FAZ 06.10.2026
13:14 Uhr

Superhelden-Comic: So sieht's aus, wenn Fußballer überhöht werden


Manuel Neuer als Außerirdischer? Lionel Messi als Titan? In seiner Comic-Hommage an den Fußball stattet der französische Illustrator Mahamadou Traoré dessen Stars mit übermenschlichen Fähigkeiten aus.

Superhelden-Comic: So sieht's aus, wenn Fußballer überhöht werden

Nanu, was hat sich der Illustrator denn dabei gedacht? Er stellt Lionel Messi nicht als den großen Zampano dar, der die Fußballwelt verzaubert, die Gegenspieler wie verhext stehen lässt und sogar Fachleuten die Köpfe verdreht. Stattdessen erscheint der Weltmeister von 2022 und achtmalige Weltfußballer auf dem Bild (siehe oben) als argentinischer Gnom, der aufblickt zum überlebensgroßen und furchteinflößenden Giganten im DFB-Torwarttrikot. Körperhaltung und Fäustchen verleihen Messi einen herausfordernden Ausdruck. Aber wer ist in der Illustration der „Titan“ und wer der „Außerirdische“? Die übersinnlich leuchtenden Augen und Lippen legen nahe, dass Manuel Neuer der Alien ist und Messi der andere. Ob der französische Illustrator Mahamadou Traoré alias Alva weiß, dass es im Weltfußball eigentlich nur einen Torwarttitanen geben kann, nämlich Neuers Vorvorgänger Oliver Kahn? David Messi gegen Goliath Neuer Wie auch immer: Mit dieser Illustration bezieht sich Traoré auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2014. Und auf ein Finale, in dem Messi nicht zum biblischen David wurde, der den Goliath Neuer überwältigte. Der deutsche Keeper parierte im Spielverlauf einige Versuche der Argentinier und sah in der Nachspielzeit cool zu, wie Messi einen Freistoß übers deutsche Tor zirkelte. Dass die Nummer 10 nach dem mit einem 0:1 verlorenen Finale zum besten Spieler der WM in Brasilien erkoren wurde, erregte viele Gemüter. „Ein Witz von der FIFA“, hieß es von denen, die Messis Mittelfeldkollegen Javier Mascherano für den weitaus besseren Argentinier hielten. Auch die FIFA-Leistungsanalysen sahen Messi fernab der effektivsten und entscheidenden Turnierspieler. Was soll’s, der 1,70 Meter große Argentinier hat so viele Titel gesammelt, dass ein unverdienter kaum auffällt. Nach dem gegen Spanien verlorenen WM-Finale im Juli dieses Jahres ist Messis Titelsammelleidenschaft zumindest international abgekühlt. Seine Karriere in der Nationalmannschaft, die erst schleppend verlief und viele Kritiker mobilisierte, ehe sie mit dem WM-Titel in Qatar gekrönt wurde, geht in der Nacht zu diesem Mittwoch zu Ende. Messis 208. Länderspiel im Monumental-Stadion von Buenos Aires gegen Benin soll das allerletzte sein. Überhöht wird das Schaffen des Neununddreißigjährigen von einer Ehrendoktorwürde, mit der ihn die Universität der Hauptstadt auszeichnet. „Exzellenz“ und „ethisches Handeln“ werden gepriesen, obwohl Messis Stärken eher am Ball liegen. „Eine visuelle Hommage an die größten Fußballer“ Wie die Überhöhung seit Jahren zum Profigeschäft gehört, illustriert Traorés sehenswertes Buch „Superhelden des Fußballs“. Der Franzose stellt die Stars von Ferenc Puskás bis Lamine Yamal dar, als ob sie über übermenschliche Fähigkeiten verfügten: wie Spider-Man, Hulk oder andere Superhelden aus den legendären Marvel-Comics. „Dieses Buch ist eine visuelle Hommage an die größten Fußballer aller Zeiten“, schreibt Traoré in seinem Vorwort. Die ausgewählten Spieler sind unter verschiedenen Schlagwörtern aufgelistet, ihre Erfolge werden in Worten und Daten knapp dargelegt. Messi und Cristiano Ronaldo tauchen in mehreren Rubriken auf. Es sei „eine Feier ihrer besonderen Fähigkeiten“, so Traoré. Das mag der eine anbetungswürdig finden und der andere abgehoben. Manuel Neuer erscheint dabei als einer, der sich großzumachen versteht, wenn sich ein Angreifer nähert, ihn mit seinem Blick geradezu hypnotisiert und letztlich mit seinen Pranken alles hält. Und der auch mit dem Fuß über besondere Fähigkeiten verfügt, wie ein Libero spielt und Angriffe einleitet. Bei der WM in Brasilien 2014 hatte der deutsche Torhüter letztlich 244 Pässe gespielt – und damit zwei mehr als der angeblich beste Turnierspieler Messi. „Ein Torhüter, wie es ihn nie zuvor gab, und wie es ihn mit Sicherheit kein zweites Mal geben wird“, schreibt Traoré. Da könnte er, bei aller sonstigen Überhöhung, recht haben.