FAZ 18.08.2026
05:30 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Moskau droht London nach Bericht über Drohneneinsatz


Kreml warnt Großbritannien vor „Konsequenzen“ nach Bericht über Einsatz britischer Drohnen in Russland +++ Kallas will EU weitreichendste Sanktionsliste seit Kriegsbeginn vorlegen +++ Selenskyj kündigt Personalumbau an alle +++ Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Moskau droht London nach Bericht über Drohneneinsatz

Selenskyj: Russischer Angriff auf Siedlung im Gebiet CharkiwDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich zu einem russischen Angriff auf eine Siedlung im Osten des Gebiets Charkiw geäußert. Die Russen hätten eine belebte Kreuzung mit Postfiliale und Geschäften angegriffen, „umgeben ausschließlich von zivilen Gebäuden“, schrieb Selenskyj. Zehn Menschen seien durch den Angriff bisher ums Leben gekommen, man werde die genauen Umstände ermitteln. 

Ukraine meldet zehn Tote bei russischem Raketenangriff im Gebiet Charkiw Bei einem russischen Raketenangriff auf ein Dorf in der nordostukrainischen Region Charkiw sind örtlichen Behörden zufolge zehn Menschen getötet worden. Acht weitere Personen ‌wurden verletzt, wie der Gouverneur der Region, Oleh Synjehubow, auf dem Kurzmitteilungsdienst Telegram mitteilt. Bei dem Angriff auf die Ortschaft Petschenihy ‌seien zudem zehn Wohnhäuser, ‌ein Café, eine Postfiliale, ein Geschäft und mindestens sieben Autos beschädigt worden. Insgesamt griff Russland nach ukrainischen Angaben in der Nacht mir 147 Drohnen an. 111 davon konnten laut Luftwaffe abgewehrt werden.Zuvor waren die russische Millionenmetropole Moskau und die umliegende Hauptstadtregion in der Nacht Ziel einer Angriffswelle mit ukrainischen Drohnen geworden. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tass handelte es sich um die heftigste derartige Attacke seit zwei Jahren. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin teilte demnach mit, von Montagabend bis Dienstagmorgen seien 620 Drohnen in Richtung der Hauptstadtregion geflogen. Die meisten habe die Luftabwehr schon im Anflug abgewehrt, weitere 180 Drohnen seien dann im Raum Moskau vom Himmel geholt worden. 

Bericht: Griechischer Tanker mit russischem Öl angegriffenEin unter griechischer Flagge fahrender Öltanker ist nach Angaben der Agentur Bloomberg im Schwarzen Meer angegriffen worden. Zuvor hatte der Tanker Skiros demnach an einem Terminal des Caspian Pipeline Consortium (CPC) im russischen Noworossijsk Öl geladen. Die CPC verlädt zwar hauptsächlich kasachisches Öl, dieses Mal war es laut Bloomberg jedoch russischen Ursprungs. Der Angriff ereignete sich demnach am Sonntag in der Nähe des Terminals.  

Tote und Verletzte bei russischen AngriffenBei russischen Angriffen sind am Abend in der Ukraine mehrere Menschen getötet und verletzt worden. In Saporischschja starben ein Mann und eine Frau bei einem Drohnenangriff auf eine Kleingartenanlage, wie der regionale Militärverwalter Iwan Fedorow auf Telegram mitteilte. Bei weiteren Drohneneinschlägen sei in einer Gemeinde von Saporischschja der Strom ausgefallen.Aus der südukrainischen Hafenstadt Odessa meldeten die Behörden mindestens neun Verletzte durch russische Angriffe. „Der Feind setzt den Terror gegen die Zivilbevölkerung in der Region Odessa fort“, schrieb der regionale Militärverwalter Oleh Kiper auf Telegram. Nach Angaben der Agentur Ukrinform wurden bei den russischen Drohnenangriffen ein Restaurant und mehrere Privathäuser getroffen.

Selenskyj kündigt Personalumbau an – und nennt keine DetailsDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat mit der Militärspitze seines Landes die aktuelle Kriegslage erörtert und eine Reihe von Entscheidungen in die Wege geleitet. In erster Linie seien Personalentscheidungen getroffen worden, berichtete Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. „Es ist sehr wichtig, dass erfahrene Kommandeure mehr Handlungsspielraum erhalten“, sagte er. Er habe bei der Sitzung einen Teil der Personalentscheidungen gebilligt, die ihm Oberbefehlshaber Mychajlo Drapatyj vorgelegt habe. Namen nannte Selenskyj nicht.Selenskyj und die Militärs erörterten zudem die Auswirkungen der ukrainischen Drohnenangriffe tief auf russischem Staatsgebiet. „Wir setzen unsere Fernoperationen fort“, sagte er zu den Einsätzen. „Die Prioritäten für die Präzisionsschläge bis September stehen bereits fest.“ Das ukrainische Militär greift verstärkt die russische Rüstungs- und Erdölindustrie an. Ziel ist es, die Angriffskraft der russischen Streitkräfte zu schwächen.In diesem Zusammenhang beklagte Selenskyj, dass Russland weiterhin wichtige Komponenten für seine Waffen aus dem westlichen Ausland erhalte. „Sogar aus Ländern, die zur G7 gehören und sicherlich kein Interesse daran haben, dass (Kremlchef Wladimir) Putin den Krieg in die Länge zieht und das Ausmaß der Angriffe verstärkt“, kritisierte er. 

