FAZ 08.03.2026
11:04 Uhr

Liveblog Irankrieg: Angeblich Einigung auf Khamenei-Nachfolger


Medien berufen sich auf iranischen Geistlichen +++ US-Präsident schließt Einsatz von Bodentruppen nicht aus +++ Trump will Kurden doch nicht bewaffnen +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: Angeblich Einigung auf Khamenei-Nachfolger

Iran: Bestrahlungsanlage in Isfahan beschädigtEine Bestrahlungsanlage in Isfahan ist iranischen ​Angaben zufolge bei israelisch-amerikanischen Angriffen beschädigt worden. Es sei jedoch keine radioaktive Strahlung ausgetreten, meldet die halbstaatliche Nachrichtenagentur Isna unter Berufung auf das Zentrum für nukleare Sicherheit. 

Israel hat das Hauptquartier der Revolutionsgarden angegriffenDie israelische Armee hat nach eigenen Angaben bei einer neuen Angriffswelle im Iran auch das Hauptquartier der Revolutionsgarden in Teheran getroffen. Dort habe sich eine Leitzentrale der Raumfahrtbehörde für die Steuerung des militärischen Überwachungssatelliten „Chayyam“ befunden. Dieser Satellit sei von den Revolutionsgarden für „terroristische Aktivitäten und zur Überwachung des Staates Israel und seiner Bevölkerung“ eingesetzt worden, schrieb die Armee. Ob die Verbindung zu dem Satelliten damit unterbrochen wurde, war zunächst unklar. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.Russland hatte „Chayyam“ im August 2022 für den Iran vom Weltraumbahnhof Baikonur aus in All befördert. Die „Washington Post“ berichtete damals, der Satellit könne hochauflösende Aufnahmen von der Erde machen und erhöhe damit die militärischen Möglichkeiten Teherans in der Region deutlich. In den ersten Monaten nach dem Start wolle aber zunächst Russland selbst die Sonde im Krieg gegen die Ukraine nutzen, schrieb die Zeitung damals weiter.Weitere Angriffsziele waren nach Angaben der israelischen Armee militärische Anlagen, darunter etwa 50 Munitionsbunker und Stützpunkte von Sicherheitskräften, die für die Unterdrückung von Demonstrationen und Massakern unter der Zivilbevölkerung eingesetzt worden seien. 

Neue Angriffe auf Abu DhabiAm neunten Tag des Irankrieges ist im Zuge neuer iranischer Angriffe die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate von mehreren Explosionen erschüttert worden. Wie Zeugen der Nachrichtenagentur AFP sagten, waren am Sonntag mehrere Explosionen in Abu Dhabi zu hören. Zuvor hatten die Behörden neue Angriffe mit Raketen und Drohnen gemeldet. Die Emirate wurden laut Behörden mit 17 ballistischen Raketen und 117 Drohnen angegriffen. 16 Raketen wurden demnach abgefangen, eine fiel ins Meer. Von den 117 entdeckten Drohnen wurden 113 abgefangen, vier weitere stürzten über dem Gebiet der Emirate ab. 

Emirate weisen Bericht über Angriff auf Iran zurückDie Vereinigten Arabischen Emirate haben Medienberichte über einen angeblichen Angriff ihres Landes gegen den Iran zurückgewiesen. Man befinde sich in einem „Zustand der Selbstverteidigung“ gegen Irans Angriffe, teilte das emiratische Außenministerium lediglich mit, offenbar in Verweis auf die eigene Flugabwehr. Diese habe auf Beschuss mit mehr als 1400 Raketen und Drohnen reagiert. Man wolle in keinen Konflikt gezogen werden, behalte sich aber das Recht vor, die Souveränität des Landes zu schützen.Auch ein emiratischer Regierungsvertreter sagte der „Jerusalem Post“, die Emirate seien nicht an Angriffen gegen den Iran beteiligt gewesen. Es sei auch unangemessen, dass angebliche hochrangige israelische Regierungsvertreter solche „Gerüchte“ über Handlungen anderer Länder verbreiteten. Anwar Gargasch, Berater des emiratischen Präsidenten Mohammed bin Sajid Al Nahyan, teilte mit, Schritte zur Verteidigung der Emirate würden „öffentlich und klar“ kommuniziert und nicht in Medienberichten. Israelische Medien hatten zuvor unter Berufung auf hochrangige israelische Regierungsvertreter berichtet, die Emirate seien heute an einem Angriff auf eine Entsalzungsanlage in Iran beteiligt gewesen. 

