Für den Christopher Street Day (CSD) in der Darmstädter Innenstadt am Samstag sind besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden. Darauf haben sich der Veranstalter, der Verein Vielbunt, und die Stadtverwaltung geeinigt, wie die Stadt am Donnerstag mitgeteilt hat. Nach ihren Angaben werden unter anderem Zufahrtssperren zum Einsatz kommen, um das Festgelände auf dem Karolinenplatz vor Angriffen mit Fahrzeugen zu schützen. Im benachbarten Herrngarten werden ebenfalls Absperrungen aufgebaut. Das Festgelände sei aus Sicherheitsgründen kleiner zugeschnitten als in den Vorjahren, sagt Bernd Drewelies, Vorstandsmitglied bei Vielbunt. In diesem Jahr sei mehr Platz für Sanitäter vorgesehen. Von der Gefahr eines Angriffs lasse sich der Verein aber nicht davon abhalten, den CSD zu feiern. Eine Absage sei trotz des Anschlags auf den CSD in Berlin im Juli mit einer Toten und mehr als 30 Verletzten nicht erwogen worden. Die Stadt Darmstadt und die Kirchen unterstützen den Verein Vielbunt und sprechen der queeren Gemeinschaft ihre Solidarität aus. Sowohl die Stadt als auch Caritas und Diakonie nehmen nach eigenen Angaben mit Gruppen an der Parade teil. Oberbürgermeister Benz: Nicht einschüchtern lassen Oberbürgermeister Hanno Benz (SPD) sagte: „Nach dem Anschlag in Berlin gilt mehr denn je: Wir lassen uns durch Hass und Gewalt nicht einschüchtern. Weder Rückzug noch Schweigen dürfen die Antwort darauf sein. Gerade jetzt müssen wir Haltung zeigen. Am Christopher Street Day machen wir deutlich, dass alle Menschen das Recht haben, so zu leben und zu lieben, wie sie sind – frei, sicher und ohne Angst.“ Benz rief die Darmstädter zu einer regen Beteiligung an der Veranstaltung auf, um Haltung zu zeigen. „Die zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen sind keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis einer engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen dem Veranstalter und den zuständigen Sicherheitsorganen. Unser gemeinsames Ziel ist es, den CSD als friedliches, vielfältiges und offenes Fest zu ermöglichen und zugleich alles Notwendige dafür zu tun, dass sich die Menschen in unserer Stadt sicher fühlen können“, sagte Ordnungsdezernent Paul Georg Wandrey (CDU). Die Kirche trete ein für den Minderheitenschutz, die Vielfalt und für gleiche Rechte für alle, sagte der stellvertretende Dekan des Evangelischen Dekanats Darmstadt, Sven Sabary. Immer wieder zeige sich die Aggression gegen queere Menschen. Zum Beispiel sei die Regenbogenflagge der Studentengemeinde in Darmstadt einmal anzündet und einmal abgerissen worden. Auch bei Gegendemonstrationen gegen CSD-Paraden werde Hass und Ablehnung deutlich. Parade durch Innenstadt, Fest auf Karolinenplatz Die Parade zum Christopher Street Day in Darmstadt beginnt am Samstag um 12 Uhr auf dem Karolinenplatz. Die beteiligten Gruppen stellen sich schon von 10 Uhr an auf. Der Umzug führt einmal durch den Stadtkern, über Wilhelminen-, Grafen-, Rhein-, Neckar, Elisabethen- und Kirchstraße sowie über den Marktplatz. Um 15 Uhr beginnt das Bühnenprogramm auf dem Karolinenplatz, um 23 Uhr die After-Show-Party in der Centralstation. Schon am Vorabend, am Freitag von 19 Uhr an, wird in der Martinskirche an der Heinheimer Straße ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert. Auch anderenorts in Hessen machen sich CSD-Veranstalter und Behörden Gedanken um ihr Sicherheitskonzept. Der Demonstrationszug in Friedberg wird am Samstag, 22. August, nicht wie im vergangenen Jahr auf dem zentralen Elvis-Presley-Platz, sondern auf dem sogenannten Burgfestplatz enden. Wie ein Sprecher der Veranstalter sagte, stellt die Stadt Friedberg dort Antiterror-Zufahrtssperren auf. Diese Vorkehrung sei aber keine direkte Folge des Anschlags auf den CSD in Berlin. Die jüngsten Ereignisse hätten das Thema Sicherheit stärker in den Fokus gerückt, sagte ein Sprecher des CSD in Groß-Gerau, zu dem am Samstag, 29. August, bis zu 350 Besucher erwartet werden. Dort verfüge man bereits aus dem vergangenen Jahr über ein umfassendes Sicherheitskonzept, das auch in diesem Jahr weiterentwickelt werden soll. Genauere Details wollen die Veranstalter später bekannt geben. Am Samstag, 19. September, wird zum ersten Mal ein CSD in Offenbach veranstaltet. Wie ein Sprecher mitteilt, rechnen die Veranstalter mit mindestens 600 Teilnehmern. Aufgrund der Teilnehmerzahl, aber auch weil sich der Platz besser sichern ließe, habe man sich dazu entschlossen, den Veranstaltungsort vom Mathildenplatz in den Büsingpark zu verlegen. Wegen Veranstaltungen wie dem Lichterfest habe die Stadt dort bereits Erfahrung und funktionierende Sicherheitskonzepte.
