FAZ 10.05.2026
11:38 Uhr

Vor Heimspiel gegen Union: Tore und Teamgeist: Wie Tietz Mainz 05 stabil macht


Mainz 05 geht ohne Druck ins letzte Saisonheimspiel, bei dem es für Trainer Urs Fischer zum Wiedersehen mit Union Berlin kommt. Sheraldo Becker bleibt über den Sommer hinaus Sturm-Partner von Phillip Tietz.

Vor Heimspiel gegen Union: Tore und Teamgeist: Wie Tietz Mainz 05 stabil macht

An Phillip Tietz schieden sich in den vergangenen Monaten die Geister. Als erster Winterzugang des FSV Mainz 05 im Januar vom FC Augsburg gekommen, war schnell klar, dass er Fußball nicht nur spielen, sondern auch kommunizieren würde. Der Stürmer schlüpfte vom ersten Tag an in die Rolle des Motivators, desjenigen, der seine Mitspieler nach misslungenen Aktionen aufbaut und die Zuschauer pusht. Nach Torerfolgen der Kollegen ist er in aller Regel der erste Gratulant, beim Gang vom Rasen in die Kabine lässt kaum jemand seinen Gefühlen so sehr freien Lauf wie er – an guten wie an schlechten Tagen. Auch am vorigen Sonntag, nach dem 2:1 beim FC St. Pauli, sprudelte es nur so aus ihm heraus. Von Anfang an keine Zweifel Über den Verbleib in der Bundesliga, den das Team damit klargemacht hatte, habe er nie nachgedacht, sagte Tietz. Davon sei er seit seiner Ankunft am Bruchweg überzeugt gewesen: „Weil wir ein geiles Team haben, geile Fans, einen geilen Trainerstab.“ Nicht nur Medienvertreter, sondern auch etliche Anhänger des Klubs betrachteten den für rund vier Millionen Euro plus Bonuszahlungen verpflichteten Stürmer kritisch. Spielerisch schien er manch einem limitiert, und mit dem Toreschießen hatte er es nur bedingt; im Verlauf der Rückrunde ließ er eine Reihe hochkarätiger Gelegenheiten aus. Klar formulierter Auftrag des Trainers Erstmals traf er in seinem vierten Spiel für die Rheinhessen; beim 3:1 gegen den VfL Wolfsburg egalisierte er Mitte der zweiten Halbzeit die Führung der Niedersachsen. Dem schloss sich eine zweieinhalbmonatige Durststrecke an – beim 2:1 in Hoffenheim erzielte er beide Treffer. Mit seinem vierten Saisontor brachte er die Mainzer am Millerntor früh in Führung; technisch perfekt verwertete er Sheraldo Beckers Zuspiel flach ins Eck. „Damit hat er uns die Anspannung genommen, mit der wir in dieses sehr wichtige Spiel gegangen sind“, sagte Trainer Urs Fischer. „Dafür ist er aber auch auf dem Platz: um Tore zu schießen.“ Drei weitere hat Tietz bislang zudem vorbereitet. Das ist ebenfalls ein Beitrag dazu, dass die Mainzer ohne Druck ins sonntägliche Spiel gegen Union Berlin (19.30 Uhr) gehen können. Niko Bungert ist die Skepsis der Öffentlichkeit gegenüber Tietz nicht verborgen geblieben. „Ich werde nicht müde, zu sagen, wie wertvoll er auch in den Begegnungen ist, in denen er kein Tor macht“, betont der Sportdirektor. „Man sieht es nicht immer auf den ersten Blick, aber wie er körperlich gegen die Innenverteidiger arbeitet, macht ihn zu einem wichtigen Faktor für unser Spiel.“ In Hamburg gelang Tietz dies tatsächlich auf hohem Niveau. Dort nahm er als Zielspieler, Ballhalter und -verteiler eine Rolle ein, die den Gegner vor große Probleme stellte. Auf dem Platz und in der Kabine habe der 28-Jährige sich einen hohen Stellenwert erarbeitet, sagt Bungert: „Er hat auf Anhieb überall Energie reingebracht.“ Tietz selbst ordnete seine jüngste Darbietung nicht als die beste ein. „Hoffenheim war noch ein Stück weit cooler“, sagte er. Aber es überwog das gute Gefühl, „dass wir den Fans etwas zurückgeben konnten für ihre tagtägliche Unterstützung“. Tietzʼ Vertrag am Bruchweg läuft bis Sommer 2028, und zumindest in der nächsten Saison wird er in Sheraldo Becker einen zweiten Winterzugang weiterhin an seiner Seite haben. Mit dem Klassenverbleib greift eine Kaufpflicht, die der FSV bei der Ausleihe am Ende der Transferperiode mit dem spanischen Erstligaverein CA Osasuna vereinbart hatte.