15 Tote bei israelischen Luftangriffen in LibanonBei abermaligen Luftangriffen Israels sind in Libanon nach dortigen Regierungsangaben mindestens 15 Menschen getötet worden. Israel habe südlich des Litani-Flusses nahe der gemeinsamen Grenze angegriffen, teilte das libanesische Gesundheitsministerium mit. Dort sei in einem Dorf ein Wohngebäude getroffen worden. Örtlichen Medienberichten zufolge waren auch Frauen und Kinder unter den Opfern. Rettungskräfte suchten unter Trümmern nach Opfern.Ein israelischer Armeesprecher teilte mit, die Luftangriffe dauerten an. Hintergrund seien terroristische Aktivitäten der Hizbullah. Anwohner wurden aufgerufen, sich umgehend nördlich des Litani-Flusses in Sicherheit zu begeben. Teil des aktuellen Militäreinsatzes in Libanon ist nach israelischen Angaben auch eine begrenzte Bodenoffensive mit dem Ziel, eine Sicherheitszone entlang der Grenze einzurichten, vermutlich um Hizbullah-Kämpfer weiter nach Norden in den Libanon zu drängen und das Risiko von Angriffen in Israel zu verringern.Aus libanesischen Sicherheitskreisen hieß es, Israel habe bisher die Evakuierung von mehr als 80 Dörfern im südlichen Libanon angeordnet. Zehntausende seien wegen der Kämpfe auf der Flucht.Insgesamt wurden seit Beginn des Irankriegs vor gut einer Woche nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums durch israelische Angriffe bisher fast 400 Menschen getötet und mehr als 1100 weitere verletzt. Wegen der Angriffe sollen mehrere Krankenhäuser den Betrieb eingestellt haben.

Arabische Liga verurteilt iranische AngriffeDer Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Abul Gheit, hat die iranischen Angriffe auf Golfstaaten als Reaktion auf die amerikanisch-israelischen Luftangriffe scharf verurteilt. Teherans Angriffe gegen mehrere Mitgliedstaaten der Arabischen Liga seien „rücksichtslos“ und ein „riesiger strategischer Fehler“, sagte Gheit am Sonntag in einer Videokonferenz der Außenminister der Staatengruppe. Sie könnten „durch keinen Vorwand und keine Entschuldigung gerechtfertigt“ werden. Iran habe Friedensbemühungen der Golfstaaten mit „heimtückischen Raketen und Drohnenangriffen“ zurückgezahlt, sagte der Generalsekretär weiter. Die arabischen Staaten seien keine Kriegsparteien. 

Nach Explosion an US-Botschaft: Behörden in Oslo schließen terroristisches Motiv nicht ausNach einer Detonation an der amerikanischen Botschaft in Norwegen halten die Behörden ein terroristisches Motiv für möglich – auch vor dem Hintergrund des Irankriegs. „Eine der Hypothesen ist, dass dies eine Terrortat ist“, sagte Polizeivertreter Frode Larsen am Sonntag dem öffentlichen Rundfunksender NRK. „Aber wir sind nicht komplett darauf festgelegt.“ Hinter der Explosion könne auch etwas anderes stehen. Bei einer Pressekonferenz sagte Larsen, es gebe bislang „keine Verdächtigen“. 

Macron reist für einen „Solidaritätsbesuch“ nach Zypern Vor dem Hintergrund des Irankriegs reist der französische Präsident Emmanuel Macron am Montag nach Zypern. Mit seinem Besuch wolle er die „Solidarität“ Frankreichs mit dem EU-Partner zum Ausdruck bringen, teilte der Élysée-Palast am Sonntag mit. Vor wenigen Tagen war der britische Militärstützpunkt Akrotiri auf Zypern von einer iranischen Drohne getroffen worden. 

Schweiz: Irankrieg nicht vom Völkerrecht gedeckt Die Schweizer Regierung bezeichnet den Irankrieg als Verstoß gegen das Völkerrecht. Verteidigungsminister Martin Pfister sagte der „Sonntagszeitung“: „Der Bundesrat ist der Auffassung, dass der Angriff auf den Iran eine Verletzung des Völkerrechts darstellt.“ Bundesrat heißt in der Schweiz die siebenköpfige Regierung. Zur Begründung sagte Pfister: „Weil er aus unserer Sicht einen Verstoß gegen das Gewaltverbot darstellt. Wir rufen alle Konfliktparteien auf, die Gewalt einzustellen und die Zivilbevölkerung zu schonen.“ Dazu zählten die USA, Israel und Iran, weil sie sich alle nicht an das Gewaltverbot hielten. Das Schweizer Neutralitätsgebot heißt unter anderem, dass an kriegführende Parteien keine Rüstungsgüter ausgeführt werden. Sehr zum Missfallen europäischer Partner hat die Schweiz Deutschland etwa nach dem russischen Angriff auf die Ukraine verboten, in der Schweiz gekaufte Panzermunition an die Ukraine weiterzugeben. Ob nun Rüstungsausfuhren in die USA gestoppt würden, wurde Pfister gefragt. „Das werden das Staatssekretariat für Wirtschaft und der Bundesrat entscheiden, sobald Exportgesuche vorliegen. Bisher gab es keines“, antwortete er. 

