FAZ 19.09.2026
12:16 Uhr

Mehr Sozialarbeiter: Darmstadt will Drogenszene im Herrngarten „bündeln“


Das Stadtparlament hat mit großer Mehrheit entschieden, wie sie den Suchtkranken im Herrngarten helfen will. Mehr Stadtpolizisten sollen in dem Stadtpark für Sicherheit sorgen.

Mehr Sozialarbeiter: Darmstadt will Drogenszene im Herrngarten „bündeln“

Die offene Drogenszene in Darmstadt soll im Herrngarten bleiben. So sieht es ein mit großer Mehrheit gefasster Beschluss des Stadtparlaments vor. Allerdings ist für die Süchtigen nur ein kleiner Teil des Stadtparks in der Innenstadt vorgesehen. Für sie soll eine Zone am westlichen Rand der Grünfläche in der Nähe der städtischen Hilfseinrichtung „Scentral“ abgeteilt werden. An diesem „Aufenthaltsort“ ist eine „Bündelung“ der Drogenszene vorgesehen, wie es in dem Beschluss heißt, der am Donnerstagabend gefasst wurde. Offiziell erlaubt ist der Drogenkonsum dort allerdings nicht. Der übrige Park soll Spaziergängern zur Verfügung stehen. Dort sollen Polizei und Stadtpolizei einschreiten, falls außerhalb der „Aufenthaltszone“ Rauschgift konsumiert wird. Sicherheit und Sauberkeit im Park ist damit ebenso Teil des Konzepts wie die Hilfe für Abhängige, etwa durch den Einsatz von Sozialarbeitern. Diesem Konzept stimmten alle Fraktionen außer der AfD zu. Schon vor einem Jahr war eine Entscheidung in diesem Sinn ebenfalls mit breiter Mehrheit getroffen worden. Damals wurde die Verwaltung beauftragt, ein Konzept vorzulegen, was nun geschehen ist. Konsumräume fürs Spritzen und Rauchen werden geprüft Vor einem Jahr hatten die Fraktionen auch Konsumräume vorgeschlagen, in denen die Süchtigen Drogen legal und unter hygienischen Bedingungen zu sich nehmen können. Darüber ist noch keine endgültige Entscheidung getroffen worden. Die Einrichtung von Konsumräumen wird geprüft und mit dem Land abgestimmt, wie es in dem Beschlusstext heißt. Darüber kann die Stadt nicht allein entscheiden, nach dem Gesetz ist die Zustimmung des Landes notwendig. Das Darmstädter Stadtparlament befürwortet speziell ausgestattete Konsumräume für verschiedene Drogen. Einerseits soll auf dem Gelände der Hilfseinrichtung Scentral ein Raum für das Spritzen von Rauschgift in die Vene eingerichtet werden. Andererseits soll für das Rauchen von Crack eine „Inhalationsfläche“ unter freiem Himmel ausgewiesen werden, nämlich auf dem Tiefhof des Scentral. In den vergangenen Jahren hat sich Crack als dominierendes Rauschgift in der Darmstädter Drogenszene durchgesetzt. In der Hilfseinrichtung Scentral ist ein Konsum nicht erlaubt. Das gilt auch für den Hof. In der Einrichtung erhalten die Abhängigen Hygieneartikel, Essen und Rat zu Therapien, die ihnen aus der Sucht heraushelfen. Nach dem Beschluss werden dort auch Ruheplätze angeboten. Darüber hinaus wird geprüft, eine Übernachtungsmöglichkeit für die Suchtkranken zu schaffen. Sozialarbeiter sollen auch dann im Herrngarten zur Verfügung stehen, wenn das Scentral geschlossen ist, mehrfach in der Woche bis Mitternacht. Für die Sicherheit im Herrngarten soll die Stadtpolizei zusätzliche Mitarbeiter erhalten. Zweimal täglich ist nach dem Beschluss eine Reinigung des Parks und der umliegenden Straßen vorgesehen, um gebrauchte Spritzen und anderes Konsummaterial zu entfernen. Ebenfalls beschlossen wurde, dass die Stadt mehr für die Suchtprävention für junge Menschen unternehmen muss. So wird im Suchthilfezentrum des Caritasverbands eine spezielle Beratungsstelle für Jugendliche und junge Erwachsene sowie deren Angehörige eingerichtet. Wie dringend Hilfe für die Süchtigen gebraucht werde, lasse sich schon daran ablesen, dass in Darmstadt in diesem Jahr bis zum Sommer 20 Drogentote gezählt worden seien, sagte Heiko Depner (Die Grünen). Derzeit sei im Herrngarten viel Elend zu sehen, sagte Hans Wegel (CDU). Die derzeitige Lage sei für die Süchtigen ebenso belastend wie für Anwohner und Spaziergänger.