FAZ 30.09.2026
11:16 Uhr

Sternhimmel im Oktober: Der Andromedanebel rast auf die Milchstraße zu


Sie wirkt wie ein abgesprengtes Stück der Milchstraße: Die Andromedagalaxie fasziniert seit Jahrhunderten – und dürfte Mitte Oktober wieder am Nachthimmel sichtbar sein.

Sternhimmel im Oktober: Der Andromedanebel rast auf die Milchstraße zu

Die dritte Jahreszeit zeigt sich nun auch am Abendhimmel: Der Süden gehört den Herbststernbildern, allen voran Pegasus und Andromeda. Wenn zur Monatsmitte der Mond nicht stört, kann man auch gegen Mitternacht fast direkt im Zenit jene schwache Lichtwolke ausmachen, die Himmelsgucker seit Jahrhunderten fasziniert und für die allermeisten den entferntesten Ort im Universum darstellt, den man mit bloßem Auge und ohne weitere optische Hilfsmittel gerade noch sehen kann: die Andromedagalaxie. Mit einer scheinbaren Länge von drei Grad (immerhin ganze sechs Vollmonddurchmesser!) wirkt sie wie ein abgesprengtes Stück der Milchstraße direkt westlich des Sterns Ny Andromedae. Die erste schriftliche Erwähnung stammt von dem persischen Astronomen Abd al-Rahman Al Sufi und datiert auf das Jahr 964. Unter dem Namen Großer Andromedanebel war die Galaxie über Jahrhunderte Forschungsgegenstand der Himmelsgelehrten. Der Erste, der sie im Teleskop betrachtete und darüber schrieb, war 1612 der fränkische Forscher, Arzt und Astronom Simon Marius. Eine Galaxie wie unsere Milchstraße Der Franzose Charles Messier katalogisierte sie im Jahr 1764 als Messier 31. Auch Wilhelm Herschel untersuchte sie mit seinem Teleskop. Für alle Astronomen dieser Zeit blieb das Objekt aber ein „Nebel“ – einzelne Sterne konnten sie in ihm nicht erkennen. Noch heute findet man den Ausdruck „Andromedanebel“ in der Literatur. Dass es sich in Wirklichkeit um eine Galaxie wie unsere Milchstraße handelt, die viel weiter entfernt ist als alle galaktischen Nebel unserer eigenen Galaxie, erkannte man erst viel später. Den ersten Hinweis lieferte im Jahr 1864 der Engländer William Huggins, einer der Pioniere der Spektrographie. Huggins erkannte, dass im Spektrum von Messier 31 alle Regenbogenfarben vorkommen, es also dem der Sterne gleicht. Das unterscheidet sich eklatant von den diskreten Linienspektren der Gasnebel, die nur in ganz bestimmten Farben leuchten. Der vermeintliche Andromedanebel muss also aus Sternen bestehen, die man nicht einzeln sieht und die folglich sehr weit weg sind. Wenige Jahre später, 1887, fand man auf ersten Fotografien Anzeichen für eine Spiralstruktur. Damit bestätigten sich visuelle Beobachtungen, die mindestens bis in das Jahr 1847 zurückreichen. 1912 erkannte der amerikanische Astronom Vesto Slipher, dass sich die Wolke in der Andromeda mit ungeheurer Geschwindigkeit nähert – viel schneller als jeder andere Nebel in der Milchstraße. Der heute akzeptierte Geschwindigkeitswert, mit dem sich Messier 31 und die Milchstraße aufeinander zubewegen, beträgt rund 100 Stundenkilometer. Den endgültigen Beweis lieferte der Amerikaner Edwin Hubble 1923. Mit dem 2,5-Meter-Hooker-Teleskop in Kalifornien, dem damals größten Fernrohr der Welt, identifizierte er veränderliche Sterne des Cepheiden-Typs in Messier 31. Diese erlaubten durch ihre regelmäßigen Helligkeitsvariationen, ihre Entfernung zu bestimmen und damit auch die Distanz des Andromedanebels, in dem sie eingebettet sind. Hubble kam auf eine Million Lichtjahre. Das lag ziemlich weit weg vom modernen Wert von 2,5 Millionen Lichtjahren. Doch