FAZ 21.07.2026
08:04 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Nordkorea und Russland bauen ihre Zusammenarbeit aus


Putin empfängt Nordkoreas Außenministerin in Moskau +++ IWF gibt 690 Millionen Dollar für die Ukraine frei +++ Indien verurteilt russischen Angriff mit indischen Todesopfern +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Nordkorea und Russland bauen ihre Zusammenarbeit aus

UN: Zahl getöteter Zivilisten im Ukrainekrieg stark gestiegen Die Zahl der getöteten Zivilisten im Ukrainekrieg ist nach Angaben der Vereinten Nationen stark gestiegen. In der ersten Jahreshälfte habe die UN-Menschenrechtsmission in der Ukraine (HRMMU) „1396 zivile Todesopfer und 7978 verletzte Zivilisten dokumentiert“, sagte deren Leiterin Danielle Bell am Dienstag in Genf. Dies entspreche einem Anstieg von 37 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das UN-Menschenrechtsbüro verurteilte mehrere Angriffe der vergangenen Tage, bei denen in der Ukraine und in Russland mehrere Zivilisten getötet wurden. „Zivilisten und zivile Infrastruktur stehen unter dem Schutz des humanitären Völkerrechts“, sagte der Sprecher des UN-Menschenrechtsbüros, Thameen Al-Kheetan. „Jeder vorsätzliche Angriff dieser Art ist ein Kriegsverbrechen.“ Allein am Montag waren bei gegenseitigen Angriffen der Ukraine und Russlands mindestens 14 Menschen getötet worden. Aus der russischen Region Belgorod meldeten die Behörden sechs Todesopfer, in der Ukraine wurden laut Behörden mindestens acht Menschen durch mehrere russische Angriffe in verschiedenen Regionen getötet. 

Russischer Geheimdienst tötet Mann bei FestnahmeDer russische Inlandsgeheimdienst FSB hat nach eigenen Angaben einen mutmaßlichen Terroranschlag verhindert und den Verdächtigten getötet. Die Behörde warf dem 1966 geborenen Mann einer Mitteilung zufolge vor, einen Sabotage- und Terrorakt im Auftrag des ukrainischen Militärgeheimdienstes HUR vorbereitet zu haben. Unabhängig lassen sich die Angaben nicht überprüfen. Der demnach in der damaligen Sowjetrepublik Ukraine geborene Mann soll Kontakt zum HUR aufgenommen und in dessen Auftrag eine Bahnstrecke einer großen regionalen Energieanlage im Föderationskreis Ural ausgekundschaftet haben, um einen Sprengsatz anzubringen. Den selbst gebauten Sprengsatz soll er in einem Gebäude in Tjumen versteckt haben. Bei seiner Festnahme habe der Mann mit einem Sturmgewehr auf Mitarbeiter des FSB geschossen und sei daraufhin erschossen worden, hieß es in der Mitteilung. Seit Beginn der russischen Vollinvasion in die Ukraine 2022 hat es in Russland zahlreiche Fälle von Sabotage an Bahnstrecken und anderen Objekten sowie Attentate auf Militärangehörige und Kriegsbefürworter gegeben. Russische Ermittler machen oft Kiews Geheimdienste dafür verantwortlich. Der FSB meldet regelmäßig die Verhinderung angeblicher Sabotageakte oder Terroranschläge, immer wieder werden dabei von der Behörde Verdächtigte getötet. 

Indien bestellt russischen Diplomaten ein Nach dem Tod von vier indischen Seeleuten bei einem Raketenangriff im ⁠Schwarzen Meer hat das Außenministerium in Neu-Delhi einen ranghohen russischen Diplomaten einbestellt. Der russische Geschäftsträger Wladimir Ladanow sei aufgefordert worden, Indiens „ernste Besorgnis“ nach Moskau zu übermitteln, teilte das Ministerium mit. Angriffe auf die zivile Schifffahrt und ‌der Tod von Zivilisten seien „inakzeptabel“. Solche Angriffe gefährdeten die Sicherheit und Stabilität des internationalen Seehandels.Ukrainischen Angaben zufolge hatte Russland den unter der Flagge Guinea-Bissaus fahrenden Frachter „Golden Leo“ am Sonntag beim Verlassen eines ‌ukrainischen Hafens mit drei Marschflugkörpern beschossen. ‌Dabei seien zehn Menschen getötet worden, darunter die vier Inder. Das Schiff gehört laut Daten des Anbieters LSEG dem im indischen Mumbai ansässigen Unternehmen Ocean Grace Shipping. Indische Seeleute kommen auch durch ⁠Beschuss im Irankrieg ums Leben. 

