FAZ 17.08.2026
04:41 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Kallas will EU weitreichendste Sanktionsliste seit Kriegsbeginn vorlegen


EU-Außenbeauftragte: Druck erhöhen, bis Russland den Krieg beendet +++ Viele Festnahmen von Unterstützern der Oppositionspartei Jabloko in Moskau +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Kallas will EU weitreichendste Sanktionsliste seit Kriegsbeginn vorlegen

Über Lettland abgeschossene Drohne aus Belarus eingeflogenAm Freitag haben italienische Kampfflugzeuge eine Drohne über lettischem Luftraum abgeschossen. Diese ist nach Regierungsangaben aus dem benachbarten Belarus in den Luftraum des baltischen Landes eingeflogen. Die Herkunft des unbemannten Flugobjekts sei gegenwärtig aber weiter unklar, sagte Verteidigungsminister Raivis Melnis am Montag im lettischen Fernsehen.Eurofighter hatten die Drohne am Freitag im Nordosten Lettlands in der Region Balvi rund 20 Kilometer von der gleichnamigen Stadt entfernt vom Himmel geholt. Das lettische Militär hatte den Absturzort durchkämmt und gefährliche Trümmerteile kontrolliert gesprengt. Andere Teile der Drohne werden noch von Experten untersucht, sagte Melnis. Zur Herkunft des Flugkörpers gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse. Nach Militärangaben handelt es sich um eine ausländische Drohne, die infolge von Russlands elektronischer Kampfführung in den lettischen Luftraum geraten sei. Damit lag der Schluss nahe, dass es sich um eine abgewehrte ukrainische Drohne gehandelt haben könnte. 

Bundesregierung zu Russlands Drohungen: Wir lassen uns nicht einschüchternDie Bundesregierung hat Drohungen aus Russland gegen Unterstützer der Ukraine zurückgewiesen. „Die Drohungen und Äußerungen gegenüber EU- oder NATO-Partnern sind nichts Neues“, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts am Montag in Berlin. „Die nehmen wir zur Kenntnis, von denen lassen wir uns nicht einschüchtern – und wir lassen uns auch in unserer Unterstützung für die Ukraine nicht einschüchtern.“Die Sprecherin bezog sich auf eine Äußerung des russischen Außenministers Sergej Lawrow vom Freitag. Dieser hatte gesagt: „Wir werden unsere Methoden stark verschärfen, um all das zu zerstören, was Kiews Kriegsmaschine aus dem Westen speist. Und wir tun dies bereits.“ 

Russischer Angriff: Vier Seeleute auf zivilem Schiff verletztBei einem russischen Angriff auf die südukrainische Region Odessa sind nach ukrainischen Angaben vier Besatzungsmitglieder eines zivilen Schiffes verletzt worden. Das Schiff fahre unter der Flagge von Togo, teilte der Militärgouverneur der Region, Oleh Kiper, auf Telegram mit. Drei der Verletzten seien in ein Krankenhaus gebracht worden. Durch den Angriff ausgelöste Brände seien inzwischen gelöscht.Den genauen Ort des Angriffs und den eingesetzten Waffentyp nannte Kiper nicht. Die ukrainische Luftwaffe hatte zuvor vor russischen Drohnen gewarnt.

