FAZ 12.03.2026
11:37 Uhr

Liveblog Irankrieg: Iran warnt vor Angriff auf Inseln im Persischen Golf


Parlamentspräsident: Werden „Persischen Golf mit Blut der Invasoren tränken“ +++ Schweiz schließt Botschaft in Teheran +++ Trump: Iran steht kurz vor der Niederlage +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: Iran warnt vor Angriff auf Inseln im Persischen Golf

Frachter deutscher Reederei von Granatsplitter getroffenEin Containerschiff der deutschen Reederei Hapag-Lloyd ist westlich der Straße von Hormus von einem Granatsplitter getroffen worden. Das teilte Deutschlands größte Containerreederei aus Hamburg auf Anfrage mit. Zunächst hatten mehrere Medien berichtet. Der Treffer habe dazu geführt, dass auf der „Source Blessing“ ein Feuer ausgebrochen sei. „Die Besatzung an Bord ist wohlauf, konnte das Feuer löschen und die Situation schnell unter Kontrolle bringen“, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Zu dem Standort des weitervermieteten Schiffs machte die Reederei keine Angabe und verwies auf Sicherheitsgründe. Die Seehandelsaufsicht der britischen Marine teilte mit, ein Schiff nördlich von Dubai sei von einem Projektil getroffen worden. 

Iran wirft EU „Mittäterschaft“ vor Die Führung in Teheran hat der Europäischen Union „Mittäterschaft“ bei den amerikanisch-israelischen Angriffen vorgeworfen. „Die Gleichgültigkeit und Duldung der Europäischen Union angesichts der Aggressionen, Brutalitäten und Gräueltaten der USA und Israels kommen nichts weniger als einer Mittäterschaft gleich“, erklärte der Sprecher des iranischen Außenministeriums am Donnerstag im Onlinedienst X.

Wirtschaftsforscher: Weltweite Ölreserve hält nur bis zum SommerDie internationale Ölreserve könnte bei einer längeren Dauer des Irankriegs und weiteren Freigaben nach Einschätzung von Ifo-Präsident Clemens Fuest schon im Sommer verbraucht sein. Wenn wegen des Kriegs 25 Prozent des üblichen Ölangebots nicht mehr verfügbar und die Straße von Hormus geschlossen sei, „dann haben wir für drei Monate strategische Ölreserven weltweit“, warnte der Ökonom in Berlin. Der Wissenschaftler plädierte daher für vorsichtigen Umgang mit den Reserven: „Da wir nicht wissen, ob dieser Krieg nicht noch eskaliert und nicht vielleicht sogar noch Monate andauert, kann man durchaus fragen, ob das jetzt schon richtig ist, die Reserven so früh freizugeben.“ Die Internationale Energieagentur (IEA) hatte am Mittwoch angekündigt, 400 Millionen Barrel (je 159 Liter) Rohöl freizugeben, um den Preisanstieg zu dämpfen. Das ist nach IEA-Zahlen ein Drittel der von 32 Staaten einschließlich Deutschlands gelagerten Ölreserven von 1,2 Milliarden Barrel. Hinzu kommen von der Industrie gelagerte 600 Millionen Barrel, zu deren Freigabe die Unternehmen verpflichtet werden können. 

Norwegen lehnt Deckelung des Gaspreises ab Der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Stoere spricht sich gegen eine Deckelung des Gaspreises in Europa aus. Ein solcher Schritt wäre unklug, sagt er auf einer Energiekonferenz in Oslo. Der Preis für Erdgas ist im Zuge des Krieges zwischen den ​USA und Israel gegen Iran um rund 60 Prozent gestiegen. Stoere versichert, Norwegen werde als Europas größter Gaslieferant ein verlässlicher Energieversorger für den Kontinent bleiben. Er erinnert daran, dass Europa bereits nach Russlands Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 auf eine Deckelung der Gaskosten verzichtet habe. Norwegen werde sich auch weiterhin gegen einen solchen Preisdeckel aussprechen. 

Israel greift Militärforschungskomplex bei Teheran anDie israelische Luftwaffe hat nach eigenen Angaben eine bekannte Militärforschungseinrichtung in Iran angegriffen. Die Attacke auf den Taleghan-Komplex östlich der iranischen Hauptstadt Teheran in dem Vorort Partschin sei im Rahmen einer der Angriffswellen der vergangenen Tage auf Basis „präziser Geheimdienstinformationen“ erfolgt, teilte Israels Militär mit.Der Taleghan-Komplex hat in der Vergangenheit immer wieder zu Spekulationen geführt. Laut der Internationalen Atomenergiebehörde wurde dort im Rahmen des iranischen Amad-Programms bis 2003 an Technologien gearbeitet, die für Atomwaffen relevant sein könnten. Dabei sollen Tests mit starken Sprengstoffen erfolgt sein, um die Implosion eines nuklearen Sprengkopfs zu simulieren. Iran bestreitet die Existenz des Programms.

