Um das ehemalige Straßenbahndepot an der Heidestraße im Frankfurter Stadtteil Bornheim herum, mit 140 Wohnungen für Familien und einem Rewe-Supermarkt in einer historischen, denkmalgeschützten Halle, ist vor knapp zwanzig Jahren ein Wohn- und Geschäftsquartier entstanden, das zu den Vorzeigeprojekten der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG zählt. Bei den gewerblichen Mietern gab es in den Anfangsjahren viele Wechsel. Umso mehr fällt auf, dass sich ein Geschäft für Kindermode, Spielzeug und Geschenkartikel schon seit 2015 hält und inzwischen auch eine weitere Fläche für Barfußschuhe mit hinzugenommen hat: Sonnylemon. Sonja Behnke und Oliver Spieler, Partner und Eltern einer Patchworkfamilie mit sechs Kindern, sind die Gründer. Beide hatten andere Berufe und wollten einen Job, der ihnen ermöglichte, mehr Zeit mit den Kindern zu verbringen und überhaupt mehr Zeit zu haben. Das entpuppte sich allerdings schnell als Trugschluss, wie Behnke mit einem Augenzwinkern anmerkt. Ihre Geschäftsidee jedenfalls fand von Anfang an viel Anklang. Bei Sonnylemon findet man auf 120 voll gepackten Quadratmetern in erster Linie Kindertextilien, angefangen von Mütze und Strampler für das Frühgeborene bis hin zu Regenjacken für Ältere (Größe 140). Außerdem Spielzeug wie Plüsch-Gemüse von Jellycat, Lenkdrachen oder Boxen zum Experimentieren, ebenso Accessoires wie Sonnenbrillen, Haarbänder, Brotboxen, Trinkflaschen, Regenschirme, aber auch Laufräder, Roller und Helme dazu. Trendige Merchandising-Artikel sind nicht dabei. Dafür seien Eltern dankbar, sagt Behnke. Die Geschäftsinhaberin spricht vom Aufbau eines „bedürfnisorientierten Sortiments“. Nach und nach aufgenommen wurde das, was Eltern nachfragten und der Markt dafür gerade anbot. Das, in Kombination mit einer guten Beratung, wie Behnke hervorhebt – „Wir können erklären, was die Wassersäulen-Angabe in der Outdoor-Jacke bedeutet“ –, habe viele überzeugt. Kunden kämen von weither, heißt es, sogar aus Würzburg und Fulda. Bei den Baby- und Kindertextilien setzt Sonnylemon auf natürliche Materialien in Bio-Qualität. Neu eingetroffen für den Winter: die Overalls der dänischen Marke Hust & Claire. Knapp 90 Euro sind ein stolzer Preis. Behnke verweist auf die gute Qualität. „Die kann ich an vier Kinder weitergeben und anschließend noch auf dem Flohmarkt verkaufen.“ Irgendwann ist Behnke und ihrem Partner aufgefallen, wie schlecht viele Kleinkinder durch den Laden laufen. Spieler demonstriert an einem Schuh, woran das liegt: Kinderschuhe seien oft zu eng, für die Zehen gebe es zu wenig Platz. Bei Barfußschuhen ist das anders. Nahezu jeder in der Belegschaft, zu der 20 Personen zählen, trägt sie inzwischen. Sie fallen nicht auf. Sogar schicke Modelle, die aussehen wie Chuck-Turnschuhe, gibt es als Barfußschuhe. Mit acht Paaren habe man angefangen, erinnert sich Behnke. Inzwischen haben Spieler und sie eine große Fläche neben dem Kindergeschäft übernommen, auf der Barfußschuhe von Marken wie Koel, bLivestyle, Froddo und Affenzahn verkauft werden. Hier zählen auch viele Erwachsene zu den Kunden, solche mit Knieproblemen oder Hallux. Beraten wird in ruhiger Atmosphäre, jeder Kunde bekommt einen Berater oder eine Beraterin zugewiesen. Ist niemand frei, gibt es einen Beeper mit auf den Weg, der brummt, wenn es so weit ist. Sonnylemon, Heidestraße 147, Frankfurt; montags 14 bis 18 Uhr, dienstags bis freitags 10.30 bis 18 Uhr, samstags 11 bis 18 Uhr.
