Es war kurz nach halb zehn am Dienstagabend, es dämmerte schon über dem einstigen Goldgräberort Nome an der Westküste des amerikanischen Bundesstaats Alaska, als Hunderte Fans entlang der Front Street in Jubel ausbrachen: Jessie Holmes war angekommen, auf seinem Schlitten stehend, die Arme in die Höhe gereckt, das Gesicht schwer gezeichnet. Vor ihm liefen die zwölf Hunde seines Gespanns, angeführt vom drei Jahre alten Zeus und dem acht Jahre alten Polar. Neun Tage, sieben Stunden, 32 Minuten und 51 Sekunden waren Herr und Hunde bei der 54. Auflage des Iditarod-Hundeschlittenrennens durch die Wildnis Alaskas unterwegs gewesen. Fast 1600 Kilometer hatten sie seit dem Start in Willow gemeinsam zurückgelegt. Was für andere eine Tortur gewesen wäre, mit kräftezehrenden Tagen und kurzen Nächten, mit Einsamkeit, Stürmen und Temperaturen bis zu minus 40 Grad, das schilderte der 44 Jahre alte Amerikaner am Ende fast schon schwärmerisch: „Es ist ein Segen, da draußen unterwegs sein zu können“, sagte er laut Medienberichten. „Ich bin so dankbar, diese wunderbare Landschaft erleben zu können, und das mit dem großartigsten Hundeteam, das ich je gesehen habe.“ Jessie Holmes hatte früh im Rennen die Führung übernommen und sie danach – trotz aller Herausforderungen – nicht mehr abgegeben. Beim Iditarod, erklärte er später, komme es nicht so sehr auf die Konkurrenten an. „Es kommt auf deine Hunde an, du musst tun, was für sie am besten ist. Und du musst mit Mutter Natur zurechtkommen, weil sie bestimmt, was geschieht. Sie bringt dich immer wieder auf den Boden zurück.“ Holmes stammt aus Alabama, er kam 2004 nach Alaska und baute sich dort auf einem abgelegenen Stück Land ein Leben mit seinen Hunden auf. Eine Zeit lang trat er in der Reality-TV-Serie „Life Below Zero“ auf, so finanzierte er das Training eines eigenen Hundeschlittengespanns. Bei seinem ersten Iditarod-Start 2018 wurde er Siebter, seither war er jedes Jahr dabei. 2025 gelang ihm der erste Sieg, nun ist er einer von nur drei Hundeschlittenführern, die im Jahr nach dem ersten Erfolg gleich wieder gewannen. Der Lohn für ihn: 80.000 Dollar Preisgeld, plus Prämien im Wert von fast 10.000 Dollar. Und für seine Hunde? Denen servierte Holmes in Nome erst mal gigantische Ribeye-Steaks.
