FAZ 23.07.2026
16:32 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Selenskyj: Neue Militärführung soll Mobilmachung verbessern


Selenskyj erwartet bessere Rekrutierung +++ Ukraine beantragt Sitzung im UN-Sicherheitsrat +++ EU-Staaten einigen sich auf stark verwässertes Sanktionspaket gegen Russland +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Selenskyj: Neue Militärführung soll Mobilmachung verbessern

Bomben verletzen Dutzende in SaporischschjaEin russischer Bombenangriff hat mindestens 25 Verletzte in der südukrainischen Großstadt Saporischschja gefordert. Unter den Opfern seien auch sechs Minderjährige, darunter ein drei Monate altes Baby, schrieb der ukrainische Militärgouverneur der Region, Iwan Fedorow, auf Telegram. Seinen Angaben nach warf das russische Militär fünf Gleitbomben auf die Stadt ab und beschädigte dabei Wohnhäuser und eine private medizinische Einrichtung.Die Region Saporischschja ist eine der vier Regionen, die der Kreml im Herbst 2022 annektiert hat, obwohl er sie bis heute nicht vollständig kontrolliert. Die Stadt Saporischschja ist wegen ihrer Nähe zur Front häufig Ziel russischer Angriffe. Immer wieder kommen dabei auch Zivilisten zu Schaden.

Viele Verletzte nach russischem Bombenabwurf auf SlowjanskRussische Gleitbomben haben mindestens 14 Menschen in der Stadt Slowjansk im Osten der Ukraine verletzt. Sieben Wohnblocks seien beschädigt worden, schrieb der ukrainische Militärgouverneur der Region Donezk, Wadym Filaschkin, auf Telegram. Demnach schlugen die beiden Gleitbomben in einem Wohnviertel der frontnahen Stadt ein.Der Ballungsraum um Slowjansk und Kramatorsk ist der letzte große Festungsgürtel, den die ukrainischen Truppen in der Region Donezk unter ihrer Kontrolle halten. Russland fordert für die Aufnahme von Friedensverhandlungen den vollständigen Rückzug ukrainischer Truppen aus dem Gebiet Donezk.

Kurz vor der Sommerpause haben sich die EU-Staaten auf ein weiteres Sanktionspaket gegen Russland geeinigt. Dabei zeigt sich: Immer mehr Staaten geht die Luft aus, um die wirtschaftlichen Kosten der Sanktionen zu tragen. Lesen Sie hier mehr dazu: 

Früherer Verteidigungsminister will zurück ins Amt Vor dem Hintergrund neu angekündigter Proteste besteht der entlassene ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow auf seiner Rückkehr ins Amt. „Heute gibt es im Staat nur drei Posten, außer auf dem Schlachtfeld, die den Kriegsverlauf real beeinflussen: der Präsident der Ukraine, der Verteidigungsminister und der Oberkommandierende der Streitkräfte“, sagte Fedorow Journalisten. Er sei deshalb mit keinem anderen Amt als dem des Verteidigungsministers einverstanden.

Russisches Kampfflugzeug bei Moskau abgestürztEin russisches Kampfflugzeug ist in der Nähe der Hauptstadt Moskau abgestürzt. Der Unfall sei kurz nach dem Start passiert, der Pilot habe sich per Schleudersitz retten können, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau russischen Nachrichtenagenturen zufolge mit.„Das Flugzeug ist in unbewohnter Gegend abgestürzt, es gibt keine Zerstörungen am Boden“, heißt es in der Mitteilung. Medienberichten zufolge handelt es sich bei der Maschine um eine der modernen Su-57.Die Behörden ermitteln offiziell wegen eines technischen Fehlers im Flugzeug. Der russische Militärblogger Wladimir Romanow deutete hingegen an, dass das Kampfflugzeug von der eigenen Flugabwehr abgeschossen wurde. Belege für diese Darstellung lieferte er nicht.

Bemühungen um Wiederbelebung der Friedensgespräche Vertreter der Ukraine und der USA könnten sich nach den Worten des ukrainischen ⁠Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in den kommenden Tagen in den USA treffen. Er habe am Mittwoch mit den amerikanischen Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner über Ideen zur Wiederbelebung der Friedensgespräche mit Russland gesprochen, sagte Selenskyj. Die Diskussionen dürften in naher Zukunft fortgesetzt werden, meldete die Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine unter Berufung auf den Präsidenten. 

Kiew will Sondersitzung des UN-SicherheitsratsDie Ukraine hat wegen der Lage im Schwarzen Meer eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats beantragt. Nach russischen Angriffen auf Frachtschiffe fahren keine Schiffe mehr die ukrainischen Schwarzmeerhäfen bei Odessa an. Wie die Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine berichtete, wird Russland nach Einschätzung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj seine Angriffe ​auf Schiffe im Schwarzen Meer verstärken, um den ukrainischen Getreidekorridor auf dem Seeweg zu blockieren.

