Im Bürgerhospital werden mehr Babys geboren als in jedem anderen Krankenhaus in Deutschland. Daher wundert es nicht, dass sich das Haus weiter auf den Schwerpunkt Geburtshilfe konzentriert und andere Gebiete abgibt. Die Klinik für Abhängigkeitserkrankungen und Konsiliarpsychiatrie soll bis zum Jahresende vom Nordend ins Hospital zum Heiligen Geist in der Innenstadt umziehen und unter einem neuen Träger weiterbetrieben werden. Auch die bisher vom Bürgerhospital betriebene Substitutionsambulanz Grüne Straße wechselt in die neue Trägerschaft, bleibt jedoch an ihrem bisherigen Standort im Ostend bestehen. Im Hospital zum Heiligen Geist wird der Platz für die neue Klinik frei, weil dort Ende August die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe schließt. Die Trennung von jener Station, auf der das Leben beginnt, war schon im Mai angekündigt worden. 60 Mitarbeiter haben dort gearbeitet und waren von der Auflösung der Geburtshilfe betroffen. Zehn Ärzten und 13 Hebammen musste nun betriebsbedingt gekündigt werden, wie Milena Mack, Geschäftsführerin für alle Gesellschaften der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist, bestätigt. Sämtlichen Pflegekräften habe jedoch ein Arbeitsplatz an anderer Stelle im Stiftungsverbund angeboten werden können. Zur Stiftung gehören außer dem Hospital in der Innenstadt auch das größere Nordwest-Krankenhaus, das Seniorenstift Hohenwald und mehrere Facharztzentren. Mit der Universitätsmedizin Frankfurt sowie dem Fachärztezentrum Frankfurt werde weiterhin eine Kooperation für die ambulante gynäkologische Versorgung bestehen bleiben, heißt es. Neuer Schwerpunkt: Seelische Gesundheit Das Hospital zum Heiligen Geist stärkt mit der neuen Klinik den „Schwerpunkt seelische Gesundheit“, wie Mack sagt. Die Bedeutung dieser Versorgungssparte wachse kontinuierlich. Neben den bestehenden Gebieten der Psychosomatik, in der Menschen behandelt werden, die neben körperlichen auch seelische Leiden haben, etwa bei Magersucht oder Binge Eating, und der Schmerzklinik werde nun noch ein umfassender Psychiatrieteil aufgebaut. Dessen Ausbau werde einige Jahre in Anspruch nehmen und könne am Ende bis zu 100 Betten groß werden. Daneben bleibe aber auch die Notfallversorgung erhalten, so Mack. Die Rettungswagen hätten aus der Innenstadt kurze Wege in das Krankenhaus in der Nähe der Konstablerwache. Mit der Inneren Medizin, der Unfallchirurgie und der Allgemeinchirurgie sei die Notfallversorgung gesichert. „Unser Ziel ist es, Menschen mit psychischen Erkrankungen und Suchterkrankungen künftig eine umfassende Behandlung aus einer Hand anzubieten – diagnostisch, therapeutisch und psychosozial“, so Mack. Mit den rund 35 Vollzeitkräften, die bisher in der Klinik für Abhängigkeitserkrankungen und Konsiliarpsychiatrie im Bürgerhospital sowie im Zentrum Grüne Straße tätig gewesen seien, würden demnächst Übernahmegespräche geführt. Deren Expertise eröffne außerdem die Möglichkeit, den geplanten psychiatrischen Schwerpunkt Schritt für Schritt mit einem eingespielten Team aufzubauen. Gleichzeitig könne „ein etabliertes Behandlungsangebot ohne Unterbrechung fortgeführt werden“, ergänzt Manuel Zelle, Vorsitzender Geschäftsführer aller Gesellschaften der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist. Die Arbeit in beiden Zentren solle inhaltlich wie bisher fortgeführt werden: Die Klinik ist spezialisiert auf die Entwöhnungsbehandlung von illegalen Substanzen, darunter Opioide, Kokain und Crack. Die Substitutionsambulanz Grüne Straße behandelt Patienten mit einer bestehenden Opioidabhängigkeit, etwa von Heroin oder Fentanyl. Diese Drogen werden unter Aufsicht und kontrolliert ersetzt, zum Beispiel durch Methadon. Neben der medizinischen Versorgung werden die Patienten auch psychosozial betreut. F.A.Z.