Weitere Drohne dringt in Moldaus Luftraum einEine vermutlich russische Drohne ist in den Luftraum von Moldau eingedrungen und auf einem Acker explodiert. Das unbekannte Fluggerät sei im Gebiet Stefan Voda im äußersten Südosten des Landes zerschellt und habe einen kleinen Brand ausgelöst, teilte die moldauische Polizei auf Telegram mit. Personen seien nicht zu Schaden gekommen. Experten untersuchten den Absturzort. Nach Darstellung ukrainischer Medien war eine russische Drohne vom Typ „Banderol“ beim Anflug auf den Hafen von Odessa vom Kurs abgekommen und über die Grenze nach Moldau geflogen.Erst am Vortag war eine Drohne über Rumänien von einem spanischen Kampfflugzeug im Rahmen der NATO-Luftraumüberwachung abgeschossen worden. Die Drohne war aus dem moldauischen Luftraum kommend über Rumänien bemerkt und dann zerstört worden, wie das Verteidigungsministerium über die Plattform X mitteilte. Die Trümmer seien vermutlich im Bezirk Galati über unbewohntem Gelände abgestürzt. Das Ministerium machte keine Angaben zur Herkunft der Drohne. 

Russischer Oppositioneller zu elf Jahren Lager verurteiltEin Gericht in Pskow in Westen Russlands hat den Oppositionspolitiker Lew Schlossberg zu elf Jahren und einem Monat Straflager verurteilt. Schlossberg ist stellvertretender Vorsitzender der liberalen Partei Jabloko, deren Ausschluss von der Parlamentswahl im September das Oberste Gericht in Moskau am Montag bestätigt hatte. Ihm wurden von der Staatsanwaltschaft „Diskreditierung“ der Armee und die Verbreitung von „Fakes“ über die Streitkräfte vorgeworfen. Angeklagt war er wegen einer in sozialen Medien veröffentlichten Aufzeichnung einer Diskussion, in der er einen Waffenstillstand in der Ukraine gefordert hatte sowie wegen des Teilens eines Titelblatts der britischen Zeitung „Daily Mirror“ von Februar 2022, in dem zu Bildern einer blutüberströmten Ukrainerin und des russischen Präsidenten Wladimir Putin die Worte standen: „Ihr Blut, seine Hände.“ Schlossberg befand sich seit Dezember in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft hatte zwölf Jahre und einen Monat Haft gefordert. Sie begründete das hohe Strafmaß mit einer Verurteilung Schlossbergs im November 2025 zu 420 Stunden gemeinnütziger Arbeit, weil er die Auflagen für einen „ausländischen Agenten“ nicht erfüllt hatte.Ein weiterer stellvertretender Vorsitzender von Jabloko, der Moskauer Maxim Kruglow, war bereits Ende Juni nach den gleichen Paragraphen zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Was steckt hinter der Partei, den Personen und den Gerichtsentscheidungen? Lesen Sie mehr hier. 

Wieder Benzinmangel in Russland In ⁠einigen russischen Regionen ist es offiziellen Angaben und Medienberichten zufolge im August abermals zu Engpässen bei der Treibstoffversorgung gekommen. Daraufhin verschärften die Behörden in mindestens zehn Gebieten wieder die Kontrollen für den Verkauf an Tankstellen, wie unter ‌anderem Regionalmedien melden. Benzin war am Montag an einigen Tankstellen im Raum Moskau nicht erhältlich, während Diesel fast überall verfügbar war, berichten Augenzeugen. Die Versorgungskrise hatte im Mai begonnen und sich bis Juli auf fast alle Teile ‌des Landes ausgeweitet. Auslöser waren ‌der Ausfall mehrerer Raffinerien nach Drohnenangriffen sowie ein saisonal bedingter Anstieg der Nachfrage. Um den heimischen Markt zu stützen, verhängte die Regierung ein Exportverbot für Benzin und Diesel, senkte die Qualitätsanforderungen und begann mit dem Import von Erdölprodukten. Ende Juli hatte sich ​die Lage zunächst stabilisiert, woraufhin einige Regionen ihre Beschränkungen aufhoben ⁠oder lockerten. Eine neue Welle von Drohnenangriffen auf Ölraffinerien Ende Juli und Anfang August führte zu neuen Engpässen und Verkaufsauflagen. 

Russland greift Mine in der Ukraine anRussland hat eine Mine des privaten Energieunternehmens DTEK im Gebiet Dnipropetrowsk massiv mit Drohnen angegriffen. Dabei kam ein Mitarbeiter ums Leben, wie das Unternehmen auf Telegram mitteilte; ein weiterer Mitarbeiter wurde verletzt. Durch den Angriff sei die Mine erheblich beschädigt worden, betonte DTEK.In der Nacht zum Montag griff Russland nach Angaben der Luftstreitkräfte die Ukraine mit 128 Angriffsdrohnen an. 106 Drohnen konnten demnach abgeschossen oder anderweitig abgelenkt werden. An 14 Orten wurden Treffer verzeichnet. 

