Beim Kauf einer Überwachungskamera muss man doch einiges bedenken: die Einbindung in Ökosysteme, die Stromversorgung, die neuen Funktionen rund um die Künstliche Intelligenz und weitere Aspekte. Wir hatten vor einigen Wochen berichtet. Nun haben wir zwei Neuerscheinungen einige Wochen lang ausgiebig erprobt. Die G5 von Aqara kostet ab 150 Euro und ist in zwei Versionen erhältlich: Als PoE-Variante wird sie mit einem Ethernet-Kabel angebunden, über welches auch die Stromversorgung erfolgt. Unsere Version verwendet WLAN zur Anbindung ans Heim und bezieht ihren Strom aus einem leider nicht beiliegenden Netzteil. Die G5 hat einen Nebenjob, sie ist zugleich ein Hub und damit Steuerungszentrale des vernetzten Heims. Die Ultra 3 von Arlo hingegen arbeitet ebenfalls mit einem Funkprotokoll, nutzt aber nicht das heimische WLAN, sondern einen eigenen Standard und kommt mit einem separaten Hub, an den sie drahtlos andockt. Zwei Kameras plus Hub kosten 600 Euro, eine weitere Kamera schlägt mit 300 Euro zu Buche. Arlo verbindet sich zwar mit Homekit von Apple, erlaubt dann aber keine Aufzeichnungen in der Apple-Welt. Vielmehr will der Hersteller, dass man ein Speicher-Abonnement bei ihm abschließt, welches für bis zu vier Kameras 13 Euro im Monat kostet. Dann wird allerdings nur mit 2K aufgezeichnet. Sinnvoller ist deshalb die Flatrate für beliebig viele Kameras mit 4K-Aufzeichnung und Erkennung von Personen, Tieren und Gegenständen für 20 Euro monatlich. Warum die Befestigung wichtig ist Beide Kameras eignen sich für den Einsatz draußen und sind wassergeschützt. Zur Befestigung setzt Arlo auf ein Schraubgewinde, das Flexibilität beim Anbringen an der Wand und bei der Ausrichtung der Optik erlaubt. Es gibt auch Halterungen für die Regenrinne und Schwanenhalsbefestigungen, die eine Anbringung am Baum oder einem Treppengeländer erlauben. Die Aqara ist in dieser Hinsicht weniger flexibel, nicht nur wegen der Stromversorgung und ihres höheren Gewichts. Sie kommt mit einer abnehmbaren Wandhalterung, die sich wiederum mit zwei Schrauben auf Holz befestigen lässt. Anschließend lässt sich die Kamera in Grenzen drehen und schwenken. Die Kandidaten sind schnell in Betrieb genommen, wobei Arlo es besonders einfach macht, weil hier ein nahezu geschlossenes Ökosystem vorliegt. Verwirrend sind allerdings in der App die Menüpunkte zum Einstellen des Geofence. Das bedeutet: Das System erkennt anhand des Smartphones, dass alle Familienangehörigen das Haus verlassen haben, und schaltet die Kameras scharf. Kritik verdient auch, dass die iPhone-App keine kritischen Hinweise unterstützt, die auch dann ertönen, wenn das Smartphone stummgeschaltet ist. Aqara erfordert mehr Aufmerksamkeit, weil sich die Kamera in die Ökosysteme von Apple, Google, Amazon und Samsung sowie in den Home Assistant und Homey einbinden lässt. Als Hub kann sie untergeordnete Sensoren verwalten. Die App ist dementsprechend sehr leistungsfähig, und man muss in einem Haushalt mit vielen Smarthome-Komponenten viel mehr einstellen und berücksichtigen. Das wohl ärgerlichste Detail ist der Komplexität des Systems geschuldet und besteht darin, dass jede Push-Nachricht programmiert werden muss. Das kann aber auch ein Vorteil sein, weil man zum Beispiel festlegt, dass bei einem erkannten Tier kein Alarm ausgegeben wird. Was man zur Apple-Einbindung wissen muss Wir haben die G5 mit einem Aqara-Hub M3 verbunden, und dann