Das Mitteilungsbedürfnis ist gigantisch im Fußball, gerade unter Leuten, deren Job das Sprechen ist. Insofern ist es überraschend, dass die bisweilen zu Schreihälsen mutierenden Stadionsprecher sich meist an Etiketten halten. Michael Trippel, der das Publikum beim 1. FC Köln Spiel für Spiel ohne erkennbare Ironie in der „schönsten Stadt Deutschlands“ begrüßt, hat nun aber eine Grenze überschritten mit seiner berufsbedingten Wichtigtuerei. „Pfui, widerlich“, fauchte er ins Mikrofon, als der Kölner Jahmai Simpson-Pusey am Samstag aufgrund eines völlig angemessenen Eingriffs des Videoassistenten vom Platz flog. Nach dem Abpfiff hetzte Trippel weiter und wies auf ein „klares Handspiel“ im Dortmunder Strafraum hin. Im Spiel gegen Hoffenheim versuchte der 71-Jährige die Stimmung anzuheizen, während die Kölner Ultras wegen eines Todesfalls schwiegen. Der Deutsche Fußball-Bund und die Kölner Vereinsführung kritisierten Trippel anschließend, zum Teil scharf. Er selbst ruderte zurück, zumindest ein wenig. Im Januar aber hatte er bereits bei einem Spiel der U 19 gegen Inter Mailand den Eindruck erweckt, ein jugendlicher Flitzer trage die Schuld für die Niederlage. Erlaubt sind solche befangenen Anmerkungen, ob nun bei der U 19 oder der Bundesliga-Mannschaft, nicht. Womöglich folgt eine Strafe. Wobei eine Debatte über die Frage, wie viel Stammtischgefasel sich der weltoffene FC am Stadionmikrofon leisten will, ohnehin überfällig ist.
