Im sich zuspitzenden Übernahmekampf klettern die Aktienkurse beider beteiligten Banken. Nach einem Kursgewinn um 4,5 Prozent am Dienstag legte die Commerzbank-Aktie am Mittwoch um weitere 4 Prozent zu und kostet nun mit fast 37 Euro so viel wie zuletzt vor neun Monaten. Auch die Unicredit-Aktie ist beliebt: Der Kurs der italienischen Bank legte nach einem Kursgewinn am Dienstag von sieben Prozent am Mittwoch um weitere vier Prozent auf fast 71 Euro zu. Das seit Dienstag laufende Umtauschangebot an die Commerzbank-Aktionäre, eine Commerzbank-Aktie in 0,485 Unicredit-Aktien zu tauschen, bleibt also unattraktiv: Damit wird die Commerzbank-Aktie zum aktuellen Kurs von Unicredit nur mit knapp 34,30 Euro bewertet, die Aktionäre verlören also bei einem Tausch rund sieben Prozent. Allerdings hat sich Unicredit schon mehr Zugriff auf Commerzbank-Aktien gesichert als gedacht. Wie aus den Angebotsunterlagen hervorgeht, gibt es eine bis Juli 2027 laufende Swap-Vereinbarung mit der japanischen Bank Nomura, durch die sich Unicredit Zugriff auf 5,56 Prozent der Commerzbank-Aktien verschaffen kann. Laut Homepage der Commerzbank hat Unicredit derzeit einen Aktienbestand von 26,77 Prozent und mit Long-Derivaten nur Zugriff auf weitere 5,87 Prozent. Mit der Nomura-Vereinbarung käme Unicredit also auf 35 Prozent an der Commerzbank. Eingreifen der Staatsbank KfW könnte an Brüssel scheitern Damit dürfte Unicredit auf der anstehenden Hauptversammlung der Commerzbank am 20. Mai eine Mehrheit haben und könnte eigene Aufsichtsräte zur Wahl stellen. Die italienische Bank beteuert indes, sie habe das nicht vor. Auch strebe sie mit dem Tauschangebot nicht die Kontrolle über die Commerzbank an. Gleichwohl machen sich SPD-Politiker in Berlin Gedanken, ob die Bundesregierung ihren Anteil von derzeit 12 Prozent an der Commerzbank nicht wieder aufstocken sollte, um dem vom Vorstand und von der aktuellen Bundesregierung als feindlich eingestuften Vorgehen Unicredits etwas entgegenzusetzen. Der stellvertretende SPD-Fraktionschef im Bundestag, Armand Zorn, sagte dazu der Nachrichtenagentur Reuters: „Dieser Schritt wäre für ein stabiles, profitables Unternehmen sehr ungewöhnlich. Er sollte zwar geprüft werden, aber eher als ‚ultima ratio‘ betrachtet werden, wenn alle anderen Optionen scheitern“, sagte Zorn, zu dessen Wahlkreis das Frankfurter Banken- und Bahnhofsviertel gehört. Dort rätselt man, was die anderen Optionen der Bundesregierung sein könnten, falls sie daran mitwirken wollte, dass Unicredit dauerhaft die Kontrolle über die Commerzbank verwehrt bleibt. Schließlich war es die damalige Ampel-Regierung, die im September 2024 zu Kursen von 13,20 Euro je Commerzbank-Aktie ein Paket von 4,5 Prozent an Unicredit verkauft hat und dem heute ungeliebten Großaktionär erst den Einstieg ermöglichte. Soll man ein ähnliches Aktienpaket nun zu Kursen von 37 Euro je Aktie wieder kaufen? Auf den ersten Blick kein gutes Geschäft. Möglich aber wäre, dass das Bundesfinanzministerium die Staatsbank KfW mit einem solchen „Zuweisungsgeschäft“ beauftragt. Doch Banker, die die Bundesregierung schon beraten haben, halten diese Gedankenspiele für kaum umsetzbar. Hinter vorgehaltener Hand weisen sie darauf hin, dass ein staatlicher Aktienkauf wahrscheinlich ein EU-Beihilfeverfahren auslösen würde und eine Erlaubnis aus Brüssel mit dem Ziel, die Eigenständigkeit der Commerzbank zu bewahren, wahrscheinlich nicht zu erhalten wäre. Oberstes Ziel der Commerzbank muss es sein, den eigenen Aktienkurs hochzuhalten, möglichst sogar noch anzutreiben, um den Kauf weiterer Anteile für Unicredit möglichst teuer und damit unattraktiv zu machen. Daher wird die Commerzbank an diesem Freitag nicht nur wie seit Langem geplant ihre Geschäftszahlen zum ersten Quartal vorlegen, sondern auch eine Strategieverschärfung mit höheren Renditezielen. Bisher hat sich die Commerzbank für 2028 das Ziel gesteckt, eine Rendite von mindestens 15 Prozent auf das Eigenkapital zu verdienen und höchstens 50 Cent aufzuwenden, um einen Euro zu erlösen. Unicredit ist schon heute viel rentabler und effizienter: Die italienische Bank kam im ersten Quartal 2026 auf gut 25 Prozent Eigenkapitalrendite und eine Kosten-Ertrags-Quote von 33. Unicredit-Chef Andrea Orcel will durch einen Zusammenschluss mit der Commerzbank 7000 Stellen streichen, denn Künstliche Intelligenz erlaube mehr Automatisierung. Eine ähnliche Begründung könnte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp am Freitag nennen, wenn sie wohl auch einen höheren Stellenabbau ankündigen wird. Bisher hat sie mit dem Betriebsrat vereinbart, bis 2028 von 25.000 inländischen Stellen 3300 zu streichen.