Flüchtlingshilfswerk: Bis zu 3,2 Millionen Vertriebene in IranSeit Ausbruch des Krieges in Iran sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR bislang bis zu 3,2 Millionen Menschen innerhalb des Landes geflüchtet. Der jüngsten Einschätzung der Organisation zufolge sind zwischen 600.000 und einer Million Haushalte zeitweise vertrieben worden. In Iran leben gut 90 Millionen Menschen. Die meisten Betroffenen würden aus Teheran und anderen Großstädten im Norden des Landes und in ländlichen Gebieten Schutz suchen, hieß es. Wenn der Konflikt andauere, werde die Zahl der Binnenflüchtlinge voraussichtlich noch steigen, warnte das UNHCR. 

Katz: Israel weitet Angriffe auf Libanon ausIsraels Verteidigungsminister Israel Katz hat dem Nachbarland Libanon mit der Ausweitung des israelischen Armeeeinsatzes dort sowie mit der Einnahme von Gebieten gedroht. Sollte die libanesische Regierung nicht in der Lage sein, die Hizbullah davon abzuhalten, auf israelische Ortschaften zu feuern, werde Israels Armee „das Gebiet einnehmen und die Sache selbst in die Hand nehmen“, sagte er nach Angaben seines Büros bei einer Besprechung mit hochrangigen Armee- und Geheimdienstvertretern. Er habe den libanesischen Präsidenten Joseph Aoun diese Warnung überbracht.Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Katz haben die Armee den Angaben zufolge bereits angewiesen, sich auf „eine Ausweitung ihrer Aktivitäten im Libanon vorzubereiten“. Die von Iran unterstützte Miliz sollte eigentlich gemäß einer Waffenruhenvereinbarung entwaffnet werden. Dies ist bislang nicht gelungen. Anfang März griff die Hizbullah in den Krieg zwischen Israel und Iran auf der Seite Teherans ein.Die Hizbullah hatte am Mittwochabend den Norden Israels massiv mit Raketen und Drohnen beschossen. Israels Luftwaffe flog heftige Angriffe auf Ziele in den südlichen Vororten von Beirut. 

Medien: Iran und Hizbullah koordinieren Angriffe auf IsraelKnapp zwei Wochen nach Beginn des Irankriegs zeichnet sich laut lokalen Medien eine engere Koordination der Angriffe aus Iran und seitens der libanesischen Hizbullah-Miliz im Libanon auf Israel ab. Der Beschuss durch Raketen, Marschflugkörper und Drohnen erfolge zunehmend abgestimmt, um Israels Abwehr zu belasten, heißt es in mehreren Berichten aus der Region.So habe Teheran seit Mitternacht vier Raketenangriffe auf Israel gestartet, schreibt die libanesische Tageszeitung „L'Orient Le Jour“. Die iranischen Streitkräfte meldeten außerdem einen Angriff mit Kampfdrohnen auf militärische Ziele in Israel. Attackiert worden seien die Luftwaffenbasis Palmachim und der Militärflugplatz Ovda, hieß es in einer vom staatlichen iranischen Rundfunk verbreiteten Erklärung. Ein weiteres Ziel sei das Hauptquartier des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet gewesen.Gleichzeitig lag der Norden Israels unter starkem Beschuss aus Libanon; rund 200 Raketenstarts seien von dort aus in Richtung Süden registriert worden, berichten israelische Medien. Am Donnerstagmorgen gingen nahe Jerusalem Trümmerteile einer iranischen Drohne nieder, meldete die Zeitung „Haaretz“. Israel antwortete seinerseits mit Angriffen auf Libanon, bei denen mindstens fünf Personen getötet wurden. Die Menschen in Libanon erlebten eine „Nacht des Schreckens\", so „L'Orient Le Jour“.

Irantreue Milizen melden Angriff im NordirakIm Irak haben mit Iran verbündete Milizen einen amerikanisch-israelischen Luftangriff im Westen des Landes gemeldet. Dabei habe es Opfer unter den Kämpfern der Milizen gegeben. Örtlichen Medienberichten zufolge wurden 27 Mitglieder der sogenannten Volksmobilisierungskräfte (PMF) in der irakischen Provinz Anbar getötet und mehr als 60 verletzt. Das Hauptquartier der Miliz in der Gegend nahe der Grenze zu Syrien sowie mehrere Fahrzeuge seien zerstört worden, hieß es. Die Angaben konnten nicht unabhängig geprüft werden. Die irakische Regierung in Bagdad sowie die USA und Israel äußerten sich nicht dazu.Im Zuge des Irankriegs kam es zuletzt auch im benachbarten Irak zu iranischen Angriffen. Jüngst verübten Iran und proiranische Milizen im Irak Angriffe auf die Kurdenregion im Norden des Landes. Der Gouverneur von Erbil, Umid Kuschnau, sprach am Donnerstagmorgen von mindestens 17 iranischen Drohnenangriffen innerhalb von 24 Stunden in der autonomen Kurdenregion. Die meisten Drohnen seien von Truppen des internationalen Militärbündnisses abgefangen worden. Einige Drohnen seien außerhalb der Stadt in freiem Gelände niedergegangen. Erbil ist Sitz der Regierung der Autonomen Region Kurdistan im Irak; dort befindet sich ein multinational genutzter Stützpunkt, auf dem Soldaten der USA und auch der Bundeswehr stationiert sind.

