.In einem ZDF-„Politbarometer Extra“ am Donnerstag vor der Wahl sahen die Meinungsforscher CDU und Grüne mit jeweils 28 Prozent gleichauf. Zuvor hatten die Grünen den Abstand auf die lange deutlich führende CDU stark verkürzt.Derzeit wird Baden-Württemberg von einer grün-schwarzen Koalition regiert. Umfragen zufolge ist es sehr wahrscheinlich, dass beide Partner auch nach der Wahl wieder zusammenarbeiten müssen – unklar ist nur, in welcher Reihenfolge.

Neues Wahlrecht in Baden-Württemberg Bei der Landtagswahl am Sonntag kommt in Baden-Württemberg erstmals ein neues Wahlrecht zur Anwendung. Wahlberechtigte geben nun, ähnlich wie bei der Bundestagswahl, zwei Stimmen ab. Zuvor wählten Bürger mit einer Stimme einen Direktkandidaten und gleichzeitig dessen Partei. Dieses Prozedere wird nun getrennt. Den Direktkandidaten für den jeweiligen Wahlkreis wählen Bürger mit der Erststimme. Im Gegensatz zur Bundestagswahl zieht jeder Wahlkreisgewinner garantiert in den Landtag ein.Die Zweitstimme hingegen geht an eine Partei. Dabei muss es sich nicht um die Partei des bevorzugten Direktkandidaten handeln. Die Zweitstimme bestimmt darüber, wie viele Sitze eine Partei im Landtag bekommt – also wie stark sie dort repräsentiert ist. Welche Kandidaten über die Zweitstimme in den Landtag einziehen, bestimmt die sogenannte Landesliste, welche die Parteien im Voraus festlegen. Was sich im baden-württembergischen Wahlrecht sonst noch geändert hat, lesen Sie hier:

Frohnmaier soll bis vor Kurzem prorussischen Weggefährten beschäftigt habenDer AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg, Markus Frohnmaier, soll länger mit einem prorussischen Weggefährten zusammengearbeitet haben als bislang bekannt. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, soll Fabian M., Frohnmaiers „Koordinierungsreferent“ im Vorstand der AfD-Bundestagsfraktion, deren stellvertretender Vorsitzender Frohnmaier ist, erst „seit Kurzem“ nicht mehr bei der Fraktion angestellt sein. Ein Fraktionssprecher wollte das demnach weder bestätigen noch dementieren, er teilte mit, „grundsätzlich keine Auskünfte über Mitarbeiter“ zu geben. Der Berliner Rechtsanwalt M. war laut dem Bericht 1. Vorsitzender des 2016 unter anderem von Frohnmaier gegründeten und inzwischen aufgelösten Vereins „Deutsches Zentrum für Eurasische Studien“. Der Verein organisierte „Wahlbeobachtungen“ im Sinne des Kremls.Dass M. wohl bis vor Kurzem für Frohnmaier arbeitete, steht im Widerspruch zu einer Aussage des AfD-Politikers aus dem Februar. Dem Rechercheverband „Correctiv“ hatte Frohnmaier gesagt, sein letzter Kontakt „zu diesem Personenkreis“ liege „über ein Jahrzehnt zurück“. Allerdings hatte Frohnmaier sich erst 2019 von seinem Mitarbeiter Manuel Ochsenreiter, einem inzwischen verstorbenen rechtsextremen Publizisten, getrennt, weil dieser im Verdacht stand, in der Ukraine einen Brandanschlag in Auftrag gegeben und finanziert zu haben. Ochsenreiter hatte gemeinsam mit Frohnmaier das „Deutsche Zentrum für Eurasische Studien“ gegründet.Frohnmaier, der als enger Vertrauter von Ko-Parteichefin Alice Weidel gilt und außenpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion ist, steht seit Jahren wegen seiner Russlandnähe in der Kritik. Er reiste mehrmals nach Russland, um Kontakte zu knüpfen, und auch auf die ukrainische Halbinsel Krim, als diese schon von Russland annektiert worden war. In einem vom „Spiegel“ im Frühjahr 2019 veröffentlichten russischen „Aktionsplan“ wurde für die „materielle und mediale Unterstützung“ Frohnmaiers geworben, der damals für den Bundestag kandidierte. Dazu hieß es in einem Strategiepapier, das im Frühjahr 2017 aus der russischen Duma an die höchste Führungsebene der russischen Präsidialverwaltung geschickt worden sein soll, Frohnmaier werde ein „unter absoluter Kontrolle stehender Abgeordneter im Bundestag sein“.