Über Lettland abgeschossene Drohne aus Belarus eingeflogenAm Freitag haben italienische Kampfflugzeuge eine Drohne über lettischem Luftraum abgeschossen. Diese ist nach Regierungsangaben aus dem benachbarten Belarus in den Luftraum des baltischen Landes eingeflogen. Die Herkunft des unbemannten Flugobjekts sei gegenwärtig aber weiter unklar, sagte Verteidigungsminister Raivis Melnis am Montag im lettischen Fernsehen.Eurofighter hatten die Drohne am Freitag im Nordosten Lettlands in der Region Balvi rund 20 Kilometer von der gleichnamigen Stadt entfernt vom Himmel geholt. Das lettische Militär hatte den Absturzort durchkämmt und gefährliche Trümmerteile kontrolliert gesprengt. Andere Teile der Drohne werden noch von Experten untersucht, sagte Melnis. Zur Herkunft des Flugkörpers gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse. Nach Militärangaben handelt es sich um eine ausländische Drohne, die infolge von Russlands elektronischer Kampfführung in den lettischen Luftraum geraten sei. Damit lag der Schluss nahe, dass es sich um eine abgewehrte ukrainische Drohne gehandelt haben könnte. 

Bundesregierung zu Russlands Drohungen: Wir lassen uns nicht einschüchternDie Bundesregierung hat Drohungen aus Russland gegen Unterstützer der Ukraine zurückgewiesen. „Die Drohungen und Äußerungen gegenüber EU- oder NATO-Partnern sind nichts Neues“, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts am Montag in Berlin. „Die nehmen wir zur Kenntnis, von denen lassen wir uns nicht einschüchtern – und wir lassen uns auch in unserer Unterstützung für die Ukraine nicht einschüchtern.“Die Sprecherin bezog sich auf eine Äußerung des russischen Außenministers Sergej Lawrow vom Freitag. Dieser hatte gesagt: „Wir werden unsere Methoden stark verschärfen, um all das zu zerstören, was Kiews Kriegsmaschine aus dem Westen speist. Und wir tun dies bereits.“ 

Russischer Angriff: Vier Seeleute auf zivilem Schiff verletztBei einem russischen Angriff auf die südukrainische Region Odessa sind nach ukrainischen Angaben vier Besatzungsmitglieder eines zivilen Schiffes verletzt worden. Das Schiff fahre unter der Flagge von Togo, teilte der Militärgouverneur der Region, Oleh Kiper, auf Telegram mit. Drei der Verletzten seien in ein Krankenhaus gebracht worden. Durch den Angriff ausgelöste Brände seien inzwischen gelöscht.Den genauen Ort des Angriffs und den eingesetzten Waffentyp nannte Kiper nicht. Die ukrainische Luftwaffe hatte zuvor vor russischen Drohnen gewarnt.

Zahlreiche Festnahmen in MoskauVor dem Obersten Gericht Russlands in Moskau sind nach Angaben der Oppositionspartei Jabloko mindestens 35 ihrer Unterstützer vorübergehend festgenommen worden. Das Gericht verhandelt seit heute Morgen im Berufungsverfahren über den Ausschluss der liberalen Partei von der Duma-Wahl im September. Am Montag vergangener Woche hatte das Gericht Jabloko auf Antrag einer kremltreuen nationalistischen Kleinpartei von der Wahl ausgeschlossen. Als Gründe wurden Verletzungen von Urheberrechten in Wahlkampfmaterialien der Partei und Spenden von Personen angegeben, die Geld aus dem Ausland erhalten haben sollen. Jabloko weist die Vorwürfe als absurd zurück. Der Parteivorsitzende Nikolaj Rybakow wollte dem Gericht Belege dafür vorlegen, dass alle im russischen Parlament vertretenen Parteien sich der gleichen „Vergehen“ schuldig gemacht hätten.Während der Gerichtsverhandlung vorige Woche hatten sich mehrere Hundert überwiegend junge Unterstützer von Jabloko vor dem Gericht versammelt. Damals gab es nur zwei Festnahmen. Jedoch wurden nach Angaben von Jabloko und russischen Exilmedien mehrere dieser Anhänger von Jabloko in den vergangenen Tagen von den Sicherheitskräften formell vor der Teilnahme an nicht erlaubten Kundgebungen gewarnt. 

Sechs Tote bei ukrainischem Raketenangriff in BelgorodBei einem ⁠ukrainischen Raketenangriff auf die russische Grenzregion Belgorod ​sind örtlichen Angaben ⁠zufolge sechs Menschen getötet ‌worden. Vier weitere Personen wurden verletzt, ⁠wie der kommissarische ⁠Gouverneur Alexander Schuwajew auf ⁠dem ​Kurznachrichtendienst ⁠Telegram mitteilt. ​Unter den Verletzten befinde ‌sich auch ein 14-jähriges ​Kind.