In zwölf Bundesländern laufen seit dem frühen Mittwochmorgen Durchsuchungen bei mutmaßlichen Rechtsextremisten. Es werden etwa 50 Objekte durchsucht, insgesamt gibt es 36 Beschuldigte, wie der Generalbundesanwalt (GBA) am Mittwochmorgen mitteilte. Auf F.A.Z.-Anfrage erklärte ein Sprecher der Generalbundesanwaltschaft, es seien ganz überwiegend Wohnräume durchsucht worden. Bei den Beschuldigten handele es sich um 30 Männer und sechs Frauen; niemand von ihnen sei jünger als 17 Jahre. Die Beschuldigten sollen laut GBA-Mitteilung „herausgehobene Mitglieder“ der rechtsextremistischen Vereinigungen „Jung & Stark“ oder „Deutsche Jugend Voran“ sein. Ihnen wird deshalb die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen, „den meisten Beschuldigten wird darüber hinaus Rädelsführerschaft zur Last gelegt“, hieß es. Gegen acht Beschuldigte werde auch wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Beide Gruppen existieren nach Angaben des GBA seit Mitte 2024, sind bundesweit organisiert und betreiben Regionalgruppen in den Bundesländern. Bei Treffen und über soziale Medien werde „zu Gewalttaten gegen politische Gegner sowie gegen vermeintlich Pädophile aufgerufen“. Einigen Beschuldigten wird vorgeworfen, „Angehörige der linken Szene oder Personen (...), die sie für pädophil hielten“ angegriffen und diese „nicht unerheblich“ verletzt zu haben. Hubig: Gewaltorientierter Rechtsextremismus ist größte innere Gefahr Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) bezeichnete den gewaltorientierten Rechtsextremismus als die größte Gefahr, die Deutschland von innen drohe. Das Ausmaß der Durchsuchungen am Mittwoch zeige einmal mehr, dass es sich um eine gesamtdeutsche Bedrohung handele, erklärte Hubig. Die Erkenntnisse des Verfassungsschutzes ließen keinen Zweifel daran, dass die Bedrohung sehr ernst genommen werden müsse. „Militante rechtsextreme Gruppen haben Zulauf – erschütternderweise gerade auch unter jungen Menschen.“ Ihre Aktionen richteten sich gegen alle von ihnen als Feinde identifizierten Menschen und zugleich gegen die Demokratie, so die Ministerin. Die Razzia umfasste Objekte in Bayern, Berlin, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig Holstein. Die meisten Beschuldigten gibt es nach GBA-Angaben in NRW (9) sowie in Brandenburg und Sachsen (je 5). Laut GBA waren bei den Maßnahmen mehr als 600 Polizisten des Bundes und der Länder im Einsatz. Es gab keine Festnahmen, da die Durchsuchungen dazu dienten, „die bestehenden Verdachtsmomente aufzuklären“, teilte der GBA mit. Immer mehr Gewalttaten sehr junger Neonazis Seit 2024 häufen sich die Gewalttaten von teils sehr jungen Neonazis, etwa bei Angriffen auf Paraden zum Christopher Street Day, der den Rechten von lesbischen, schwulen und anderen queeren Menschen gewidmet ist. Das Bundeskriminalamt erklärte Mitte 2025: „Die Polizeibehörden aus Bund und Ländern beobachten seit etwa Mitte vergangenen Jahres, dass in der rechten Szene neue Jugendgruppen in Erscheinung getreten sind, die sich zunächst im virtuellen Raum gegründet haben.“ Diese träten inzwischen vermehrt durch Veranstaltungen, Störaktionen und Straftaten in Erscheinung. Die größte dieser Gruppe war damals nach Angaben aus Sicherheitskreisen „Jung & Stark“ mit einer Anhängerzahl im mittleren dreistelligen Bereich. Auch die Gruppe „Deutsche Jugend Voran“ ist im Visier der Ermittler. Schätzungsweise mehr als Hundert Menschen fühlen sich demnach dieser Gruppe, die laut GBA bisweilen auch unter dem Namen „Neue Deutsche Welle“ auftritt, zugehörig. Weitere relevante Vereinigungen seien „Der Störtrupp“ sowie die Gruppe „Letzte Verteidigungswelle“. Mutmaßliche Angehörige der „Letzten Verteidigungswelle“ stehen aktuell in Hamburg wegen mehrerer Gewalttaten vor Gericht.