dank Hubble war klar: Messier 31, die Wolke in der Andromeda, ist eine eigenständige Galaxie, eine Welteninsel wie unsere Milchstraße. Unsere direkte intergalaktische Nachbarschaft Heute weiß man: Die Andromedagalaxie ist mit mehr als 160.000 Lichtjahren Durchmesser die größte in einer Gruppe von Galaxien, zu der auch die Milchstraße gehört und die „Lokale Gruppe“ genannt wird. Sie ist unsere direkte intergalaktische Nachbarschaft. Ein weiteres, viel schwächeres, aber auch näheres Mitglied lässt sich in extrem dunklen Nächten direkt über der Spitze des Sternbilds Dreieck gleich südlich der Andromeda erspähen. Die Milchstraße ist etwas kleiner als die Andromedagalaxie, aber wahrscheinlich schwerer: Sie enthält mehr Sterne und interstellare Materie als unsere Nachbarin. In rund fünf Milliarden Jahren werden Milchstraße und Andromedagalaxie zusammentreffen und sich zu einer noch größeren Galaxie vereinen. Erleben wird das auf Erden niemand: Ungefähr um die gleiche Zeit wird die Sonne zum roten Riesen, das Leben auf der Erde wird schon ein paar Milliarden Jahre vorher zu Ende gegangen sein. Bis dahin werden noch einige Herbste kommen und gehen. In diesem Monat ist der Planet Saturn Protagonist, denn er erreicht am 4. Oktober im Sternbild Walfisch seine Opposition zur Sonne. Sein blassgelbes Licht begleitet uns also die ganze Nacht. Der Abendhimmel ist ansonsten planetenfrei, Merkur und Venus stehen zu nahe bei der Sonne, um sich im Licht der abendlichen Dämmerung behaupten zu können. Gegen Morgen erscheinen dafür Mars und Jupiter über dem östlichen Horizont; die beiden äußeren Planeten kommen sich im Laufe des Monats an der Himmelssphäre immer näher und werden im November für einige Tage ein auffälliges Doppelgestirn bilden. Sternschnuppen der Draconiden und Orioniden Mars durchquert außerdem den Sternhaufen der Krippe (oder Messier 44) im Sternbild Krebs. Zwei Tage nach seiner Vollmondstellung passiert auch der Mond am 28. Oktober einen Sternhaufen, und zwar das Siebengestirn (oder Plejaden) im Stier. In den frühen Morgenstunden bedeckt er sogar mehrere helle Plejadensterne, doch sehen wird man das nur mithilfe eines Teleskops. Der helle Mond strahlt einfach zu hell. Der Oktober ist zwar nicht unbedingt als Sternschnuppenmonat bekannt, enthält aber doch zwei recht interessante Meteorströme, die Draconiden und die Orioniden. Beide sind praktisch den gesamten Monat aktiv. In früheren Jahren erlebten die Draconiden, deren scheinbarer Ausgangsort im Sternbild Drache, also in der Nähe des immer sichtbaren nördlichen Himmelspols, liegt, mehrere ansehnliche Ausbrüche. Ein solcher ist für 2026 nicht vorhergesagt, dennoch lohnt sich um den 9. Oktober, dem Tag des Draconiden-Mximums, ein Blick, denn immerhin stört der Neumond nicht. Die Orioniden erreichen ihr Maximum am 21. Oktober. Bis zu 30 Meteore werden dann pro Stunde erwartet, und auch wenn der Mond dann wieder in der zunehmenden Phase ist, behindert er die Sichtung kaum: Da der Ausstrahlpunkt der Orioniden im nördlichen Teil des Sternbilds Orion liegt, muss man für die Orioniden ohnehin auf die zweite Nachthälfte warten, wenn der Orion auf- und der Mond untergegangen ist. Sonne: 1. Oktober, Sonnenaufgang 7.25 Uhr, Sonnenuntergang 19.04 Uhr;31. Oktober, Sonnenaufgang 7.13 Uhr, Sonnenuntergang 17.04 Uhr. Mond: 3. Oktober, 15.25 Uhr: Letztes Viertel; 10. Oktober, 17.50 Uhr: Neumond; 18. Oktober, 18.30 Uhr: Erstes Viertel; 26. Oktober, 5.12 Uhr: Vollmond.