FAZ 06.06.2026
07:00 Uhr

Preis für Werkstätten: 51 Sportabzeichen für die Mitarbeiter


Seit Jahren legen Beschäftigte der Oberurseler Werkstätten das Sportabzeichen ab. Dafür wird in etlichen Gruppen trainiert. Jetzt hat die Einrichtung dafür einen Preis bekommen.

Preis für Werkstätten: 51 Sportabzeichen für die Mitarbeiter

Säckchenwerfen gehört in die Kategorie Koordination. Christian Klöckner macht es vor. Der Mitarbeiter der Oberurseler Werkstätten steht im Hof hinter der Turnhalle seines Betriebs und zielt. Das erste der sechs Säckchen mit Sandfüllung landet zentral auf der Scheibe aus Zeltstoff auf dem Rasen unter den Ahornbäumen. „Profimäßig, sechs Punkte!“, ruft Vera Papadopoulos, die mit den behinderten Mitarbeitern trainiert. Als Klöckners sechstes Säckchen gelandet ist, lobt sie: „24 Punkte, das war Gold, das wird gleich eingetragen.“ Die Sport-Verantwortliche des Eigenbetriebs des Hochtaunuskreises sammelt schon Leistungen für das Sportabzeichen 2026. Nach Klöckner wirft sein Kollege Pascal Matthäus – und holt aus dem Stand schon einmal Silber in der Disziplin. An diesem Junitag aber geht es eigentlich noch um das, was die 51 Mitarbeiter im Jahr 2025 geschafft haben: das Sportabzeichen zu machen. Außer Koordination werden Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit geprüft. Für das Erreichte haben die Werkstätten zusammen mit neun anderen Gruppen aus ganz Deutschland einen Preis der Sparkassen-Finanzgruppe bekommen. Zur Übergabe der Urkunde und des 2500-Euro-Schecks ist Besuch aus der Kreisstadt Bad Homburg gekommen. Kurz vor dem Mittagessen stehen Landrat Ulrich Krebs und Lars Dieckmann, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Taunus Sparkasse, zusammen mit Betriebsleiter Andreas Knoche in der Kantine vor den Mitarbeitern. Viele haben sich das Finisher-T-Shirt übergezogen. CDU-Politiker Krebs ermutigt sie, weiter den eigenen Stärken zu vertrauen. Auch Rollstuhlfahrer machen mit An einem der Tische erzählt Dominik Falland, wie alles ablief. „Es geht nach Altersklassen und Behinderungsklassen.“ An der Tischkante lehnt Fallands Blindenstock. Er selbst habe beim Medizinballweitwurf mitgemacht und beim Weitsprung. Zum Schwimmen seien sie ins Tauna-Bad gegangen. „Ich bin seit der ersten Stunde dabei“, sagt Falland. Betriebsleiter Knoche, den viele im Saal Andi nennen, berichtet, die Mitarbeiter legten das Abzeichen seit 2018 jährlich ab. Falland korrigiert: „Seit 2019.“ Später wird auch er beim Säckchenwerfen zeigen, dass er, obgleich blind, zielen kann. Ungefähr ein Zehntel der Belegschaft war dabei, auch zwei Rollstuhlfahrer haben mitgemacht. Die insgesamt 550 behinderten Beschäftigten, die nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein können, arbeiten etwa in der Schreinerei, der Handwerkstatt, der Aktenvernichtung und der Digitalisierung. Papadopoulos bietet mehrere Sportgruppen an. Dort spielen sie Tischtennis und Fußball, üben Yoga, schulen die Fitness, gehen Walken und laufen Runden auf dem Sportplatz. Die Mitarbeiter erwähnen auch Schach und Dart. Der Sportabzeichen-Wettbewerb kürt seit 2008 jährlich zehn Projekte rund um das Sportabzeichen, richtet sich also nicht ausschließlich an behinderte Sportler. Die Jury soll soziales Engagement auszeichnen, aber auch sportliche Leistung belohnen. Voriges Jahr haben sich nach Sparkassenangaben 150 Gruppen beworben. Das Preisgeld will Knoche für einen Küchenboden nutzen. Das klingt erst einmal nicht nach Sport. Aber der Raum liegt über der Turnhalle, und die Fugen und Fliesen lassen Wasser durch. Werden sie ersetzt, dürfte auch die Hallendecke wieder dicht sein.