FAZ 25.09.2026
12:56 Uhr

Straße von Hormus: Was hinter Irans Angebot für einen neuen Deal steckt


Ein neuer Vorschlag von Iran stellt eine Öffnung der Straße von Hormus innerhalb von sieben Tagen in Aussicht. Die kurze Frist soll ein Anreiz sein.

Straße von Hormus: Was hinter Irans Angebot für einen neuen Deal steckt

Teheran hat Washington eigenen Angaben zufolge einen neuen Vorschlag zur Öffnung der Straße von Hormus übermittelt. Außenminister Abbas Araghchi sagte bei einer Veranstaltung am Rande der UN-Vollversammlung in New York, der „Plan“ sehe vor, die Meerenge innerhalb von sieben Tagen für den Schiffsverkehr zu öffnen, „wenn bestimmte Bedingungen erfüllt werden“. Anschließend könnten Verhandlungen mit den USA über ein abschließendes Abkommen wieder aufgenommen werden, sagte Araghchi laut Berichten von Journalisten, die an der Veranstaltung teilnahmen. Der Vorschlag sei Amerika durch Vermittler unterbreitet worden. Der Plan könne umgesetzt werden, sobald Washington zustimme. „Es wäre besser“, wenn eine Einigung vor den amerikanischen Zwischenwahlen am 3. November erzielt würde, sagte Araghchi demnach. Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte zuvor in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung gesagt, er glaube, eine Vereinbarung nach den Zwischenwahlen sei möglich. Araghchi äußerte, dass die iranischen „Bedingungen“ weitgehend jenen aus dem Memorandum entsprächen, das beide Länder im Juni unterzeichnet hatten. Es seien aber „Anpassungen“ denkbar. Damals war statt einer siebentägigen Frist ein Zeitraum von 60 Tagen zur schrittweisen Öffnung der Wasserstraße vereinbart worden. In der Vereinbarung hatten die Vereinigten Staaten unter bestimmten Bedingungen zugesagt, ihre Seeblockade iranischer Häfen aufzuheben, gesperrte iranische Gelder auf ausländischen Konten freizugeben und Sanktionen gegen iranische Ölexporte auszusetzen. Entscheidend wäre, wie die Schritte und Gegenleistungen sequenziert würden, da beide Seiten einander misstrauen. Washington reagiert zurückhaltend auf den Vorschlag Teil des Memorandums vom Juni war auch ein Ende der israelischen Militäroperation in Libanon, dem Israel nicht zugestimmt hatte. Nach iranischen Angaben hat Teheran sich inzwischen mit Oman auf eine temporäre Route durch die Straße von Hormus geeinigt. Die entsprechenden Gespräche zwischen beiden Ländern waren im Rahmen des Memorandums vorgesehen. Das Memorandum und der damit einhergehende Waffenstillstand waren im Juli gescheitert, nachdem die Revolutionsgarde drei Schiffe in der Straße von Hormus beschossen hatte, die versucht hatten, die Meerenge ohne Abstimmung mit Iran zu verlassen. Die amerikanische Seite reagierte zunächst zurückhaltend auf den iranischen Vorschlag. Die Vereinigten Staaten seien nicht in Eile, weil sie die Straße von Hormus kontrollierten, hieß es in einer Stellungnahme, aus der mehrere Medien zitierten. In den vergangenen Wochen hatte Iran mehrfach eine Rückkehr zum Memorandum angeboten. Aus Washington hieß es jedoch, Trump sei nur bereit, ein umfassendes Abkommen mit Iran zu schließen, das auch das iranische Atomprogramm beinhalte. Der Präsident war für das Memorandum und die darin enthaltenen Zugeständnisse an Iran von Demokraten und Republikanern kritisiert worden. Nach Einschätzung von Beobachtern soll die Verkürzung der Umsetzungsfrist auf sieben Tage einen Anreiz für den als ungeduldig bekannten Trump schaffen, den Plan zu erwägen. Araghchi hatte sich zu Beginn der UN-Vollversammlung über Vermittler mit den amerikanischen Unterhändlern Steve Witkoff und Jared Kushner ausgetauscht. Vor seiner Anreise nach New York hatte er Peking besucht. China unterstütze den iranischen Vorschlag, sagte der Außenminister am Donnerstag in New York. Präsident Massud Peseschkian hatte in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung ebenfalls die Tür für Verhandlungen offen gehalten. Zugleich sagte er, Iran lehne Beschränkungen seines „zivilen“ Atomprogramms ab. „Der Präsident hat der iranischen Nation eine Stimme gegeben“ Iranische Hardliner hatten sowohl Araghchi als auch Peseschkian scharf kritisiert und behauptet, sie hätten für ihr Vorgehen kein Mandat des Obersten Führers Modschtaba Khamenei. Führende Militärs, darunter der Stabschef der Streitkräfte, Ali Abdollahi, und der Oberkommandeur der Revolutionsgarde, Ahmad Vahidi, stellten sich am Freitag demonstrativ hinter Peseschkian und lobten dessen Rede. Abdollahi schrieb, der Präsident habe „der stolzen und göttlich inspirierten iranischen Nation eine Stimme gegeben“. In einem Interview mit dem Sender Fox News sagte Peseschkian, es liege an Amerika, ob der Krieg bis Ende des Jahres beendet werden könne.