Russland greift ukrainische Gasanlagen in Charkiw anRussland hat den dritten Tag in Folge Gasförderanlagen des ukrainischen Energiekonzerns Naftogaz in der nordöstlichen Region ‌Charkiw attackiert. Dies teilte das staatliche Unternehmen über den Kurznachrichtendienst Telegram mit. Ein Angriff auf eine der Anlagen am ‌Sonntag habe ‌zu einem Teilausfall der Produktion geführt. Eine weitere Anlage sei bei einem Angriff am Montagmorgen beschädigt worden. 

IWF gibt weitere 690 Millionen Dollar für die Ukraine freiDer Internationale Währungsfonds (IWF) macht ‌den Weg frei für die sofortige Auszahlung von rund 690 Millionen Dollar an die Ukraine. ‌Der ‌IWF-Vorstand habe eine Überprüfung des Finanzierungsprogramms für das Land abgeschlossen, teilt der Fonds mit. Die ​Ukraine habe trotz ⁠des Krieges ihre Finanzstabilität aufrechterhalten können. Die wirtschaftlichen Aussichten hätten sich ​jedoch eingetrübt. Gründe dafür seien vor allem ⁠die verstärkten russischen ‌Angriffe auf die kritische Infrastruktur sowie indirekte Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten. ⁠Zudem habe ⁠sich die Umsetzung von Reformen verlangsamt. Die ⁠Ukraine ​wird ⁠mit einem Kreditprogramm in ​Höhe von 8,1 Milliarden Dollar ‌unterstützt. Mit der jüngsten Freigabe steigen die bisherigen ​Auszahlungen auf etwa ​2,2 Milliarden Dollar. 

Indien verurteilt russischen Angriff mit indischen TodesopfernBei einem Angriff auf ein aus ​dem südukrainischen Hafen Odessa auslaufendes Schiff sind nach Angaben der Regierung in Delhi vier Inder getötet worden. Ein weiterer liege im Krankenhaus und sei in kritischem Zustand, teilt das Außenministerium ⁠mit. Russland hat der ukrainischen Marine zufolge am Sonntag die „Golden Leo“ – ein unter der Flagge von Guinea-Bissau fahrendes Schiff mit einer Besatzung aus Indien und Syrien – mit drei Marschflugkörpern angegriffen. „Indien verurteilt solche Angriffe und bekräftigt, dass das Angreifen von Handelsschiffen und das Gefährden unschuldiger ziviler Besatzungsmitglieder oder das anderweitige Beeinträchtigen der Freiheit der Schifffahrt und des Handels verwerflich ist und vermieden werden sollte“, ‌erklärt das indische Außenministerium. Berichten zufolge befanden sich 17 Personen aus Indien, Syrien und der Ukraine auf dem Frachtschiff. Bei dem russischen Angriff gab es laut ukrainischen Angaben insgesamt zehn Todesopfer.

Tote nach russischem Angriff in OdessaDurch einen russischen Luftangriff auf die ukrainische Hafenstadt Odessa sind nach Behördenangaben mindestens drei Zivilisten getötet worden. Außerdem habe es sechs Verletzte gegeben, teilte Regionalgouverneur Oleh Kiper auf Telegram mit. Seinen Angaben nach galt der Angriff unter anderem einem zivilen Industriebetrieb, in dem ein Brand ausbrach. Bürgermeister Serhij Lissak sprach auch von Schäden an der Infrastruktur der Stadt. Das russische Militär bestätigte Luftangriffe auf die Hafenanlagen von Odessa am Schwarzen Meer.