Ukrainische Häfen stellen den Betrieb einUkrainische Häfen werden aufgrund russischer Angriffe vorerst nicht mehr von Schiffen angelaufen. „Wir als Staat haben keine Einschränkungen gemacht, das ist eine Entscheidung der Schiffseigner“, sagte Agrarminister Taras Wyssozkyj gemäß der staatlichen Nachrichtenagentur Ukrinform. Noch am Vortag hätten „vier bis fünf Schiffe“ in ukrainischen Häfen angelegt. Wyssozkyj machte demnach keine Angaben, ob das nur die Seehäfen betrifft oder auch der Schiffsverkehr zu den Donauhäfen eingestellt wurde. Anfang Juli begannen die ukrainischen Drohnentruppen mit Angriffen auf Schiffe, die russisch kontrollierte Häfen im Schwarzen und vor allem im benachbarten Asowschen Meer ansteuerten. Damit sollte vor allem der Export von russischem Öl und die Versorgung der von Russland annektierten Halbinsel Krim auf dem Seeweg gestört werden. Dabei wurden ukrainischen Angaben zufolge fast 200 Tanker und Frachtschiffe beschädigt. Im Gegenzug intensivierte das russische Militär seine Attacken auf ukrainische Hafenanlagen und Frachter, die diese anliefen. Moskau zufolge sind nur Schiffe mit für das Militär bestimmten Gütern angegriffen worden. Kiew sprach von Getreidetransporten. Von unabhängiger Seite sind die Angaben der Kriegsparteien nicht überprüfbar. Angaben der ukrainischen Seehafenverwaltung nach wurden im ersten Halbjahr 2026 42,4 Millionen Tonnen Fracht über die Seehäfen umgeschlagen. 23,6 Millionen Tonnen seien dabei Agrarprodukte gewesen. Der Wert liege 20 Prozent über dem des Vorjahres. 2025 wurden Agrargüter für umgerechnet rund 20 Milliarden Euro exportiert. Das sind mehr als 50 Prozent des gesamten ukrainischen Warenexports.

Zivilisten in Pawlohrad durch Gleitbombenabwurf getötetBei russischen Bombenangriffen auf die Industriestadt Pawlohrad in der Ostukraine sind mindestens drei Menschen getötet worden. Gut ein Dutzend seien verletzt worden, teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj bei Telegram mit. Angegriffen worden sei das Gelände eines Unternehmens. Verletzte habe es auch bei Attacken auf die Stadt Cherson in der Südukraine gegeben. Selenskyj forderte die westlichen Partnerstaaten abermals zur Lieferung von Flugabwehrraketen für das Patriot-System auf. 

Rubio: USA bereit zu konstruktiver Rolle für Frieden in der UkraineUS-Außenminister Marco Rubio hat gegenüber Russland die Bereitschaft der Vereinigten Staaten bekräftigt, bei der Suche nach einer Friedenslösung im Ukraine-Krieg ⁠zu helfen. „Wir sind bereit, eine konstruktive Rolle bei der Beendigung eines sinnlosen Krieges zu spielen“, sagt Rubio nach einem Treffen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow am Rande der Konferenz der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean in der philippinischen Hauptstadt Manila. Für ein Friedensabkommen sei aber noch ‌viel Arbeit nötig. Es müssten neue Vorschläge und Ideen für eine akzeptable Vereinbarung gefunden werden. Sein Gespräch mit Lawrow bezeichnete Rubio als „gut und offen“. Zu Einzelheiten wollte er sich nicht äußern. Lawrow warnte Rubio in dem Gespräch russischen Angaben zufolge vor weiteren Waffenlieferungen an die Ukraine. Solche seien „inakzeptabel“. Lawrow prangerte demnach zudem „eine destabilisierende Politik der europäischen Länder“ an. Diese versuchten, Russland eine „strategische Niederlage“ zuzufügen. Die russische Seite sei zu einer „politisch-diplomatischen Lösung des Konflikts bereit“, sagte Lawrow demnach.

Zwei Tote bei ukrainischen Drohnenangriffen auf Krim und Woronesch Bei ukrainischen Angriffen auf die von Russland annektierte ‌Halbinsel Krim und die südwestrussische Stadt Woronesch sind ‌in der Nacht nach Angaben der Behörden zwei Menschen getötet worden. In Woronesch, rund 500 Kilometer südlich von Moskau, starb ein dreijähriger Junge bei einem Brand. Dieser war durch herabstürzende Trümmer einer abgeschossenen Drohne ausgelöst worden, wie Regionalgouverneur Alexander Gussew mitteilt. Auf der Krim kam ⁠nach Angaben des Gouverneurs Sergej Aksjonow ein Mensch ums Leben. Vier weitere Menschen seien verletzt worden, darunter zwei Kinder. Auch aus anderen Regionen wurden Angriffe gemeldet. Dem Verteidigungsministerium in Moskau zufolge schoss die Luftabwehr in der Nacht ⁠insgesamt 223 ukrainische ‌Drohnen ab. 