Zahlreiche Festnahmen in MoskauVor dem Obersten Gericht Russlands in Moskau sind nach Angaben der Oppositionspartei Jabloko mindestens 35 ihrer Unterstützer vorübergehend festgenommen worden. Das Gericht verhandelt seit heute Morgen im Berufungsverfahren über den Ausschluss der liberalen Partei von der Duma-Wahl im September. Am Montag vergangener Woche hatte das Gericht Jabloko auf Antrag einer kremltreuen nationalistischen Kleinpartei von der Wahl ausgeschlossen. Als Gründe wurden Verletzungen von Urheberrechten in Wahlkampfmaterialien der Partei und Spenden von Personen angegeben, die Geld aus dem Ausland erhalten haben sollen. Jabloko weist die Vorwürfe als absurd zurück. Der Parteivorsitzende Nikolaj Rybakow wollte dem Gericht Belege dafür vorlegen, dass alle im russischen Parlament vertretenen Parteien sich der gleichen „Vergehen“ schuldig gemacht hätten.Während der Gerichtsverhandlung vorige Woche hatten sich mehrere Hundert überwiegend junge Unterstützer von Jabloko vor dem Gericht versammelt. Damals gab es nur zwei Festnahmen. Jedoch wurden nach Angaben von Jabloko und russischen Exilmedien mehrere dieser Anhänger von Jabloko in den vergangenen Tagen von den Sicherheitskräften formell vor der Teilnahme an nicht erlaubten Kundgebungen gewarnt. 

Sechs Tote bei ukrainischem Raketenangriff in BelgorodBei einem ⁠ukrainischen Raketenangriff auf die russische Grenzregion Belgorod ​sind örtlichen Angaben ⁠zufolge sechs Menschen getötet ‌worden. Vier weitere Personen wurden verletzt, ⁠wie der kommissarische ⁠Gouverneur Alexander Schuwajew auf ⁠dem ​Kurznachrichtendienst ⁠Telegram mitteilt. ​Unter den Verletzten befinde ‌sich auch ein 14-jähriges ​Kind.

Moskau: Bekannter Ökonom sagt Russland Niederlage voraus – EntlassungIn Moskau hat der prominente Ökonom Andrej Klepatsch Russland in seinem Abnutzungskrieg gegen die Ukraine eine Niederlage vorhergesagt und nun seinen Job verloren. Das Staatsunternehmen VEB.RF, Russlands führende Institution für wirtschaftliche Entwicklung, habe seinen Chefökonomen entlassen, berichteten mehrere russische Medien am Sonntagabend. Klepatsch war zuvor mit Äußerungen zitiert worden, nach denen es für Russland unmöglich sei, den Abnutzungskrieg gegen die Ukraine zu gewinnen. Er zeigte sich auch überzeugt, dass Russland auf eine Krise zusteuere.Die Zeitung „The Moscow Times“ hatte über einen Vortrag von Klepatsch in einem Club der Moskauer Börse berichtet, in dem der Ökonom bereits im Mai der Ukraine ein wirtschaftliches Überleben bescheinigt hatte. „Wir geben uns der Illusion hin, dass dort [in der Ukraine] alles zusammenbrechen wird. Es ist nicht zusammengebrochen und wird auch nicht zusammenbrechen“, zitierte die Zeitung Klepatsch. Russlands Kosten hingegen stiegen, das Land werde „sowohl im technologischen als auch im wirtschaftlichen Wettbewerb weltweit“ den Kürzeren ziehen.Die Aussagen sind deshalb brisant, weil der Machtapparat und die Staatskonzerne stets behaupteten, dass die Lage trotz aller Probleme unter Kontrolle sei. Kremlchef Wladimir Putin, der die Invasion in die Ukraine im Februar 2022 befohlen hatte, betont immer wieder, dass Russland siegen werde. Bisher ist aber nicht in Sicht, dass der Präsident seine Kriegsziele erreicht. In Russland nehmen vielmehr täglich die wirtschaftlichen Probleme zu.

Ukraine attackiert Anlage für Raketentreibstoff in RostowDas ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben eine Anlage zur Herstellung von Raketentreibstoff in der russischen Region Rostow angegriffen. „Das Unternehmen stellt Feststoffraketentreibstoff für Mehrfachraketenwerfer sowie für eine Reihe von Raketensystemen und luftgestützten Waffensystemen her“, teilt das ‌ukrainische Militär auf Telegram mit. Rostow liegt im Süden Russlands und grenzt an die Ukraine. 

