Profitieren Patientinnen mit besonders aggressivem Brustkrebs von einer Immuntherapie? Mit dieser Frage hat sich eine internationale Studie befasst, an der Forscher der Universitäten Frankfurt und Marburg beteiligt waren. Untersucht wurde, ob Frauen mit sogenanntem triple-negativen Krebs auf eine Behandlung mit dem Immuncheckpoint-Inhibitor Atezolizumab ansprechen. Tumoren dieser Art fehlen Rezeptoren für zwei Hormone und einen Wachstumsfaktor, weshalb sie nicht auf Therapien reagieren, die an diesen Rezeptoren ansetzen. Mediziner hoffen, den Krebs besser bekämpfen zu können, indem sie stattdessen die körpereigene Abwehr aktivieren. Die Studie ergab, dass die Behandlung mit Atezolizumab den Patientinnen keinen signifikanten Überlebensvorteil verschaffte. Mit dem Checkpoint-Inhibitor betrug die Rate des „ereignisfreien Überlebens“ (also ohne Rückkehr oder Verschlimmerung der Krankheit) innerhalb von vier Jahren 85 Prozent, ohne den Immunstimulator 82 Prozent. Allerdings erhöhte die Gabe des Medikaments die Rate sogenannter pathologischer Komplettremissionen – also des vollständigen Verschwindens invasiver Tumorzellen in Brust und Lymphknoten zum Zeitpunkt der Operation – von 57 auf 63 Prozent. Die Forscher folgern daraus, dass bei Patientinnen mit triple-negativem Krebs biologische Merkmale identifiziert werden müssen, die zeigen, ob der Tumor auf eine Immuntherapie ansprechen könnte. Nach Erkenntnissen der Uni Marburg könnten vor allem Frauen von Atezolizumab profitieren, deren Lymphknoten schon befallen sind und in deren Brust eine hohe Zahl von tumorinfiltrierenden Lymphozyten nachgewiesen wurde. Berücksichtigt werden muss auch, dass die Immuntherapie teils gravierende Nebenwirkungen hat. Mehrere Teilnehmerinnen hatten deshalb die Studie abbrechen müssen.