Chrupalla schwört Partei auf „20 Prozent plus“ einBeim Wahlkampfabschluss der AfD für die kommende Landtagswahl in Baden-Württemberg hat Bundesparteichef Tino Chrupalla seine Partei auf ein starkes Ergebnis eingeschworen. „Kämpft bis zum 8. März, damit wir hier ein Ergebnis von 20 Prozent plus schaffen. Das ist wirklich unser Ziel“, sagte Chrupalla am Donnerstag auf der Veranstaltung in Rottweil. „Dann haben wir unser altes Ergebnis mehr als verdoppelt.“Gleichzeitig kritisierte Chrupalla scharf die aktuellen Regierungsparteien im Land. „Es ist sowieso eine grüne Politik, ob man nun CDU wählt oder Grüne. Es bleibt grün und es bleibt vor allen Dingen die falsche Politik in Baden-Württemberg.“ In einem Land, in dem Autohersteller und der Mittelstand zuvor floriert hätten, seien die Kassen klamm. „Daran sieht man eigentlich, wie schlecht es diesem Land geht und welch falsche Politik gemacht wurde in den letzten zehn, zwanzig Jahren“, sagte Chrupalla.Neben Chrupalla sprach auch die Ko-Bundesvorsitzende Alice Weidel. AfD-Landeschef Markus Frohnmaier, der Ministerpräsident in Baden-Württemberg werden will, war wegen einer USA-Reise bei dem Wahlkampfabschluss nicht anwesend. 

Union und Grüne in Umfrage gleichaufDrei Tage vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg sieht eine neue Umfrage die CDU und die Grünen in der Wählergunst gleichauf. In der am Donnerstag in Mainz veröffentlichten Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF kommen sowohl die Christdemokraten von Spitzenkandidat Manuel Hagel als auch die Grünen von Spitzenkandidat Cem Özdemir auf jeweils 28 Prozent. Auf dem dritten Platz folgt mit 18 Prozent die AfD vor der SPD mit acht Prozent. Die FDP kann mit fünfeinhalb Prozent auf einen Verleib im Stuttgarter Landtag hoffen, während die Linke mit ebenfalls fünfeinhalb Prozent erstmals in das Landesparlament einziehen könnte.Im Vergleich zur Vorwoche legen die Grünen damit drei Prozentpunkte zu, während die CDU einen Punkt gewinnt. Die AfD und die SPD büßen hingegen jeweils einen Punkt ein, während die FDP und die Linke jeweils einen halben Punkt verlieren. Eine Koalition abseits der AfD wäre damit nur zwischen CDU und Grünen möglich. Derzeit regiert in Baden-Württemberg ein Bündnis aus Grünen und CDU unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der nicht mehr antritt.Bei der Frage nach dem gewünschten Ministerpräsidenten nannten 47 Prozent Özdemir und 24 Prozent Hagel. Telefonisch und online befragt wurden am Mittwoch und Donnerstag 1069 Wahlberechtigte in Baden-Württemberg.

Der Ton zwischen Union und Grünen ist frostigKurz vor der Wahl am Sonntag hat die CDU den Ton gegenüber ihrem bisherigen Koalitionspartner, den Grünen, verschärft. Sie wirft ihnen eine „Schmutzkampagne“ vor, seit die grüne Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer ein acht Jahre altes Interview des CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel über ihre Social-Media-Kanäle gepostet hatte. In dem erzählt Hagel von einem Schulbesuch und hebt dabei die braunen Haare und „rehbraunen“ Augen einer Realschülerin hervor. Nun wurde ein weiteres Video öffentlich – in dem Hagel den Treibhausgaseffekt falsch erklärt. Und nicht nur außerhalb der Partei wird Kritik an Hagel laut: Innerhalb der baden-württembergischen CDU wächst der Unmut über die Wahlkampfführung. Die These, dass man die Wahl gar nicht verlieren könne, weil die Menschen in Baden-Württemberg einen türkischstämmigen Ministerpräsidenten nicht wählen würden und sie durch die gescheiterte Ampelregierung genug von den Grünen hätten, habe nicht gestimmt, heißt es. Mein Kollege Rüdiger Soldt berichtet: