FAZ 12.03.2026
14:58 Uhr

Nach Gewaltvorwürfen: „Noma“-Koch René Redzepi tritt zurück


Der gefeierte dänische Koch Redzepi soll Mitarbeiter geschlagen und gemobbt haben. Nun zieht er sich aus dem „Noma“ zurück. Zuvor waren mehrere Sponsoren abgesprungen.

Nach Gewaltvorwürfen: „Noma“-Koch René Redzepi tritt zurück

Der über Jahre als Pionier einer neuen nordischen Küche gefeierte Starkoch René Redzepi ist als Chef des weltbekannten Kopenhagener Restaurants „Noma“ zurückgetreten. Hintergrund sind Vorwürfe der Gewalt und des Mobbings, die viele frühere Mitarbeiter gegen ihn ­erhoben haben. In der Nacht zum Donnerstag gab Redzepi bekannt, dass er von der Leitung des Restaurants zurücktritt. In einem Video, das er veröffentlichte, wird gezeigt, wie er zu Mitarbeitern eines Pop-up-Restaurants von „Noma“ in Los Angeles spricht. Redzepi sagt darin, dass er sich nicht vor seiner Verantwortung für sein Verhalten ­drücke. Es gelte nun, die Gäste „einen nach dem anderen zu überzeugen“. Das „Noma“ werde das durchstehen. Aber da nun so viel Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet sei, müsse er sich zurückziehen. Die Restauranteröffnung in Los Angeles wurde begleitet von Protesten früherer „Noma“-Mitarbeiter. Auf Schildern, die Protestierende in die Höhe hielten, stand etwa: „Keine Michelin-Sterne für Gewalt“, „Deine Küche ist eine Verbrechensszene“, „Noma hat mich zerstört“. Das „Noma“ wurde unter anderem von Redzepi im Jahr 2003 gegründet und galt als Vorreiter einer neuen nordischen ­Küche. Redzepi entwickelte ein „Manifest“, das etwa vorschrieb, nur regionale, saisonale Zutaten zu verwenden, und Einfachheit sowie die Rückbesinnung auf frühere Techniken predigte. Wiederholt stand das Restaurant an der Spitze weltweiter Rankings, erhielt drei Michelin-Sterne. Redzepi erhielt für seine Verdienste den Ritter­orden durch die dänische Königin Mar­grethe; vom Magazin „Time“ wurde er in die Liste der 100 einflussreichsten Personen aufgenommen. 2023 kündigte er die Schließung des Restaurants an. Fortan sollte es dem Forschen und Testen dienen, danach wurden weltweit Pop-up-Restaurants von „Noma“ eröffnet. Er soll Mitarbeitern ins Gesicht geschlagen haben In seiner Zeit als Restaurantchef soll Redzepi wiederholt physische und psychische Gewalt gegen Mitarbeiter ausgeübt haben. Kürzlich hatte die „New York Times“ darüber berichtet. Zwischen 2009 und 2017 habe er Mitarbeitern ins Gesicht geschlagen, sie mit Küchenutensilien gestochen und sie gegen Wände geschleudert, schrieb die Zeitung. Auch soll er sie eingeschüchtert und öffentlich gedemütigt haben. Demnach drohte er, seinen Einfluss zu nutzen, um sie auf eine schwarze Liste von Restaurants auf der ganzen Welt zu setzen, ihre Familien auszuweisen oder ihre Angehörigen aus Jobs in anderen Unternehmen zu entlassen. „Zur Arbeit zu gehen fühlte sich an wie in den Krieg zu ziehen“, sagte eine frühere Mitarbeiterin der Zeitung. Mitarbeiter meldeten die Vorkommnisse demnach aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen nicht und weil die Arbeit bei „Noma“ ihnen trotz allem bei ihrer Karriere half. Redzepis Verhalten war auch schon ­früher zur Sprache gekommen, danach hatte er sich entschuldigt. Gegenüber der „New York Times“ hatte er kürzlich an­gegeben, sein Verhalten tue ihm „zutiefst leid, und ich habe daran gearbeitet, mich zu ändern“. Er habe sich aus der Leitung des täglichen Betriebs zurückgezogen, eine Therapie gemacht und „bessere Wege gefunden, mit meiner Wut umzugehen“. Gegenüber dem dänischen Rundfunk sagte er, er habe vor zehn Jahren begonnen, „offen über mein eigenes Verhalten in der Küche zu sprechen – mein Temperament, meine Wut und manchmal sogar meine körperliche Aggression, bei der ich Leute anschrie und schubste“. Er sei nicht in der Lage gewesen, mit dem Druck um­zugehen. „Kleine Fehler kamen mir riesig vor, und ich reagierte auf eine Weise, die ich heute zutiefst bereue.“ Doch zogen sich in Folge der Berichterstattung mehrere Sponsoren für das „Pop-up-Restaurant“ in Los Angeles zurück. Danach hieß es, Redzepi müsse zurücktreten, damit „Noma“ überleben ­könne.