FAZ 14.08.2026
05:04 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Luftalarm in Lettland: Kampfjets schießen Drohne ab


Finnland richtet eine vorübergehende Sperrzone ein +++ Polen: Russe hat Mordanschlag für einen ausländischen Geheimdienst geplant +++ Besuch auf umstrittener Insel: Putin provoziert Japan +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Luftalarm in Lettland: Kampfjets schießen Drohne ab

Schwerer russischer Bombenangriff auf KramatorskDurch einen russischen Bombenangriff auf die frontnahe Stadt Kramatorsk in der Ostukraine sind nach Behördenangaben mindestens 15 Menschen verletzt worden. Es gebe bislang einen Toten, teilte der Militärverwalter des Gebietes Donezk, Wadym Filaschkin, auf Telegram mit.  Seinen Angaben zufolge wurde die Stadt achtmal aus der Luft angegriffen, mutmaßlich mit Gleitbomben. In einem großen Wohnblock sei ein Brand ausgebrochen. Filaschkin riet den Einwohnern von Kramatorsk, in weniger gefährdete Gebiete der Ukraine umzusiedeln. 

Kiew soll Moskau Waffenruhe im Schwarzen Meer angeboten habenDie Nachrichtenagentur Reuters berichtet, die Ukraine habe Russland angeboten, auf Angriffe auf zivile Ziele im Schwarzen Meer zu verzichten, sofern Russland dies ebenfalls tue. Beide Seiten beschießen dort seit Wochen sowohl Häfen als auch Frachtschiffe. Aus Sorge vor Angriffen liefen zuletzt kaum noch Schiffe in die Häfen von Odessa ein. Dies erschwert den Warenexport, insbesondere die Landwirtschaft und die Stahlindustrie sind davon betroffen. 

 Schiff der russischen Schattenflotte wird geborgenDie Sicherheitsfirma Ambrey ist eigenen Angaben zufolge mit der Bergung des vor der Küste des Oman auf Grund gelaufenen Tankers beauftragt worden. „Bergungsschiffe zur Unterstützung des Einsatzes sind unterwegs und werden in Kürze vor Ort eintreffen“, teilte das Unternehmen mit. Ambrey arbeite bei der Aktion „eng mit allen relevanten Akteuren zusammen“. Der Tanker „Caroline Bezengi“, der Russlands sogenannter Schattenflotte zugerechnet wird und unter EU-Sanktionen steht, hatte vor der Küste des Oman Öl verloren. Der ausgelaufene Rohstoff treibt nordöstlich an der omanischen Insel al-Kiblidscha und ist teilweise bereits am Festland angekommen, wie die Weltschifffahrtsorganisation IMO am Mittwoch mitteilte. Nach IMO-Angaben war der Tanker mit insgesamt 130.000 Tonnen Öl beladen, das bereits seit einiger Zeit ausläuft. 

Polen: Haben Mordanschlag auf US-Bürger verhindertPolens Geheimdienst hat nach Regierungsangaben einen Russen gefasst, der einen Mordanschlag auf einen Mann mit ukrainischer und US-Staatsbürgerschaft geplant haben soll. Das potentielle Mordopfer sei unbequem für das System von Russlands Präsident Wladimir Putin gewesen, sagte Regierungschef Donald Tusk in Warschau. „Dank einer blitzschnellen Aktion konnten wir dieser Exekution zuvorkommen.“ Dabei habe man auch mit den US-Geheimdiensten zusammengearbeitet.Die Festnahme sei bereits am 7. August erfolgt, schrieb Geheimdienst-Koordinator Tomasz Simoniak auf X. Der russische Staatsbürger habe „im Auftrag eines ausländischen Geheimdienstes die Ermordung eines US-Bürgers ukrainischer Herkunft vorbereitet“. Zudem teilte Simoniak mit, dass die Tat in Warschau begangen werden sollte. „Dies ist der erste Fall, bei dem jemand aus Russland einen Anschlag auf einen US-Bürger auf dem Gebiet eines NATO-Landes geplant hat“, sagte Regierungschef Tusk.