Die Republikaner werden nervös Unter den Republikanern im Kongress macht sich wegen der steigenden Benzinpreise Nervosität breit. Acht Monate vor den Zwischenwahlen befürchten sie einen Denkzettel der Wähler. US-Präsident Trump hat es in den vergangenen Tagen vermieden, auf Kritik einzugehen.

Schweiz schließt Botschaft in Teheran Die Schweiz schließt ihre Botschaft in Teheran nach eigenen Angaben wegen eines „steigenden Sicherheitsrisikos“ vorübergehend. Die Schweiz vertritt dort seit Jahrzehnten auch die Interessen Washingtons. Die US-Regierung respektiere die Entscheidung und sei der Botschaft und den Mitarbeitern zu tiefem Dank verpflichtet, erklärte die US-Vertretung in Bern. Deren Arbeit „bleibt für den Schutz von US-Interessen und die Unterstützung unserer Staatsbürger entscheidend“.Die Regierung in Bern wiederum erklärte, in Absprache mit den betroffenen Ländern halte die Schweiz den Kommunikationskanal zwischen den USA und Iran weiterhin offen. Der Botschafter in Teheran und fünf Mitarbeiter hätten das Land am Mittwoch auf dem Landweg verlassen und befänden sich in Sicherheit. „Sobald es die Lage erlaubt, werden die Mitarbeitenden nach Teheran zurückkehren“, hieß es.Vor etwa einer Woche hatte die Regierung erklärt, an der Botschaft seien aktuell sechs Schweizer und 18 lokale Mitarbeiter im Einsatz. Vier Schweizer hatten das Land bereits am 3. März verlassen.

Wadephul in Riad vor Rückflug von Golf-Reise zunächst aufgehalten Außenminister Johann Wadephul ist auf dem Rückweg von seiner Krisenreise an den Persischen Golf zeitweise ausgebremst worden. Zunächst hatte der Flugkapitän des Bundeswehr-Transportflugzeugs vom Typ A400M der Delegation von Wadephul kurz vor dem geplanten Start in der saudischen Hauptstadt Riad gegen 6.30 Uhr Ortszeit (4.30 Uhr MEZ) ein technisches Problem gemeldet.Nachdem dies nach knapp 15 Minuten gelöst war, blieb das Flugzeug dennoch mit laufenden Motoren auf dem Rollfeld stehen. Der Flugkapitän teilte kurz vor 7 Uhr mit, dass der Flughafen aktuell gesperrt sei. Über die Gründe für die Sperrung wurde zunächst nichts gesagt. Rund 70 Minuten nach dem ursprünglich geplanten Abflug gab es dann aber doch die Startfreigabe.Wadephul wollte am frühen Morgen von Riad zum Abschluss seiner Krisenreise nach Nahost und in die Golfregion wegen des Irankriegs in die Türkei fliegen. In der Hauptstadt Ankara war ein Treffen mit seinem Kollegen Hakan Fidan geplant. Der Minister hatte am Montag das EU-Mitglied Zypern besucht. Anschließend reiste er für politische Gespräche nach Israel, Saudi-Arabien, in die Vereinigten Arabischen Emirate und in das Golf-Emirat Qatar. Iran setzte in der Nacht zum Donnerstag seine Angriffe mit Raketen und Drohnen auf die Nachbarstaaten fort. 

Saudi-arabische Armee fängt Drohne nahe Botschaftsviertel von Riad abDie saudi-arabische Armee hat nach Angaben des Verteidigungsministeriums des Landes eine Drohne nahe des Botschaftsviertels der Hauptstadt Riad abgefangen. „Eine feindliche Drohne wurde abgeschossen, als sie versuchte, sich dem Botschaftsviertel zu nähern“, erklärte ein Sprecher des saudi-arabischen Verteidigungsministeriums am Donnerstag im Onlinedienst X. Zuvor hatte er mitgeteilt, die Armee habe eine Drohne abgefangen, die auf dem Weg zu dem Ölfeld Schaybah im Südosten des Landes gewesen sei.