FAZ 11.05.2026
14:57 Uhr

Irankrieg trifft Indien hart: Inder sollen zu Hause arbeiten und mit weniger Öl kochen


In der Energiekrise schwinden Indiens Währungsreserven. Ministerpräsident Modi richtet einen Appell ans Volk. Das Ziel ist Autarkie.

Irankrieg trifft Indien hart: Inder sollen zu Hause arbeiten und mit weniger Öl kochen

Es war ein düsteres Bild der Gegenwart, das Indiens Ministerpräsident Narendra Modi am Wochenende während einer Kundgebung in der südlichen Stadt Hyderabad malte. Erst habe die Pandemie der Welt zugesetzt, dann der Krieg in der Ukraine. Doch der Irankrieg treffe Indien besonders hart, das Land verfüge nun mal nicht über große Ölfelder. „Wir brauchen Benzin, Diesel und Gas“, rief Modi. Doch das stecke am Golf fest. Deshalb müsse sich in der Krise, in der die Währungsreserven des Landes angesichts der hohen Energiepreise auf dem Weltmarkt schwinden, jeder Inder an seine patriotische Pflicht erinnern: „Sterben für Mutter Indien.“ Ganz so schlimm war es dann doch nicht, was der Regierungschef im Anschluss seinen Landsleuten abverlangte. Um Benzin zu sparen, rief Modi dazu auf, wie in der Pandemie von zu Hause aus zu arbeiten und nicht zu verreisen. Muss man doch wohin, solle man das Auto stehen lassen und die Metro nehmen. Selbst in die Küche der Inder griff Modi ein: Die Menschen sollten zum Schutz der Reserven „mit 10 Prozent weniger Speiseöl kochen“. Die Inder sollen nicht mehr ins Ausland reisen, fordert Modi Tatsächlich hat Indien seit der Blockade der Straße von Hormus große Probleme, genügend Öl und Gas ins Land zu schaffen, da das Land einen großen Teil der fossilen Brennstoffe aus den Golfstaaten importiert. Weil der Wert der Rupie in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als zehn Prozent gefallen ist, ist der Kauf von Öl in Dollar aus anderer Quelle auf dem Weltmarkt für die Inder noch teurer. Das drückt auf die Währungsreserven. Um Indien vor der Pleite zu bewahren, sollten die Inder nicht mehr ins Ausland reisen sowie keine ausländischen Produkte und kein Gold mehr kaufen, forderte Modi in Hyderabad. Dass Modi wie zuvor schon oft das Ziel der „Autarkie“ für Indien ausgerufen hat, polarisiert. Oppositionsführer Rahul Gandhi nannte den Appell einen „Beweis für das Versagen“ der Regierung, die ihre Verantwortung auf die Bürger abwälzen wolle. Die Kraftstoffpreise könnten weiter steigen, weil Indien nicht genügend Reserven aufgebaut habe. In den sozialen Medien reagierten viele Nutzer jedoch mit zustimmenden Parolen wie „Modi Ji Ne Bola Hain, Karna Padega“ („Wenn Modi es sagt, müssen wir es tun“). Besonders großen Anklang fand die Aussicht, im Homeoffice arbeiten zu dürfen. Andere hingegen kritisierten die großen Begleitkonvois des Ministerpräsidenten und warfen Modi Angstmache vor. Tatsächlich wirkt die Drohung des Ministerpräsidenten vor dem Schwund der Währungsreserven übertrieben. Diese betragen laut Zentralbank rund 690 Milliarden Dollar, wonach außer Indien in der Welt nur noch China, Japan und die Schweiz über mehr Devisen verfügen. Allerdings lagen Indiens Reserven vor dem Irankrieg um 38 Milliarden Dollar höher. Neben dem Öl werden sie auch durch die Goldkäufe in Dollar belastet. Indien ist einer der größten Goldkonsumenten der Welt und importiert heute fast doppelt so viel von dem Edelmetall wie noch vor vier Jahren.