FAZ 29.07.2026
14:04 Uhr

Invasiver Raubfisch: Was tun gegen den Wels im Gardasee?


In Oberitalien breitet sich die Wels-Population aus und bedroht das fragile Ökosystem der Seen. Nun überlegen die Fischer, wie dem Tier beizukommen ist.

Invasiver Raubfisch: Was tun gegen den Wels im Gardasee?

Städte und Gemeinden an den Seen und Flüssen Oberitaliens suchen nach Strategien zur Eindämmung der Wels-Population. Der invasive Süßwasserfisch, der in Mittel- und Osteuropa heimisch ist, hat sich seit den Achtzigerjahren in immer mehr Gewässern auch im Westen des Kontinents ausgebreitet. Im Gardasee, dem größten See Italiens, gilt der Wels als fest etabliert. Die Population wächst stetig, weil der Fisch an der Spitze der Nahrungskette steht und keine natürlichen Feinde hat. Die Raubfische können bis zu drei Meter lang und mehrere Hundert Kilogramm schwer werden. Der Wels ernährt sich, je nach Jahreszeit, von Garnelen und dem Laichgelege anderer Fische, er frisst aber auch – namentlich im Sommer – adulte Sardinen, Schleien und Rotfedern. Im Sommer geht der Wels im Gardasee in Wassertiefen zwischen fünf und 13 Metern auf Nahrungssuche. Für die vielen Urlauber an dem beliebten Badesee bleibt der Wels mithin in aller Regel unsichtbar. Die Zunahme der Wels-Population wird zur Bedrohung für das fragile Ökosystem des Sees. Die Artenvielfalt leidet, die Zahl einheimischer Fische geht zurück. Für die wenigen verbliebenen Berufsfischer am Gardasee entsteht wirtschaftlicher Schaden wegen sinkender Fangmengen und weil die großen Welse die Fischernetze beschädigen. Zuschüsse für Fischereibetriebe für den Fang der Riesenwelse Die Region Venetien will nun mit einem Förderprogramm von gut 100.000 Euro die Kontrolle der Wels-Population verstärken. Fischereibetriebe in der Provinz Verona können einen Zuschuss in Höhe von bis zu 20.000 Euro beantragen, um damit spezielle Netze, Kühlsysteme und weitere Ausrüstung für den Fang der Riesenwelse zu beschaffen. Mit der stärkeren Befischung des Welses soll die Population reduziert werden, um das ökologische Gleichgewicht des Sees wiederherzustellen. Zudem sollen die Fischer bei der Vermarktung der Welse als Speisefisch unterstützt werden, um so eine neue Einkommensquelle zu erschließen. In Mitteleuropa, auch in Deutschland, wird der Wels als Speisefisch geschätzt. Pro Kilogramm können bis zu 2,50 Euro erlöst werden. Mit Welsen aus dem Gardasee, die nicht selten 120 Kilogramm oder gar noch mehr wiegen, können die Berufsfischer ihr Einkommen erheblich verbessern. Die Anrainerregionen Venetien und Lombardei sowie die autonome Provinz Trentino wollen die Bestimmungen für den Welsfang vereinheitlichen und die Lieferkette zur Verarbeitung und Verschiffung der Welse mit technischen und logistischen Lösungen optimieren.