FAZ 07.08.2026
13:15 Uhr

Vor Leichtathletik-EM: NADA verlangt vierjährige Sperre für Sprinter Ansah


100-Meter-Rekordler Owen Ansah droht wegen einer verweigerten Doping-Probe eine lange Sperre und die Aberkennung seiner Titel bei den deutschen Meisterschaften.

Vor Leichtathletik-EM: NADA verlangt vierjährige Sperre für Sprinter Ansah

Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) hat kurz vor Beginn der Leichtathletik-Europameisterschaften eine vierjährige Sperre für den deutschen 100-Meter-Rekordhalter Owen Ansah vorgeschlagen. Unmittelbar vor seiner Abreise zum Diamond-League-Meeting in Monaco hatte Ansah am 9. Juli zu Hause keine Doping-Probe mehr abgegeben, obwohl ihn ein Kontrolleur dazu aufgefordert hatte. Aus Sicht der NADA hatte Ansah damit gegen den Anti-Doping-Code des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) verstoßen. Der Sprinter gab in einer DLV-Mitteilung an, der Kontrolleur habe außerhalb des von ihm angegebenen Zeitfensters für eine Kontrolle geklingelt. Weiter erklärte der in Mannheim trainierende Ansah, er sei unter Zeitdruck gewesen und habe so kurzfristig keine Probe abgeben können, auch weil er kurz zuvor die Toilette besucht habe. „Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt geweigert, eine Dopingprobe durchzuführen. Nun fokussiere ich mich auf die anstehenden Europameisterschaften“, sagte Ansah in einer Stellungnahme seines Vereins Hamburger SV. Der Klub steht nach eigenen Angaben weiterhin an der Seite seines Athleten. Der 25-Jährige gehört zum Aufgebot für die am Montag beginnende EM in Birmingham. Dort stehen am Dienstag die 100-Meter-Läufe auf dem Programm. Bei einer Medienrunde am Donnerstag nannte er keine weiteren Details zu seinem Doping-Thema. „Ich habe mega Lust zu rennen. Ich freue mich sehr und bin happy, dass ich Deutschland repräsentieren kann“, sagte Ansah. „Ich kann gut Sachen ausblenden.“ DLV-Vorstand Jörg Bügner erklärte am Freitag, der DLV habe die Organisation und Durchführung von Dopingkontrollen sowie das Ergebnismanagement und Disziplinarverfahren an die NADA abgegeben. Gleichzeitig stehe der Verband aber „weiter an der Seite unseres Athleten“. Zudem stellte Bügner klar, „dass Owen Ansah bei der EM wie geplant über 100 Meter und 200 Meter an den Start gehen wird, aber nicht an den Staffel-Wettbewerben teilnimmt.“ Auch Aberkennung der deutschen Meistertitel droht Die NADA erklärte, sollte ihr Vorschlag angenommen werden, würde sich die Sperre automatisch auf drei Jahre reduzieren. Sie beginne demnach erst mit dem Tag der entsprechenden finalen Entscheidung der NADA oder eines Disziplinarorgans oder mit dem Tag, an welchem die vorgeschlagene Sperre akzeptiert wurde. Ansah hat 20 Tage Zeit, entweder die Feststellungen der NADA zu akzeptieren oder die Einleitung eines Disziplinarverfahrens beim Deutschen Sportschiedsgericht zu verlangen. Er werde den Vorschlag „nicht akzeptieren“, teilte Ansahs Anwalt Rainer Tarek Cherkeh in einer Stellungnahme bereits mit: „Er fokussiert sich nun auf die anstehende Leichtathletik-EM.“ Die NADA schlägt zudem vor, dass alle Ergebnisse ab dem 9. Juli bis zum Beginn einer vorläufigen Suspendierung oder einer Sperre aberkannt werden. Damit würde Ansah seine beiden deutschen Meistertitel über 100 und 200 Meter verlieren, die er Ende Juli in Bochum gewonnen hatte.