In der Formel 1 könnte es nach dem zweiten Rennen der Saison an diesem Sonntag in Shanghai (8 Uhr MEZ im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1 und bei Sky) schon zu einer Änderung der neuen Regeln kommen. Nach Angaben des Motorsportkanals „The Race“ wollen der Internationale Automobil-Verband, das Formel-1-Management und die Rennställe den Grand Prix in China abwarten, dann über die Erfahrung beraten und im Zweifel die Vorgaben justieren. Tempoverschärfung per Knopfdruck Fahrer wie der viermalige Weltmeister Max Verstappen setzten ihre beißende Kritik an der Reform des Technik-Reglements fort. „Ich habe den Simulator gegen meine Nintendo Switch getauscht“, sagte der Niederländer am Donnerstag im Fahrerlager der chinesischen Rennstrecke scherzend zu seiner Vorbereitung auf die nächste Runde: „Ich trainiere ein bisschen Mario Kart, die Pilze kann ich dort schon ziemlich gut einsetzen.“ Mit dem Einsatz der Pilze können Spieler des Videospiels eine kurze Beschleunigung ihrer Rennwagen auslösen. In der realen Formel 1 ist eine kurze Tempoverschärfung per Knopfdruck („Boostbutton“) möglich. Auch Ferrari-Pilot Charles Leclerc (3. in Melbourne) und Weltmeister Lando Norris (5./McLaren) sehen einen Verlust der Essenz ihres Sports, weil Überholmanöver weniger vom Geschick des Piloten abhängen, sondern mehr von seinem Energiemanagement. Die Kraft der Batterie für die Leistung des Elektromotors im Hybrid-System reicht nicht für eine Runde. Deshalb muss zwischendurch unter Tempoverlust geladen werden. Das Reglement erlaubt dabei unterschiedliche Strategien, die an bestimmten Stellen zu sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten von Jäger und Gejagtem führen können. Der Sieger des Auftaktrennens in Melbourne hält die Kritik etwa von Norris für wohlfeil: „Wenn er gewinnen würde, würde er das meiner Meinung nach nicht sagen“, sagte Mercedes-Pilot George Russell: „Ich fand es großartig. Ich fand das Rennen richtig spannend. Das Auto hat beim Fahren richtig Spaß gemacht.“ Ob Russell daran festhält, hängt von der Alltagstauglichkeit seines Boliden ab. Die permanente Piste vor den Toren von Shanghai unterscheidet sich nicht nur wegen der langen Geraden stark vom Stadtkurs in Melbourne. Sie wird auch einen anderen Umgang mit der schnell schwindenden Kraft der Batterie erfordern.