NATO schießt Drohne über Rumänien ab Ein spanischer Kampfjet hat im Rahmen der Nato-Luftraumüberwachung eine Drohne über Rumänien abgeschossen. Die Drohne wurde um 04:44 Uhr aus dem moldauischen Luftraum kommend über Rumänien bemerkt, um 05:01 Uhr folgte der Abschuss durch das Kampfflugzeug vom Typ F-18, wie das Verteidigungsministerium über die Plattform X mitteilte. Die Trümmer seien vermutlich im Bezirk Galati über unbewohntem Gelände abgestürzt. Das Ministerium machte keine Angaben zur Herkunft der Drohne.Der EU- und NATO-Staat Rumänien grenzt an die Ukraine und an Moldau. Russland greift die Ukraine immer wieder mit zahlreichen Drohnen an. In Rumänien wurden im Grenzgebiet bereits mehrfach russische Drohnentrümmer geborgen. Ende Mai hatte eine russische Drohne in der grenznahen Stadt Galati auch ein Hochhaus getroffen.

Bürgermeister: 600 Drohnen gegen MoskauDie russische Hauptstadt ist in der Nacht Angaben von Bürgermeister Sergej Sobjanin mit 600 Drohnen angegriffen worden. Drei Menschen seien verletzt worden. Davon seien 201 in der Region Moskau von der Luftabwehr zerstört worden, schrieb er auf Telegram. Die meisten Drohnen seien bereits vorher beim Anflug abgewehrt worden. Von einem der größten Angriffe der letzten Zeit sprach der Gouverneur des Moskauer Gebiets, Andrej Worobjow. Ein 83 Jahre alter Mann sei getötet worden, als eine Drohne auf sein Grundstück gefallen sei. Es habe im Gebiet Moskau auch mehrere Verletzte gegeben.In Gebiet Rostow am Don im Süden Russlands starben bei einem ukrainischen Drohnenangriff laut Behörden mindestens drei Menschen. Ein Mensch sei verletzt worden. In der Stadt Podolsk rund 40 Kilometer von Moskau seien drei Menschen verletzt worden.

Tote und Verletzte nach heftigen Angriffen Russland und die Ukraine haben sich in der Nacht gegenseitig mit zerstörerischen Luftangriffen überzogen und dabei mehrere Zivilisten getötet. In der Ukraine meldeten die Hauptstadt Kiew und die Industriestädte Krementschuk und Krywyj Rih Attacken von ballistischen Raketen. In Russland berichteten die Behörden von einem der schwersten Angriffe der letzten Zeit mit ukrainischen Drohnen auf die Hauptstadt Moskau und das Umland. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin sprach von einer Attacke mit 600 ukrainischen Drohnen.In der Ukraine gab es mindestens drei Tote, wie Präsident Wolodymyr Selenskyj mitteilte. Es seien auch mehr als 20 Menschen verletzt worden. In Kiew seien die Brände zügig gelöscht worden, sagte er. Getroffen wurde in der Hauptstadt auch ein Büchermarkt. „Überall, wo die Russen mit ihren Raketen hinreichen, greifen sie die zivile Infrastruktur an“, erklärte der Präsident. 

Russland greift Kiew mit Raketen ⁠anIn der Nacht auf Sonntag ist nach Angaben der Militärverwaltung eine Person verletzt worden. ⁠Bürgermeister ​Vitali Klitschko ⁠sagte, in mindestens zwei ​Bezirken seien Brände ausgebrochen. Herabfallende ‌Trümmer hätten Autos in Brand gesetzt.