gelingen Synergieeffekte. Zum Beispiel mit der Programmierung, dass der Erschütterungssensor an der Kellertreppe zum Start einer Aufnahme führt, auch dann, wenn die Kamera noch keine Person sieht. Leider muss man den Geofence vollständig selbst programmieren, was deutlich komplizierter als bei Arlo ist. Ein weiterer Kritikpunkt: Unser Testgerät ließ sich nicht in die Homekit-Welt von Apple integrieren, obwohl der Hersteller damit wirbt. Bei Arlo gelingt das, aber zum einen nicht immer zuverlässig und zum anderen ohne das Speichern von Videos in Apples Homekit Secure Video. Beide Apps erlauben auch von unterwegs einen Blick durch die Kameras. Wenn die Optik etwas entdeckt, wird aufgezeichnet oder Alarm geschlagen oder, sofern man das programmiert, eine Kettenreaktion in Gang gesetzt und zum Beispiel das Licht eingeschaltet. Arlo speichert im teuersten Abonnement die Videos bis zu zwei Wochen in seiner Cloud, wo sie auch dann abrufbar sind, wenn der Einbrecher die Kameras mitgenommen oder zerstört hat. Es wird zuverlässig zwischen Bewegungen, Personen, Fahrzeugen und Tieren unterschieden. Die Erkennung einzelner Personen mit Künstlicher Intelligenz setzt voraus, dass selbige sehr häufig und sehr direkt in die Kamera schauen. Alle Auswertungen erfolgen in der Arlo-Cloud. Die G5 arbeitet ganz anders und will mehr. Sie hat acht Gigabyte Speicher eingebaut und wertet im Gerät selbst aus. Dabei will die Kamera nicht nur zwischen Personen, Tieren und allgemeinen Bewegungen unterscheiden, sondern sie bietet auch an, herumlungernde Personen zu erkennen, die längere Zeit im Sichtfeld der Kamera verweilen. Für die biometrische Gesichtserkennung wird in der App ein Foto der Person eingespeist. Ferner gibt es KI-Zusammenfassungen und Suchfunktionen mit Künstlicher Intelligenz im Videomaterial. Das hört sich sehr ambitioniert an und richtet sich an Kontrollfreaks, die alles genau wissen wollen. In der Praxis lief jedoch die Erkennung von Personen, die Unterscheidung zwischen Person und Tier und vieles andere deutlich schlechter als bei Arlo oder gar nicht. Nur die Arlo-Kamera zeichnete nachts den um das Haus schleichenden Waschbären auf. Die Aqara identifizierte eine Person im Garten derweil fälschlich als Tier. Im Zugriff auf den Datenstrom ist Aqara wiederum flexibler. Die Kamera lässt sich an ein NAS anbinden, also an heimische Datenspeicher, und unterstützt das Netzwerkprotokoll RTSP zur Echtzeitübertragung von Videos, welches auch bei IP-Kameras zum Einsatz kommt. Ein weiterer Pluspunkt der G5 von Aqara ist die Bildqualität nachts. Wir hatten beide Kameras gleichzeitig nebeneinander auf dem Balkon aufgebaut. Zeigte die Arlo ein gutes, scharfes Bild in Graustufen, machte die Aqara die Nacht zum Tag. Es ist wirklich verblüffend. Sie verwendet einen riesigen Bildsensor mit hoher Empfindlichkeit. Tagsüber ist das Bild beider Kameras ähnlich gut. Die Arlo löst mit 3840 × 2160 Pixeln auf und hat einen 180-Grad-Blickwinkel, die Aquara bringt es auf nur 2688 × 1520 Pixel mit einem Winkel von 133 Grad. Beide Kameras sind empfehlenswert und richten sich an eine unterschiedliche Klientel. Wer viel Flexibilität und einen günstigen Preis sucht, ist mit Aqara bestens bedient, muss jedoch zum Herauskitzeln der vollen Funktionalität einiges investieren. Die Arlo ist teuer, arbeitet jedoch in einem geschlossenen Ökosystem sehr zuverlässig und verlangt weniger Aufmerksamkeit.
