Es ist die dritte Ausstellung in der vor mittlerweile 13 Jahren vom Bilderbuchmuseum Burg Wissem gestarteten Reihe „Väter und Söhne“, und man darf sich fragen, warum es damals nicht gleich mit diesen beiden Künstlern losging. Denn so bekannt wie F. K. Waechter und sein jüngster Sohn Philip dürften in der deutschen Bilderbuchszene wenige Illustratoren sein. Aber die letzte Überblicksschau des Museums zum Werk des 2005 gestorbenen Waechter senior lag damals noch nicht lange zurück. Und wenn man sieht, was Waechter junior seitdem noch alles geschaffen hat, ist die Wartezeit mehr als berechtigt gewesen. Als erstes Familienpaar waren 2013 der Maler Karl Heidelbach und sein Sohn Nikolaus aufgetreten, weiter ging es drei Jahre danach mit Wolfgang und Leonard Erlbruch. Und dann zehn Jahre Pause. Nun ist im Erdgeschoss das Bilderbuchschaffen von F. K. Waechter zu sehen und im Stockwerk darüber eine thematisch breiter angelegte Präsentation der Arbeiten von Philip Waechter. Unmittelbar zusammen treffen beide Persönlichkeiten nur in zwei Räumen: In der Scharnierabteilung der Schau wird aus dem Nachlass von F. K. Waechter allerlei Material zu seinem Blick aufs Familienleben gezeigt: Fotos, Briefe, Zeichnungen, Äußerungen. Kein Tag ohne eine neue Tageskarte von Philip Waechter Aus allen spricht die Faszination des Vaters für seine drei Söhne, von denen Philip ihm als Einziger aufs selbe Berufsfeld folgen sollte. Das zweite Nebeneinander ist dann eine bewegende Suite aus dem Tageskarten-Zyklus von Philip Waechter, die sich mit dem durch eine schwere Krankheit absehbaren Sterben des Vaters beschäftigt. Die jüngste Tageskarte ist erst drei Jahre alt, vom 16. September 2023: „18 Jahre ohne Fritz“. Diese Tageskarten sind ein am 1. Januar 2000 von dem damals einunddreißigjährigen Philip Waechter gestartetes Projekt, für das er jeden Tag eine postkartengroße Zeichnung über ein persönliches Erlebnis anfertigt – eine laufende Chronik der Familienereignisse. Zu sehen waren sie zunächst nur auf den jährlichen „Laborproben“, dem Fest der 1998 gegründeten Frankfurter Ateliergemeinschaft, der Philip Waechter angehört. Mittlerweile sind aber drei Bilderbücher daraus entstanden: zum eigenen Sohn Johann und zu Eintracht Frankfurt, zwei Fixpunkten im Leben des Zeichners. Bereits unter den Zeugnissen der Zuneigung von F. K. Waechter für seinen Sohn findet sich auch ein illustrierter Gutschein für fünf Besuche im Frankfurter Stadion. Die Ausstellung profitiert davon, dass Waechters künstlerisches Werk nach seinem Tod nahezu vollständig ins Hannoveraner Wilhelm-Busch-Museum gelangt ist, das nun großzügig entliehen hat – quer übers ganze Bilderbuchschaffen hinweg. Während sich Philip Waechter offenbar von gar nichts getrennt hat: Was da neben den finalen Illustrationen an Vorarbeiten ausgestellt wird, erzeugt Werkstattatmosphäre im Museum und lässt einmal mehr staunen über die Mühen, die sich Autoren von Kinderbüchern bei ihren nach Fertigstellung bisweilen so simpel anmutenden Geschichten machen. Tatsächlich ist es wohl die größte Kunst, für Kinder überzeugend zu erzählen. Für sein 1981 erschienenes Buch „Opa Huckes Mitmach-Kabinett“ hatte sich F. K. Waechter der Mitarbeit seiner drei seinerzeit noch im Knabenalter befindlichen Söhne versichert, und so kann man dieses Werk als erste Publikation von Philip Waechter ansehen. Mittlerweile dürfte er den Vater nach Zahl der Bilderbücher übertroffen haben, aber der auch als Satiriker, Theaterautor und Cartoonist brillierende F. K. Waechter hatte immer wieder längere Pausen im Kinderbuchschaffen eingelegt. Doch in den letzten acht Jahren seines Lebens explodierte seine Produktivität auf diesem Feld noch einmal, und selbst auf dem Sterbebett war er mit einem Bilderbuch befasst: „Der Höllenhund“ erschien erst 2018 aus dem Nachlass. Was Troisdorf alles von ihm und Philip Waechter zeigt, beschwört indes immer wieder einen anderen Buchtitel des Vaters herauf: „Wir können noch viel zusammen machen“. Wäre es ihnen doch nur möglich gewesen. Väter und Söhne: F. K. Waechter und Philip Waechter. Im Bilderbuchmuseum Burg Wissem, Troisdorf; bis zum 29. November (F. K. Waechter) und Januar 2027 (Philip Waechter). Kein Katalog.
