Die rechtsextreme Partei Nationale Zukunft (FN) des pensionierten Heeresgenerals Roberto Vannacci hat vor den Parlamentswahlen im kommenden Jahr ein Grundsatzprogramm vorgestellt. In dem rund 120 Seiten umfassenden Text legt die Partei „ideologische und programmatische Grundlagen für das Italien der Zukunft (2027 bis 2037)“ dar. Als übergeordnetes Ziel wird genannt, dass Italien wieder zu einem „Land mit Identität“ werde, das „souverän und sicher, frei und wohlhabend“ sei. In einem zentralen Programmpunkt wird ein „linkes Bildungsmodell“ kritisiert, das auf dem „Kampf gegen das Patriarchat“ beruhe. Dieser sei die Ursache für die besorgniserregende Zunahme von Gewalt gegen Frauen, heißt es. Dem stellt die FN ihr Modell eines „mediterranen Patriarchats“ entgegen. Dieses ziele darauf ab, „starke Männer heranzubilden, die ihre Emotionen und Leidenschaften beherrschen, Frauen beschützen und sich für den Aufbau und die Verteidigung der Gesellschaft einsetzen“. In der Migrationspolitik bekennt sich die FN zur „Remigration“ und zum Ziel, den Anteil der Migranten in Italien auf vier Prozent zu begrenzen. Derzeit liegt dieser bei etwa neun bis zehn Prozent. Bei straffälligen Migranten fordert die Partei eine Nulltoleranzpolitik mit sofortiger Abschiebung. Bootsmigranten sollen grundsätzlich nicht mehr in den Häfen des Landes anlanden. Quoten für legale Einwanderung sollen abgeschafft, der Familiennachzug soll eingeschränkt werden. Migranten sollen sich zur „christlichen Zivilisation“ bekennen Vor der Gewährung der italienischen Staatsbürgerschaft sollen Migranten mindestens zwanzig Jahre im Land gelebt haben und Sprachkenntnisse auf dem Niveau C1 nachweisen. Außerdem sollen sie einen Allgemeinwissenstest absolvieren und sich zur Assimilierung an Grundsätze der „griechischen, römischen und christlichen Zivilisation“ bekennen. In der Sicherheitspolitik fordert die FN den Einsatz des Militärs in Gebieten mit hoher Kriminalitätsdichte, mehr Plätze in Gefängnissen und die Absenkung des Strafmündigkeitsalters auf zwölf Jahre. In der Wirtschaftspolitik setzt die Partei auf ein vereinfachtes Steuersystem und will Vollbeschäftigung erreichen. Wer ein Arbeitsangebot ablehnt, soll alle staatliche Unterstützungsleistungen verlieren. Die Partei spricht sich gegen den Green Deal der EU und den Übergang zur ausschließlich elektrischen Mobilität bis 2035 aus. Die FN fordert die Rückkehr zur Atomkraft und zum Import von russischem Gas. Die sozialdemokratische Senatorin Valeria Valente wies die Idee einer Rückkehr zu einem „mediterranen Patriarchat“ als „Wahnvorstellung des männlichen Überlegenheitsgefühls“ zurück. Die Programmschrift der FN sei Ausdruck einer „wahnhaften, verfassungswidrigen Theorie faschistischer Prägung“, sagte Valente. In jüngsten Umfragen kommt die erst im Februar gegründete FN auf sieben Prozent Zustimmung. Vannacci hofft bei den Wahlen 2027 auf ein zweistelliges Ergebnis.
