FAZ 06.06.2026
09:32 Uhr

Immer was los in der Luftfahrt: Schönen Urlaub


Fliegen ist ein teurer Spaß geworden. Hinzu kommt die Sorge vor Flugausfällen im Sommer wegen Treibstoffmangels. Die Lufthansa sagt: Buchen Sie! Ryanair sagt: Wir setzen die Ziele herauf.

Immer was los in der Luftfahrt: Schönen Urlaub

Die Lufthansa gibt sich einige Mühe, ihre Kundschaft zu strapazieren. Für den Lieblingsplatz in der neuen Allegris-Businessklasse braucht es einen Sitzguru, für Orientierung im Tarifdschungel einen Buchungsguru. Die Abteilung Kompliziert & Kreativ scheint zu wachsen wie der öffentliche Dienst, als ökonomisch zugewandter Beobachter verstehen wir das Ansinnen natürlich. Derweil setzt der Billigflieger Ryanair für seinen schillernden Chef Michael O’Leary mit einem 100-Millionen-Außerirdischbonus belegte Ziele, die so abgehoben erscheinen wie einst Elon Musks für Tesla. Leere Tanks sind eine große Sorge Die Zuversicht ein pfeifender Wald? Die Aktienkurse beider Luftfahrtunternehmen, bekanntlich ein eher emotionsfreies Barometer, zeigen sich bemerkenswert robust. Dabei ist das Umfeld alles andere als risikolos. Schmerzhaft dazu, für den Kunden nämlich, der etwa in der Economy von Frankfurt nach Salzburg und zurück 700 Euro bezahlen soll. Ob derlei gut geht oder die Flieger bald leer bleiben, wer weiß das schon. Ob die Tanks leer bleiben, ist unterdessen eine der größeren Sorgen der Firmen und ihrer darob womöglich zaudernden Passagiere in spe. Die Lufthansa hat deshalb ein Interview mit sich selbst geführt, was leise Zweifel an der journalistischen Ernsthaftigkeit nährt, das wir aber wegen des impliziten Versprechens darin trotzdem gern weiterreichen. Es beteuert Dieter Vranckx, Chief Commercial Officer, dass es „an allen sechs europäischen Drehkreuzen keine Anzeichen dafür gibt, dass die Treibstoffversorgung im Sommer gefährdet ist“. Europäische Raffinerien hätten ihre Kerosinproduktion „auf das maximale Level hochgefahren“. Nur knapp ein Viertel der für Europa bestimmten Kerosinlieferungen müsse die Straße von Hormus passieren. Ausbleibende Lieferungen kompensierten Nordamerika und Afrika. Investigative Schlussfrage: Die Botschaft an alle Kunden lautet also: Buchen Sie Ihre Reise ganz unbesorgt? Antwort: Ja.