EU-Staaten einigen sich auf stark verwässertes Sanktionspaket gegen RusslandNach langem Ringen haben sich die EU-Staaten am Donnerstagmorgen auf ein stark verwässertes 21. Sanktionspaket gegen Russland verständigt. Die Einigung der EU-Botschafter in Brüssel wurde erst nach einem erheblichen Zugeständnis an Griechenland möglich. So bestätigte ein EU-Diplomat, dass trotz eines zuvor beschlossenen Verbots von Flüssiggas-Importen in die EU und Lieferungen an Drittstaaten davon nun Verträge ausgenommen würden, die vor dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine geschlossen worden seien. Diese Regelung soll jährlich von den Mitgliedstaaten überprüft werden; sie kann nur einstimmig beendet werden. Die Verhandlungen über das Paket seien schwierig gewesen, sagte ein Diplomat, doch habe man „die Einheit der EU wahren“ können. Man erhalte so den Druck auf Russland aufrecht. Das neue Paket sei trotz erheblicher Ausnahmen, die im Zuge der Verhandlungen gemacht wurden, immer noch „substanziell“ und stelle „einen weiteren wichtigen Schritt zur Einschränkung der russischen Kriegswirtschaft dar“. So soll der Preisdeckel für russisches Rohöl nun zwölf Monate lang auf dem aktuellen Niveau eingefroren werden; damit wird ein Mechanismus zur Anpassung außer Kraft gesetzt, der zu einer Erhöhung des Deckels geführt hätte. Griechenland hatte zunächst darauf bestanden, die Anpassung lediglich für drei Monate auszusetzen. 

Rubio und Lawrow beginnen Gespräche in ManilaDer amerikanische Außenminister Marco Rubio hat sich am Donnerstag in der philippinischen Hauptstadt Manila mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow zu Gesprächen getroffen. Bei der Begegnung am Rande des Außenministertreffens der Asean-Staaten dürften sich die beiden in erster Linie über den Krieg in der Ukraine sowie in Iran austauschen.Mit dem Treffen in Manila verbindet sich die Hoffnung, dass die Gespräche der Ukraine und Russlands unter Vermittlung der USA über eine Beendigung des Kriegs wieder aufgenommen werden könnten. Diese hatten zuletzt im Februar stattgefunden. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine ist auf der Prioritätenliste der amerikanischen Regierung weiter nach unten gerutscht, weil Washington sich auf den Krieg gegen Iran konzentriert. Beobachter sehen auch wenig Chancen, dass die Gespräche in Manila diesbezüglich Fortschritte erzielen könnten. Vor dem Treffen hatte Rubio bereits eingeräumt, dass der Krieg in der Ukraine „etwas in den Hintergrund getreten ist“. Ihm zufolge hätten sich „vielleicht neue Rahmenbedingungen gegeben, die ein solches Gespräch ermöglichen“, sagte er mit Bezug auf die amerikanischen Vermittlungsbemühungen. Die USA seien weiterhin offen und bereit, eine konstruktive Rolle bei der Beendigung dieses Kriegs zu spielen. Seinen Ausführungen zufolge wollte Rubio im Gespräch auch Felder ausloten, auf denen die USA und Russland trotz vorhandener Meinungsverschiedenheiten miteinander kooperieren könnten. Lawrow hatte am Dienstag in einer Pressekonferenz erklärt, er wolle Rubio nach seinen Äußerungen bezüglich des Gipfels zwischen US-Präsident Donald Trump und dem russischen Staatschef Wladimir Putin im August in Alaska fragen. Russland drängt darauf, die dabei erreichten „Vereinbarungen“ umzusetzen. Rubio hatte erklärt, dass es bei dem Gipfel in der Stadt Anchorage zu keiner endgültigen Einigung gekommen sei. Lawrow wollte seinen Gesprächspartner außerdem nach einer beim NATO-Gipfel in Ankara geäußerten Einschätzung Trumps fragen, dass im Ukrainekrieg „eine baldige Lösung“ möglich sei.

Angegriffene Schiffe: Kiew beantragt Sitzung im UN-SicherheitsratDie Ukraine hat dem geschäftsführenden Außenminister Andrij Sybiha zufolge wegen russischer Angriffe auf Schiffe im Schwarzen Meer eine Dringlichkeitssitzung im UN-Sicherheitsrat beantragt. Sybiha warf Russland in einem Post auf der Plattform X vor, mindestens drei zivile Frachtschiffe in den vergangenen Tagen bombardiert zu haben. Er sprach von Dutzenden Toten und Verletzten in der Folge und warf Moskau vor, die globale Lebensmittelsicherheit zu gefährden. Beantragt sei die Sitzung für den 27. Juli.So wie Iran in der Straße Wege zum Energietransport ins Visier nehme, ziele Russland im Schwarzen Meer auf globale Lebensmittelmärkte, schrieb Sybiha. Kein Schiff habe am Mittwoch den ukrainischen Seekorridor im Schwarzen Meer passiert, gab er an.Zuvor hatte das Infrastrukturministerium noch mitgeteilt, dass der ukrainische Seekorridor funktionsfähig bleibe und den Export ukrainischer Produkte und die Erfüllung internationaler Verträge gewährleiste. Der Seehafen Tschornomorsk und die anderen Häfen im Großraum Odessa würden weiterhin arbeiten, hieß es. Nur das Unternehmen Maersk habe seine Tätigkeiten an einem Terminal von Tschornomorsk vorübergehend eingestellt.