Estland verlängert nächtliche Grenzschließung zu RusslandEstland beschränkt aus Sicherheitsgründen den Betrieb der Grenzübergänge zu Russland. Die Regierung des baltischen EU- und NATO-Landes entschied in der Hauptstadt Tallinn, den Betrieb an den Kontrollpunkten Narva, Luhamaa und Koidula in den Nachtstunden auf unbeschränkte Zeit auszusetzen. Tagsüber sollen die Grenzübergänge weiterhin zwölf Stunden lang von 7.00 bis 19.00 Uhr geöffnet bleiben. Dieselben Öffnungszeiten werden auch für die Bahngrenzübergänge gelten. Die Regierung verlängerte damit eine seit dem Frühjahr geltende Regelung, die zunächst bis Ende August gelten sollte. Die Entscheidung sei „im weiteren Kontext“ der Beziehungen zwischen Russland und der EU getroffen worden, deren Ton durch Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine vorgegeben werde, hieß es in der Mitteilung des Innenministeriums. „Ziel der Einschränkung war es, die Grenzsicherheit und unsere Reaktionsfähigkeit bei Grenzvorfällen zu erhöhen sowie die Zollkontrollen zu verbessern. An diesen Erfordernissen hat sich nichts geändert“, sagte Innenminister Igor Taro. Durch die nächtliche Schließung der Übergänge könnte Personal effizienter eingesetzt werden. Den Angaben zufolge ist die Zahl der Grenzübertritte zuletzt zurückgegangen. Im ersten Halbjahr 2026 überquerten demnach rund 444.000 Menschen in Narva, Luhamaa und Koidula die Grenze  –  13 Prozent weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum. Auch die Zahl der abgefertigten Fahrzeuge sei um fast 20 Prozent gesunken. Der Innenminister erklärte in der Mitteilung zugleich, warum Estland – anders als etwa Finnland – seine Grenze zu Russland nicht vollständig schließe. Dafür müsse ein klarer Sicherheitsbedarf vorliegen, der durch eine Gefährdungsanalyse bestätigt werde. „Gegenwärtig existiert keine solche Gefährdungsanalyse“, sagte der Minister. 

Kiew erhält 261 Soldatenleichen zurück – Moskau 24Die Ukraine hat nach eigenen Angaben Leichname von Soldaten von Russland erhalten. Die sterblichen Überreste von 261 Gefallenen, bei denen es sich laut der russischen Seite um ukrainische Soldaten handeln könnte, seien Kiew übergeben worden, teilte der Stab für Kriegsgefangenenbelange mit. Russland erhielt nach Angaben aus Moskau im Gegenzug von der Ukraine 24 Leichen zurück.In Kiew gab der Stab bekannt, dass Ermittler und Gerichtsmediziner nun die Toten identifizieren würden. Vermittelt habe den Austausch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, hieß es. Zuletzt hatte es im Juli eine Übergabe von Leichen gegeben. Neben Gefangenenaustauschen und Familienzusammenführungen gehören diese Rückführungen zu den verbliebenen humanitären Kontakten zwischen den Kriegsparteien.

Russischer Offizier auf der Krim getötetIn der auf der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim gelegenen Hafenstadt Sewastopol ist ein russischer Offizier bei einem Anschlag getötet worden. ‌Eine Frau sei wegen des Verdachts festgenommen worden, die Tat im Auftrag des ukrainischen Geheimdienstes verübt zu haben, teilt Gouverneur Michail Raswoschajew mit. Eine ukrainische Stellungnahme liegt noch nicht ‌vor. Bei der Verdächtigen handelt ‌es sich der Nachrichtenagentur Tass zufolge um eine russische Staatsbürgerin. Unabhängig davon kommen in Sewastopol in der Nacht bei der Entschärfung eines Sprengsatzes fünf Menschen ums Leben, wie Raswoschajew weiter ​erklärt. 

Russische Raffinerie nach Drohnenangriff für Monate außer BetriebNach einem ukrainischen Drohnenangriff ‌stellt eine Ölraffinerie in der russischen Stadt Orsk den Betrieb vollständig ein. Die Reparatur der beschädigten importierten Anlagen könne wegen ‌der Sanktionen ‌bis zu sechs Monate dauern, teilt der Gouverneur der Region Orenburg, Jewgeni Solnzew, mit. Er warnt vor Kraftstoffengpässen für Autofahrer. Die ​Ukraine nimmt verstärkt russische Raffinerien ⁠ins Visier, um die Treibstoffversorgung zu stören. Die Anlage in Orsk hat eine Jahreskapazität ​von sechs Millionen Tonnen Rohöl. 

So viele zivile Opfer wie noch nie seit Beginn des russischen KriegsIm Juli sind in der Ukraine laut den Vereinten Nationen mehr Zivilisten verletzt oder getötet worden als in jedem anderen Monat seit Beginn des russischen Angriffskrieges 2022. Der Konflikt verschärfe das Leiden der Bevölkerung immer weiter, erklärte die UN-Beobachtermission für Menschenrechte in Kiew.Den Angaben zufolge wurden im Juli 437 Tote und 2610 Verletzte registriert. Die tatsächliche Zahl der Opfer sei höher, die Mission führe ihre Dokumentation fort. In jedem Monat des laufenden Jahres sei die Opferzahl im Vergleich zum Vormonat gestiegen.In den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 habe die Gewalt in der Ukraine zu 12.477 zivilen Opfern geführt (1.839 Tote und 10.638 Verletzte). Das entspreche einem Anstieg um 44 Prozent im Vergleich zu den ersten sieben Monaten 2025 (1434 Tote und 7216 Verletzte). Im gleichen Zeitraum 2024 seien 1188 Tote und 4560 Verletzte registriert worden.Auch die Zahl der gemeldeten zivilen Opfer in Russland sei im Juli 2026 angestiegen. Nach Angaben der russischen Behörden seien im Juli 79 Zivilisten getötet und 601 weitere verletzt worden. Die UN-Mission habe diese Zahlen nicht unabhängig überprüfen könne. Russland startete im Februar 2022 seine militärische Vollinvasion gegen die Ukraine. 

