FAZ 19.03.2026
10:07 Uhr

Kommunalwahl Frankfurt: Schwieriger Sieg für die CDU


Nach ihrem Wahlsieg stehen der Frankfurter CDU schwierige Verhandlungen bevor. Bei der Wahl ihrer Bündnispartner hat sie kaum Alternativen.

Kommunalwahl Frankfurt: Schwieriger Sieg für die CDU

Die CDU hat die Kommunalwahl in Frankfurt mit Zugewinnen auf 25 Prozent eindeutig gewonnen. Das war nicht selbstverständlich angesichts des Gegenwinds, der in den vergangenen Wochen aus Berlin kam. Das Stimmenplus fiel für die Frankfurter CDU sogar stärker aus als in anderen hessischen Großstädten. Das Team um Parteichef Nils Kößler scheint einiges richtig gemacht zu haben. Dennoch befindet sich die CDU bei den anstehenden Sondierungen in einer schwierigen Position. Sie hat bei der Wahl der Bündnispartner nur wenige Optionen, eine stabile Mehrheit ist im Grunde nur mit Grünen und SPD möglich. Zwar würden viele in der Partei gerne die ungeliebten Grünen von der künftigen Stadtregierung fernhalten. Doch deren Verluste fielen geringer aus als erwartet, während das Ergebnis des bevorzugten Koalitionspartners SPD stagnierte und der Stimmenanteil der FDP sich nahezu halbierte. Ein Bündnis aus CDU, SPD, FDP und der erstarkten Partei Volt hätte nur eine hauchdünne Mehrheit von einer Stimme und wäre kaum realistisch. Die Grünen haben eine Trumpfkarte in der Hand Ein Linksbündnis gegen die CDU, das Grüne, SPD, Linke und Volt bilden könnten, wäre kaum stärker. Doch für die Grünen, die bei der Verabschiedung des städtischen Haushalts schon bewiesen haben, dass sie eine Kooperation mit links außen nicht scheuen, ist es eine Trumpfkarte, die sie in den Verhandlungen mit der CDU ziehen können, um mehr für sich herauszuholen. Ohnehin wird in der CDU aufmerksam registriert, dass die Grünen ihre Verluste von fast vier Prozentpunkten nicht als Niederlage interpretieren, sondern daraus den Anspruch ableiten, die bisherige Politik fortzuführen. Das Auftreten einzelner Akteure wird als arrogant wahrgenommen. Die CDU wird es sich aber kaum leisten können, einen Koalitionsvertrag zu unterschreiben, in dem keine deutlichen Veränderungen in der Sicherheits- und in der Verkehrspolitik vereinbart sind. Denn dafür ist sie gewählt worden. Grundsätzlich sollten sich parteipolitische Unterschiede in der Kommunalpolitik überwinden lassen. Bei den meisten Entscheidungen sind nicht die Grundwerte einer Partei berührt; gefordert sind tragfähige Kompromisse, mit denen die Stadt nach vorne gebracht wird. Bei den anstehenden Verhandlungen wird es vor allem darum gehen, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Dieses bestand zum Beispiel zwischen 2006 und 2016, als CDU und Grüne gemeinsam stabil die Stadt führten. Ein Erfolgsrezept dieses Bündnisses sehr verschiedener Partner war, sich gegenseitig Erfolge zu gönnen und Kompromisse nicht infrage zu stellen. Dass das gelungen ist, hatte viel mit den handelnden Personen zu tun, die einen guten Draht zueinander hatten. Sollten auch die heutigen Akteure auf der persönlichen Ebene zueinanderfinden, steht einem Dreierbündnis trotz politischer Differenzen nichts im Weg.