Explosionen in Tel AvivNach einer neuen iranischen Angriffswelle auf Israel ist die Küstenmetropole Tel Aviv von mehreren heftigen Explosionen erschüttert worden. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten am Sonntag von mindestens zehn Explosionen in der zentralisraelischen Mittelmeerstadt. Die israelische Armee hatte zuvor neue Raketenangriffe aus Iran auf israelisches Staatsgebiet gemeldet. Die israelischen Streitkräfte hätten „vor Kurzem Raketen identifiziert, die aus Iran in Richtung des israelischen Territoriums abgefeuert wurden“, hieß es in einer Erklärung. Die Luftverteidigungssysteme des Landes seien im Einsatz, um die Bedrohung abzuwehren. In einer separaten Pressekonferenz sagte Armeesprecher Nadav Schoschani, die iranischen Angriffskapazitäten hätten sich „in der gesamten Region, nicht nur bei Angriffen auf Israel, bedeutend verringert“. 

Werden Irans Führung \"ohne Gnade\" angreifen Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigt eine systematische Fortsetzung der Angriffe auf Iran an. Seine Regierung werde \"ohne Gnade\" gegen ⁠die iranischen Machthaber vorgehen, sagt Netanjahu in einer Videoansprache kurz nach den jüngsten Luftschlägen auf die Islamische Republik. Es gebe einen organisierten Plan mit vielen Überraschungen, um das Regime zu destabilisieren und einen Wandel zu ermöglichen. \"Wir haben noch viele weitere Ziele\", fügt er ‌hinzu. 

Trump schließt Einsatz von Bodentruppen nicht ausDer amerikanische Präsident Donald Trump schließt nach eigener Aussage nicht aus, Bodentruppen in den Iran zu entsenden, um das angereicherte Uran der Islamischen Republik sicherzustellen. „Vielleicht werden wir das irgendwann machen“, sagte er Journalisten am Samstag an Bord des Präsidentenflugzeugs Air Force One. „Das wäre eine tolle Sache.“ Trump äußerte sich mit Blick auf das iranische Atomprogramm, dessen Bekämpfung die USA zu einem ihrer Kriegsziele erklärt haben.Bodentruppen könnten „möglicherweise“ eingesetzt werden, sagte Trump, fügte aber an, hierfür müsse es einen „sehr guten Grund“ geben. Zu den iranischen Streitkräften sagte er, bei einem Einsatz würden diese „so geschwächt, dass sie auf Bodenebene nicht mehr kämpfen könnten“.Einigen Kritikern des laufenden US-israelischen Krieges zufolge reichen Luftangriffe nicht aus, um Iran dauerhaft von der Entwicklung einer Atombombe abzuhalten.Westliche Staaten, allen voran die USA und Israel, werfen Iran vor, nach Atomwaffen zu streben. Teheran weist dies zurück, besteht aber auf seinem Recht zur Nutzung der Atomtechnologie für zivile Zwecke. Nach Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA ist Iran das einzige Land ohne eigene Atomwaffen, das Uran auf 60 Prozent anreichert – weit über dem nötigen Niveau für die zivile Nutzung von Atomkraft.Im vergangenen Juni hatte die US-Armee während des zwölftägigen Krieges zwischen Israel und Iran iranische Atomanlagen bombardiert. Dabei setzten die US-Streitkräfte Tarnkappenbomber und auch bunkerbrechende Bomben ein. Trump äußerte sich damals überzeugt, dass er dadurch den Bau iranischer Atombomben erfolgreich verhindert habe. Die Anreicherungsanlagen des Iran seien durch den von ihm angeordneten Einsatz „Midnight Hammer“ (Mitternachtshammer oder -schlag) „vollständig zerstört“ und „ausgelöscht“. Fachleute zweifelten dies an. 

Gebäude der Sozialversicherung in Kuwait getroffenIn Kuwait ist das Gebäude der Behörde für Sozialversicherungen bei einem mutmaßlich iranischen Angriff getroffen worden. Es habe Schäden am Gebäude gegeben, teilte die Behörde in der Nacht mit. Man könne deshalb heute keine Besucher empfangen, in anderen Filialen seien Besuche aber weiterhin möglich. Zahlungen würden weiterhin elektronisch abgewickelt. Kuwaits Verteidigungsministerium teilte mit, die Luftabwehr habe drei Raketen abgefangen. Zudem sei an „einigen zivilen Einrichtungen“ Schaden entstanden durch herabfallende Trümmerteile nach Abwehr-Einsätzen.Arabische Fernsehsender verbreiteten Aufnahmen aus der Nacht, die einen schweren Brand an dem Hochhaus über mehrere Stockwerke und auf dem Dach zeigen. Der Nachrichtenkanal Al-Arabija zeigte die stark beschädigten oberen Stockwerke des Gebäudes nach dem Brand.Über die Sozialversicherung erhalten Staatsangehörige in den Golfstaaten etwa Pensionszahlungen und umfangreiche Sozialhilfe. Die Behörde in Kuwait bietet damit finanzielle Sicherheit etwa im Alter oder bei Arbeitslosigkeit.Kuwait wird seit einer Woche zusammen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten besonders stark angegriffen. Kuwaits Feuerwehr meldete am Sonntag den Tod von zwei Feuerwehrleuten, die „im Einsatz“ ums Leben gekommen seien. Details wurden nicht genannt. In Kuwait kamen bei Angriffen bisher auch sechs dort stationierte US-Soldaten ums Leben.