FAZ 06.05.2026
07:56 Uhr

Junge Rechtsextremisten: Durchsuchungen bei mutmaßlichen Neonazis in mehreren Bundesländern


Die Polizei durchsucht Objekte mutmaßlicher Neonazis in vielen Bundesländern. Die Aktion richtet sich vor allem gegen junge Rechtsextremisten.

Junge Rechtsextremisten: Durchsuchungen bei mutmaßlichen Neonazis in mehreren Bundesländern

In mehreren Bundesländern laufen seit dem frühen Mittwochmorgen Durchsuchungen bei mutmaßlichen Rechtsextremisten. Die Razzia erstreckt sich auf mehrere Städte. Laut einem Bericht des „Spiegel“ richten sich die Durchsuchungen gegen 36 mutmaßliche Mitglieder der Gruppen „Deutsche Jugend Voran“ und „Jung und Stark“. Das Magazin schreibt unter Berufung auf Sicherheitskreise, es würden etwa 50 Objekte in zwölf Bundesländern durchsucht; der Schwerpunkt liege in NRW, Berlin und Sachsen. Hintergrund der Durchsuchungen sind nach „Spiegel“-Angaben Ermittlungen des Generalbundesanwalts wegen des Verdachts auf Bildung krimineller Vereinigungen. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur unter Berufung auf Sicherheitskreise gibt es in Nordrhein-Westfalen zehn Beschuldigte. Sie seien alle deutsche Staatsbürger. Einer der Beschuldigten sei wegen einer anderen Angelegenheit bereits zuvor in Untersuchungshaft gekommen. Die Maßnahmen richteten sich den Angaben zufolge gegen die Gruppe „Jung und Stark“. An der Aufklärung der Gruppe war auch das Bundesamt für Verfassungsschutz beteiligt. Immer mehr Gewalttaten sehr junger Neonazis Seit 2024 häufen sich die Gewalttaten von teils sehr jungen Neonazis, etwa bei Angriffen auf Paraden zum Christopher Street Day, der den Rechten von lesbischen, schwulen und anderen queeren Menschen gewidmet ist. Das Bundeskriminalamt erklärte Mitte 2025: „Die Polizeibehörden aus Bund und Ländern beobachten seit etwa Mitte vergangenen Jahres, dass in der rechten Szene neue Jugendgruppen in Erscheinung getreten sind, die sich zunächst im virtuellen Raum gegründet haben.“ Diese träten inzwischen vermehrt durch Veranstaltungen, Störaktionen und Straftaten in Erscheinung. Die größte dieser Gruppe war damals nach Angaben aus Sicherheitskreisen „Jung und Stark“ mit einer Anhängerzahl im mittleren dreistelligen Bereich. Auch die Gruppe „Deutsche Jugend Voran“ ist im Visier der Ermittler. Schätzungsweise mehr als Hundert Menschen fühlen sich demnach dieser Gruppe zugehörig. Weitere relevante Vereinigungen seien „Der Störtrupp“ sowie die Gruppe „Letzte Verteidigungswelle“. Mutmaßliche Angehörige der „Letzten Verteidigungswelle“ stehen aktuell in Hamburg wegen mehrerer Gewalttaten vor Gericht.