Polnischer Kardinal verurteilt Angriffe auf UkrainerDer Krakauer Kardinal Grzegorz Rys hat Angriffe auf Ukrainer in Polen verurteilt. Es vergehe kein Tag ohne Medienberichte über neue Gewalttaten gegen Migranten, insbesondere aus der Ukraine, heißt es in einem am Samstag in den Messen seines Erzbistums zum Feiertag Mariä Himmelfahrt verlesenen Hirtenbrief. „Gewalt ist eine Sünde. Gleichgültigkeit gegenüber Gewalt ebenfalls“, so Rys.Der Kardinal rief dazu auf, Angegriffenen zu helfen. Alle Menschen sollten die Welt zugleich mit den Augen der Armen betrachten und daraus lernen. In Polen kam es in den vergangenen Wochen zu einer Serie von Gewaltakten gegen Ukrainerinnen und Ukrainer im öffentlichen Raum.Der sozialdemokratische Parlamentspräsident Wlodzimierz Czarzasty hatte die Übergriffe bereits vor einigen Wochen kritisiert. Er machte die Hetze von rechten Oppositionspolitikern mitverantwortlich für die Taten. In manchen Städten gab es zuletzt Solidaritätskundgebungen für Ukrainer. Polen hatte nach Russlands Überfall auf die Ukraine 2022 mehr als eine Million Kriegsflüchtlinge aus dem östlichen Nachbarland aufgenommen. 

Selenskyj: Haben Raketenfabrik in Samara angegriffen Das ukrainische Militär hat nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj eine Raketen- und Raumfahrtfabrik im russischen Samara angegriffen. Die Streitkräfte hätten auch den Militärflugplatz Sawasleika, einen Stützpunkt ⁠für russische Kampfflugzeuge, beschossen, teilte der Präsident Wolodymyr Selenskyj am Samstag auf Telegram mit. Flamingo-Marschflugkörper hätten die rund 900 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernte Raketenfabrik in Samara getroffen. „Es ist wichtig, dass das russische Kriegspotenzial verringert wird“, schrieb Selenskyj dazu auf der Plattform X. „Frieden ist nötig, und das muss in Russland spürbar sein – durch konkreten Schaden an bestimmten Einrichtungen.“ Auch dem ukrainischen Generalstab zufolge gab esTreffer und Brände auf dem Flugplatz in der Region Nischni Nowgorod sowie im Raumfahrtzentrum Progress in der Region Samara. Samara gilt als eines der wichtigsten Zentren der russischen Luft- und Raumfahrtindustrie. Die Stadt entwickelte sich ​vor allem in der Sowjetzeit zu einem Kernstandort für die ⁠Produktion von Trägerraketen, Satelliten und Raumfahrttechnik.In dem Werk in Samara werden den ukrainischen Angaben nach Raketen für den Aufbau des Breitbandnetzwerkes Rasswet hergestellt. Russland entwickelt dieses als Alternative ​zum Starlink-System des US-Unternehmens SpaceX, das der Ukraine erhebliche Vorteile bei der Drohnensteuerung und der Kommunikation auf dem Schlachtfeld verschafft. In der Region Samara teilten örtliche Vertreter mit, die Luftverteidigung habe einen massiven Raketenangriff abgewehrt. Die industrielle Infrastruktur habe örtlich begrenzte Schäden erlitten, erklärte der Verwaltungschef der regionalen Hauptstadt, Iwan Nosko

Russland: Einnahme von 19 Ortschaften in Sommeroffensive Russische Truppen haben nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau im Zuge ihrer Sommeroffensive 19 Ortschaften in den südostukrainischen Regionen Dnipropetrowsk und Saporischschja unter ihre Kontrolle gebracht. Das Ministerium beruft sich auf einen Bericht des Kommandeurs der ‌östlichen Truppengruppe, Pjotr Bolgarew. Die Namen der Ortschaften werden nicht genannt. Unabhängig davon meldet die Nachrichtenagentur Interfax, die russischen Streitkräfte hätten zudem die Ortschaft Rybalskoje in Saporischschja eingenommen. Die Angaben lassen sich nicht überprüfen. Die ‌russischen Vorstöße an der Front ‌haben sich in diesem Jahr verlangsamt, auch wenn Russland seine Raketenangriffe auf Kiew und andere ukrainische Städte intensiviert hat. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Mittwoch erklärt, die Streitkräfte seines Landes hätten in diesem Jahr an der südöstlichen Front ​745 Quadratkilometer von Russland gehaltenes Gebiet zurückerobert.