Russische Behörden: Fünf tote Bus-Insassen nach ukrainischen DrohnenangriffenIn der russischen Grenzregion Belgorod sind nach Behördenangaben bei einem ukrainischen Drohnenangriff mindestens fünf Insassen eines Busses getötet worden. Bei dem Einschlag in der Stadt Schebekino seien zudem mindestens 23 Passagiere verletzt worden, teilte der geschäftsführende Gouverneur Alexander Schuwajew mit. „Vier Frauen und ein Junge sind an ihren Verletzungen gestorben“, sagte er. Der Gouverneur sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Die Region Belgorod ist Aufmarschgebiet für die russischen Truppen und ihren Angriffskrieg gegen die Ukraine. Kiews Truppen verteidigen sich gegen Moskaus Invasion mit Drohnenattacken auf russische Ziele. 

Ukraine attackiert sieben russische SchiffeUkrainische Drohnen haben nach Militärangaben in der Nacht sieben ⁠russische Schiffe im Schwarzen und Asowschen Meer getroffen. Unter den Zielen seien drei Tanker und vier Frachtschiffe gewesen, teilte der Kommandeur der Drohnenstreitkräfte, Robert Browdi, auf Telegram mit. Damit steige die Zahl der ‌im Juli getroffenen Schiffe auf 183. Zudem meldet Browdi Angriffe auf sieben Umspannwerke auf der von Russland besetzten Halbinsel Krim. 

Ukraine: Zahl der Todesopfer auf Frachtschiff gestiegenNach dem russischen ⁠Angriff auf ein Frachtschiff im Schwarzen Meer hat sich die Zahl der Todesopfer nach ukrainischen Angaben verdoppelt. Nach neuen Erkenntnissen wurden zehn Menschen bei der ‌Attacke vor der Stadt Odessa getötet, wie die ukrainische Hafenbehörde mitteilt. Das unter der Flagge von Guinea-Bissau fahrende Schiff war nach ukrainischen Angaben mit einer ‌Ladung Mais aus dem ‌Hafen ausgelaufen, als es am Sonntagabend Ziel eines Angriffs wurde. An Bord der „Golden Leo“ befanden sich demnach 17 Seeleute aus Indien und Syrien sowie ein Ukrainer. Acht Crew-Mitglieder konnten demnach gerettet ​werden. Russland teilt unterdessen laut der Nachrichtenagentur ⁠Interfax mit, bei Angriffen in der Nacht Treibstofflager im Hafen von Odessa getroffen zu haben. 

Ukraine greift Moskau mit 400 Drohnen anDie Ukraine hat ‌nach russischen Angaben Moskau und die umliegende Region in der Nacht mit 400 Drohnen angegriffen. Dabei seien zwei ‌Menschen verletzt ‌und Gebäude in Brand gesetzt worden, teilen russische Behörden mit. Der Bürgermeister der Hauptstadt, Sergej Sobjanin, ​erklärt, die meisten der ⁠feindlichen Drohnen seien bereits aus großer Entfernung unschädlich gemacht worden. ​85 Drohnen seien beim Anflug auf Moskau zerstört ⁠worden. Dem Gouverneur ‌der Region Moskau, Andrej Worobjow, zufolge konzentrierten sich die Schäden auf die Bezirke Podolsk, ⁠Domodedowo und Odinzowo. ⁠Dort seien zivile Infrastruktureinrichtungen beschädigt worden und ⁠in ​Brand geraten. ⁠Das russische Verteidigungsministerium teilt ​mit, die Luftabwehr habe in der ‌Nacht insgesamt 381 ukrainische Drohnen über russischen Regionen ​sowie dem Schwarzen ​und dem Asowschen Meer abgeschossen. 