Russische Drohne trifft PassagierzugNach Angaben der ukrainischen Eisenbahn hat eine russische Drohne im Gebiet Odessa einen Passagierzug getroffen. Durch den Einschlag seien der Lokführer und sein Assistent ums Leben gekommen. Von den 340 Fahrgästen sei hingegen niemand zu Schaden gekommen. Laut dem Chef der ukrainischen Eisenbahn handelte es sich um einen gezielten Angriff. Dabei kam offenbar eine neue Geran-Drohne mit Strahlantrieb zum Einsatz. Diese sind weitaus schneller als frühere Modelle mit Propellerantrieb und deshalb schwerer abzufangen. 

Putin provoziert Japan – mit einem Besuch in einer FischfabrikRusslands Präsident Wladimir Putin hat erstmals die von Japan beanspruchten Kurilen-Inseln besucht. Der Kreml veröffentlichte am Donnerstag ein Video von Putin auf den Kurilen. Russischen Medienberichten zufolge besuchte er dort eine Fischverarbeitungsanlage, wo ihm Kaviar überreicht worden sei.Japan kritisierte Putins Besuch auf den Kurilen scharf. „Die Nördlichen Territorien (...) sind sowohl historisch als auch völkerrechtlich ein fester Bestandteil des japanischen Territoriums und die japanische Regierung protestiert entschieden gegen diesen Besuch“, erklärte Außenminister Toshimitsu Motegi.Die Inselgruppe, die in Russland Kurilen und in Japan Nördliche Territorien genannt wird, liegt vor der Nordostküste Japans. Das sowjetische Militär hatte die vier Inseln in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs erobert, seitdem unterhält das Militär dort eine Präsenz.2010 hatte der damalige russische Präsident Dmitrij Medwedew das umstrittene Gebiet besucht. Medwedew reiste auch später als Ministerpräsident mehrmals dorthin. Die Beziehungen zwischen Japan und Russland haben sich seit Beginn der russischen Offensive in der Ukraine im Februar 2022 weiter verschlechtert. Moskau verbesserte gleichzeitig seine Beziehungen zu Peking und Pjöngjang.

Selenskyj: Ukraine braucht mindestens fünf Prozent der US-Patriot-RaketenDie Ukraine benötigt nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj fünf Prozent der Patriot-Abfangraketen der USA, um angesichts der zunehmenden russischen Angriffe durch den bevorstehenden Winter zu kommen. Um alle von Moskaus Truppen abgefeuerten ballistischen Raketen zu zerstören, seien zehn Prozent der US-Lagerbestände nötig, sagte der Staatschef in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit dem US-Sender CNN.Seinem Land stünden in diesem Jahr „zweieinhalb Mal weniger Abfangraketen zur Verfügung als im Jahr 2025“, sagte Selenskyj. Dagegen habe Russland „monatlich mehr als doppelt so viele ballistische Raketen wie zuvor“.

Moskaus Krieg gegen Kiew – Eskalation statt VerhandlungenIm russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine stehen die Zeichen derzeit auf Eskalation. Verhandlungen sind nicht in Sicht. An der Front gibt es kaum Bewegung. Weder für Moskau noch für Kiew ist der Abnutzungskrieg zu gewinnen. Zugleich haben beide Seiten ihren Luft- und Seekrieg intensiviert – mit empfindlichen Treffern im Hinterland. Zur Lage und zu den Perspektiven im fünften Jahr der russischen Invasion einige Fragen und Antworten:

Stromausfall auf der Krim nach ukrainischem DrohnenangriffDie Hafenstadt Sewastopol auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim ist nach nächtlichen Drohnenangriffen der Ukraine erneut ohne Strom. Die Stadt sei wegen eines massiven ukrainischen Angriffs von der Stromversorgung abgeschnitten, teilte der von Moskau eingesetzte Gouverneur von Sewastopol, Michail Raswoschajew, laut staatlicher Nachrichtenagentur Tass mit. Die Armee wehre einen ukrainischen Angriff ab. Derzeit begutachteten Experten die Schäden.Russland führt seit fast viereinhalb Jahren Krieg in der Ukraine. Kiew wehrt sich gegen die Invasion auch mit Drohnenangriffen gegen strategisch wichtige Anlagen im russischen Hinterland. Das sind Militärobjekte und Einrichtungen der Öl- und Gasindustrie. Ziel dieser Schläge ist es, dem russischen Militär die Treibstoffversorgung zu erschweren und dem Kreml die Kriegsfinanzierung.