FAZ 10.05.2026
09:05 Uhr

Schwere Fan-Ausschreitungen: „Die größte Schande, die ich in diesem Verein erlebt habe“


Schlimme Szenen beim Fußballderby in Prag: Fans stürmen den Rasen, werfen gezielt mit Bengalos und attackieren offenbar auch Spieler. Durch ihre Aktion verhindert sie vorerst die Meisterschaft ihrer eigenen Mannschaft.

Schwere Fan-Ausschreitungen: „Die größte Schande, die ich in diesem Verein erlebt habe“

Platzsturm mit Pyro-Würfen, dazu offenbar Gewalt gegen Spieler: Anhänger von Slavia Prag haben für den Abbruch des 317. Derbys gegen den Erzrivalen Sparta gesorgt – und den vorzeitigen Gewinn der tschechischen Fußballmeisterschaft durch ihren Klub am Samstagabend verhindert. Beim Stand von 3:2 für Slavia in der siebten Minute der Nachspielzeit waren nur noch rund drei Minuten zu spielen, als zahlreiche Fans den Rasen stürmten und dabei allem Anschein nach gezielt zahlreiche Bengalos in Richtung des Sparta-Blocks warfen. Das Spiel wurde abgebrochen. Die Spieler beider Mannschaften begaben sich umgehend in die Kabinen, die Gäste verließen das Stadion anschließend mit dem Bus. „Gerechtfertigt, dass das Spiel abgebrochen wurde“ „Wir können keine mildernden Umstände geltend machen. Unsere Fans stürmten den Platz und unterbrachen das Spiel vor dessen Ende. Der Gegner meldete einen Angriff auf ein oder zwei Spieler. Ich denke, es war gerechtfertigt, dass das Spiel abgebrochen wurde“, wurde Slavia-Präsident Jaroslav Tvrdik auf der Webseite des derzeitigen Meisters zitiert: „Als ich mit unseren Spielern sprach, sagten sie mir, dass wir in einer ähnlichen Situation genauso gehandelt hätten. Wir können uns nur entschuldigen.“ Man müsse „in Zukunft so reagieren, dass solche Situationen einfach nicht wieder vorkommen“, erklärte der frühere tschechische Verteidigungsminister weiter: „Wir waren nur noch drei oder vier Minuten von den Meisterschaftsfeierlichkeiten entfernt. Ich glaube, die Spieler hätten es geschafft. Stattdessen ist es wohl die größte Schande, die ich in elf Jahren im Verein erlebt habe.“ Vor dem Abbruch hatte Slavia zwei Rückstände wettgemacht und in der 59. und 92. Minute zwei Platzverweise kassiert – ehe der Platzsturm begann. Ligaverband: „Überschreitung einer Grenze“ Slavia-Präsident Tvrdik bekannte, er rechne nun mit Konsequenzen durch die Liga: „Es liegt nun am Disziplinarausschuss des LFA. Das Spiel wurde durch unser Verschulden gestört, die Unterbrechung wurde von unseren Fans verursacht. Es ist zu erwarten, dass das Spiel zu unserem Nachteil gewertet wird. Wir müssen damit rechnen. Unsere Situation im Titelkampf ist dadurch extrem schwierig geworden. Ich entschuldige mich nochmals bei allen, es tut mir leid.“ Der Ligaverband teilte später in einer Stellungnahme mit, dass das Verhalten der heimischen Fans, die vor dem Schlusspfiff nicht nur das Spielfeld stürmten, sondern auch gegnerische Spieler angriffen, einen völlig inakzeptablen Vorfall darstelle: „Körperliche Angriffe auf Spieler, Mitglieder der Trainerstäbe oder andere am Spiel beteiligte Personen stellen eine Überschreitung einer Grenze dar, von der wir überzeugt waren, dass sie im tschechischen Profifußball nicht vorkommen kann“, hieß es. Ein solches Verhalten werde unter keinen Umständen toleriert und schade dem gesamten tschechischen Fußball. „Weder eine emotional aufgeladene Atmosphäre noch sportliche Rivalität können jemals als Entschuldigung für ein solches Verhalten dienen.“