Russischer Oppositionspolitiker zieht sich aus Wahlkampf zurück Der russische Oppositionspolitiker und Kriegsgegner Boris Nadeschdin verzichtet auf eine Kandidatur bei den Parlamentswahlen im September. „Meine Möglichkeiten, in Russland auf legalem Wege Oppositionspolitik zu betreiben, sind ausgeschöpft“, schrieb der kürzlich zu einer Geldstrafe verurteilte Nadeschdin am Sonntag im Onlinedienst Telegram. Er sei „zum Schweigen gebracht“ und „aus der Politik gedrängt“ worden. „Ich bin nicht bereit, all jene in Gefahr zu bringen, die mich unterstützen und an meinem Wahlkampf teilgenommen haben“, schrieb der 63-Jährige weiter. „Wir werden nicht bei der Wahlkommission die aberhunderten Unterschriften überreichen, die wir gesammelt haben“.Nadeschdin ist einer der wenigen Politiker in Russland, die es wagen, Präsident Wladimir Putin und die russische Offensive gegen die Ukraine offen zu kritisieren. Er war am Freitag wegen eines weiterverbreiteten Videos mit einem Bild des verstorbenen Kreml-Gegners Alexej Nawalny zu einer Geldstrafe verurteilt worden, der Vorwurf lautete Zurschaustellung „extremistischer Symbole“. Nawalny und seine Organisationen gelten in Russland als „extremistisch“.Der frühere Abgeordnete Nadeschdin wollte bei der Parlamentswahl im September in seinem Heimatwahlkreis Mytischtschi antreten. Er wurde aber kürzlich als „ausländischer Agent“ eingestuft und dann am vergangenen Montag kurzzeitig inhaftiert. Am Freitag folgte dann die Verurteilung zu einer Geldstrafe. Am Sonntag schrieb Nadeschdin, die Einstufung als „ausländischer Agent“ und die Verurteilung würden eine Wahl in die Duma unmöglich machen.

Sechs Tote bei russischem Raketenangriff auf türkisches SchiffBei einem russischen Raketenangriff auf ein türkisches Frachtschiff im Schwarzen Meer nahe Odessa sind nach ukrainischen Angaben mindestens sechs Menschen getötet worden. Die ukrainische Marine erklärte am Sonntag, Russland habe die „Golden Leo“ mit drei Marschflugkörpern beschossen, als der mit Getreide beladene Frachter dabei gewesen sei, „das Kampfgebiet“ zu verlassen.Der ukrainische Infrastruktur- und Verkehrsminister Mykola Kalaschny erklärte im Onlinedienst Telegram, sechs Seeleute seien tot, vier weitere würden noch vermisst. Acht Besatzungsmitglieder seien gerettet worden, zwei von ihnen seien verletzt.Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte, unter den Toten sei ein ukrainischer Lotse. Die Besatzung des unter der Flagge von Guinea-Bissau fahrenden Frachters komme unter anderem aus Syrien und Indien. Der neue ukrainische Regierungschef Serhij Korezky erklärte, der Frachter sei nahe Odessa nach dem Auslaufen aus dem Hafen getroffen worden.„Das ist ein weiterer gezielter Angriff Russlands gegen ein unbewaffnetes ziviles Schiff unter fremder Flagge, das keinerlei militärische Bedrohung darstellte“, erklärte die ukrainische Marine. Es handle sich um einen „Terrorakt“ gegen die friedliche Schifffahrt und eine schwere Verletzung des humanitären Völkerrechts. Russland greift immer wieder ukrainische Hafen-Infrastruktur an. Betroffen ist insbesondere die Region um Odessa.Außenminister Sybiha erklärte, während die Welt noch auf „Russlands brutalen nächtlichen Angriff auf Kiew“ reagiere, setze Russland seine „Terrorkampagne“ tagsüber fort. Russland hatte die ukrainische Hauptstadt in der Nacht mit zwei Dutzend ballistischen Raketen attackiert. Dabei wurde mindestens ein Mensch getötet, 16 weitere wurden verletzt.

Die Ukraine trifft Russland inzwischen immer mehr im Hinterland und Abseits der Front. Nun haben ukrainische Drohnen im Süden Russlands ein Lager des russischen Onlinemarktplatzes „Wildberries“ angegriffen. F.A.Z.-Korrespondent Friedrich Schmidt berichtet über den Angriff.