FAZ 08.03.2026
13:15 Uhr

In der Ersten Klasse: Kontrolleure in S-Bahn bedroht und geschlagen


Bei einer Kontrolle in einer Frankfurter S-Bahn hat ein Mann einen Bahn-Mitarbeiter so schwer verletzt, dass er ins Krankenhaus musste. Die Gewerkschaft warnt wegen zunehmender Gewalt vor einer Kündigungswelle.

In der Ersten Klasse: Kontrolleure in S-Bahn bedroht und geschlagen

Als er von zwei Kontrolleuren der Deutschen Bahn ohne Fahrschein in der S-Bahn erwischt wurde, hat ein noch unbekannter Mann den beiden mit Gewalt gedroht, wenn sie ihn nicht unbehelligt gehen ließen. So berichtet es die Frankfurter Polizei am Sonntag. Demnach saß der Mann am späteren Samstagnachmittag in einem Erste-Klasse-Abteil der Linie S1 nach Wiesbaden, als die Kontrolleure an der Haltestelle Frankfurt-Ostendstraße auf ihn zutraten. Als Reaktion auf die Drohung wollte der Jüngere der beiden, ein 55 Jahre alter Bahn-Mitarbeiter, die Polizei hinzurufen. Daraufhin schlug der mutmaßliche Schwarzfahrer, der um die 30 Jahre alt gewesen sein soll, zu und versuchte, aus dem Zug zu stürmen. Der zweite Kontrolleur, 61 Jahre alt, stellte sich ihm entgegen. Es kam zum Gerangel, alle drei Männer stürzten laut Polizei zu Boden. Der junge Mann, der einen weißen Trainingsanzug getragen und etliche Tattoos gehabt haben soll, schaffte es schließlich, aus der S-Bahn zu entkommen. Dabei soll er die beiden Kontrolleure wüst beleidigt und eine Glasflasche nach ihnen geworfen haben, die aber ihr Ziel verfehlte. Der ältere der beiden Kontrolleure wurde wegen seiner Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht, der andere ist nach Polizeiangaben leichter verletzt worden. Die Polizei ermittelt und hofft auf Angaben von anderen Fahrgästen. Gewerkschaft warnt vor massiver Kündigungswelle Vor dem Hintergrund solcher Vorfälle hat die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) am Wochenende vor Kündigungen bei der Deutschen Bahn (DB) wegen der zunehmenden Gewalt gewarnt. Eine Umfrage unter ihren Mitgliedern habe ergeben, dass fast jeder dritte Mitarbeiter über eine Kündigung nachdenkt, wie das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND) berichtete. Viele nannten demnach als Grund den Anstieg von Unsicherheit und Gewalt. „Einen so massiven Personalverlust kann kein Unternehmen kompensieren“, warnte der stellvertretende EVG-Vorsitzende Kristian Loroch. Die Deutsche Bahn verwies auf ein vor wenigen Wochen beschlossenes Maßnahmenpaket für mehr Sicherheit. Die EVG ist die mitgliederstärkste Bahngewerkschaft in Deutschland mit nach eigenen Angaben rund 185.000 Mitgliedern. An der Befragung nahmen dem Bericht zufolge 4000 Beschäftigte mit Kundenkontakt teil. Zwei Drittel von ihnen fühlen sich demnach auf der Arbeit immer unsicherer, die Hälfte hat bereits einen körperlichen Übergriff erlebt. Die große Mehrheit der Beschäftigten mit Kundenkontakt beklagt Beschimpfungen, Beleidigungen und Bedrohungen. „Die Übergriffe auf DB-Mitarbeitende nehmen, genauso wie auf Angehörige von Polizeien, Feuerwehren und Rettungsdiensten, seit Jahren zu“, bestätigte am Samstag die Deutsche Bahn. „Jede Form von Gewalt ist völlig inakzeptabel.“ EVG-Vize Loroch mahnte, die ausufernde Gewalt bringe „das ganze System ins Wanken“. Bahnunternehmen und Politik müssten das Problem endlich in den Griff bekommen. „Sonst könnten bald massenhaft Züge und Busse wegen Personalmangels stehenbleiben“, sagte er gegenüber dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Im Februar war ein Zugbegleiter in einem Regionalzug in Rheinland-Pfalz von einem Fahrgast ohne gültiges Ticket brutal angegriffen worden. Der 36 Jahre alte Familienvater starb später an seinen Verletzungen. Mitte Februar richtete die Bahn daraufhin einen „Sicherheitsgipfel“ mit Gewerkschaftern sowie Vertretern aus Politik und Behörden aus. Beschlossen wurde unter anderem die Einstellung von 200 zusätzlichen Kräften bei der DB Sicherheit, eine Verbesserung der Schutzausrüstung der Mitarbeiter und eine bessere Zusammenarbeit mit der Bundespolizei.