FAZ 18.08.2026
14:41 Uhr

Katja Wolf im Porträt: Wagenknechts Widersacherin


Katja Wolf widerstand mehrmals den Anweisungen ihrer Bundesvorsitzenden. Doch wie der Machtkampf mit Sahra Wagenknecht diesmal ausgeht, ist nicht ausgemacht.

Katja Wolf im Porträt: Wagenknechts Widersacherin

An der thüringischen BSW-Landesvorsitzenden und Finanzministerin Katja Wolf hat sich Sahra Wagenknecht, die Gründerin und Vorsitzende der Grundwertekommission des BSW, schon mehrmals die Zähne ausgebissen. 2024 trat Wolf gegen den erklärten Willen Wagenknechts in eine Koalition mit CDU und SPD ein. Immer wieder hatte Wagenknecht die Verhandlungen der „Brombeerkoalition“ zuvor auch mit Forderungen torpediert, in den Koalitionsvertrag eine „Friedenspräambel“ aufzunehmen. Vergebens: Zwar ist in dem Dokument nun von einem „kompromisslosen Friedenskurs“ die Rede, nicht aber von Wagenknechts Forderung nach einem Nein zu Waffenlieferungen an die Ukraine. 2025 setzte Wolf ihre abermalige Kandidatur als thüringische Landesvorsitzende durch – wieder gegen heftigen Widerstand aus Berlin. Dabei bewies Wolf neben Standhaftigkeit nicht nur, dass sie den Rückhalt ihres Landesverbands besitzt, sondern auch persönliches Verhandlungsgeschick: Da Wagenknecht zunächst gegen das Duo aus Wolf und Steffen Schütz interveniert hatte, zog Schütz kurzerhand seine Kandidatur zurück – und Wolf präsentierte als „Kompromiss“ den Weimarer Dirigenten Gernot Süßmuth. Gegen dieses Paket konnte Wagenknecht einstweilen nichts mehr ausrichten. Gemeinsame Herkunft mit Sahra Wagenknecht Mit Wagenknecht verbindet Wolf die Herkunft aus Ostdeutschland; Wolf wurde 1976 als Tochter einer Lehrerin und eines Brigadiers in Erfurt geboren. Doch schon die aggressive Rhetorik gegen Migranten teilt die studierte Sozialpädagogin nicht mit ihrer Bundesvorsitzenden. Der tiefste Dissens zwischen den beiden überaus machtbewussten Politikerinnen besteht jedoch in der Frage des Umgangs mit der AfD. Wo Wagenknecht mit einer Unterstützung liebäugelt, beharrt Wolf auf ihrem Ansinnen, eine AfD-Regierung in Thüringen um jeden Preis zu verhindern. Es ist ihr Kern- und Herzensanliegen. Durch die Entwicklungen der letzten Monate steht sie damit der Linkspartei wieder näher, die sie 2024 zugunsten des BSW verließ. Ihren Wechsel, mit dem die damalige Oberbürgermeisterin von Eisenach die Parteikollegen schockierte und ihren Parteifreund Bodo Ramelow enttäuschte, begründete Wolf damit, mit dem neuen BSW bessere Möglichkeiten zu haben, um die AfD zu bekämpfen. Vor einem Ministerpräsidenten Björn Höcke werde ihr angst und bange, sagte Wolf damals der F.A.Z. und dass sie lange mit der Entscheidung gehadert habe. Heute dürfte ihr diese Zeit noch länger geworden sein. Denn wie diesmal der Machtkampf ausgeht, ist nicht ausgemacht. Die Entscheidung, ob das BSW in der Thüringer Koalition bleibt, wie Wolf es will, ist bis zu einem Sonderparteitag vertagt. Er wurde auf Vorschlag Wagenknechts anberaumt.