FAZ 08.03.2026
12:07 Uhr

Herzblatt-Geschichten: Einfach Schokolade an den Kopf werfen


Was tun, wenn Männer zu viel reden? Wie schießt man ein halbes Tor? Und welche vier Zauberwörter retten jede Fake News? Die Herzblatt-Geschichten.

Herzblatt-Geschichten: Einfach Schokolade an den Kopf werfen

Wenn die Schlagzeilendichterinnen und -dichter der Regen­bogenpresse mal nicht weiterwissen, wenn bei der Erfindung immer neuer Titelstorys die Skrupel mal überhandnehmen, dann behelfen sie sich oft mit vier kurzen Wörtern: Es wäre so schön. Diese Woche zum Beispiel druckt „Das goldene Blatt“ sie wieder mal auf seinem Cover: „Ste­fanie & ihr Lanny – Es wäre so schön – Traum-Hochzeit – 2. Jawort in den Bergen“. Belege braucht es dafür keine, dank der vier Zauberwörter, die nahezu universal einsetzbar sind, siehe ältere Schlagzeilen wie „Michelle Hun­ziker – Es wäre so schön! Blitz-Hochzeit“ („Das goldene Blatt“), „Es wäre so schön – Stefan Mross & seine Eva – Hochzeit und ein süßes Baby?“ („Echo der Frau“), „Charlène & Albert – Es wäre so schön – Das 3. Baby“ („Das goldene Blatt“), „Heidi Klum – Es wäre so schön – Zwillinge mit 49“ („Das neue Blatt“). Nichts davon ist unseres Wissens eingetreten. Und genau in diesem Punkt könnte der Journalismus jenseits des Regen­bogens ausnahmsweise mal etwas von den Klatschheften lernen und mit besagten Wörtern solche Nachrichten markieren, die allen Erfahrungen nach kaum glaubwürdig sind: „Es wäre so schön – Trump verspricht schnellen Frieden“, „Es wäre so schön – Bundesregierung: Der Aufschwung kommt“ – „Es wäre so schön – Hertha will zurück in die Bundesliga“, „Es wäre so schön – AfD: An Vetternwirtschafts-Vorwürfen ist nichts dran.“ Fänden wir eigentlich ganz schön. Einsetzbar wäre das auch im privaten Bereich, wo zum Beispiel das Teenagerkind seinem Versprechen „Okay, ich bringe nachher den Müll runter“ die leisen Worte nachfolgen ließe: „Es wäre so schön.“ Bayern-Stürmer Harry Kane fände es gewiss sehr schön, wenn er den Bundesliga-Torrekord von Robert Lewandowski bräche. Bislang, rechnet „Bild“ vor, erzielte Kane in dieser Saison 30 Tore in 24 Spielen: „Ballert er so weiter, käme er bei noch zehn Ligaspielen auf 42,5 Tore.“ Jetzt grübeln wir, und womöglich auch Kane selbst, wie er das anstellen soll – ein halbes Tor zu erzielen. Mehr Zeit für die Weltklasse Große Ambitionen hegt auch der Sänger, der sich „Olaf der Flipper“ nennt, allerdings muss er sich dafür jetzt mehr Zeit nehmen, wie wir dem „Neuen Blatt“ entnehmen: „Statt wie geplant im März erscheint das neue Album ,Weltklasse‘ von Schlagerstar Olaf Malolepski (79) erst im Juni.“ Durchaus verständlich – für ein Album, das Weltklasse werden muss, sollte er sich ruhig drei weitere Monate Zeit lassen. Eine tatsächlich traurige Nachricht steht auf dem Titelblatt von „Freizeit Monat“: „Lebewohl – Prinzessin Beatrix – Trauriger Abschied! Sie trat ihre letzte Reise an“. Doch Trauer ist nicht angebracht, denn die frühere Königin ist am Leben, und im Bericht geht es nur um eine Reise auf die Niederlän­dischen Karibikinseln Bonaire und Sint Eustatius, wo Beatrix offenbar eine ganz coole Zeit hatte: „Sie pflanzte Bäume mit Jugendlichen, informierte sich über Korallen- und Mangrovenprojekte, ließ eine bedrohte Echse frei und eröffnete ein Naturzentrum.“ Gut, wenn wir am Ende unserer letzten Reise in der Karibik aufwachen, dann ist uns gleich viel weniger bang. Klicklaute mit den Zähnen Naturfreundin ist auch Heidi Klum, die in dem Animationsfilm „Hoppers“, wir berichteten, einen Hai namens Hai-Di spricht. In „Bunte“ lesen wir nun: „,Der Film erinnert daran, wie wichtig es wäre, Tieren mehr zuzuhören, um sie besser zu verstehen‘, sagt Heidi.“ Doch würden wir, zum Beispiel, Haie besser verstehen, wenn wir ihnen nur mehr zuhören würden? Lange Jahre haben Forscher ja gedacht, dass Haie gar keine Geräusche machen, seit 2025 aber weiß man, dass sie mit ihren Zähnen Klicklaute erzeugen. Um die gut zu hören, müssten wir aber wohl sehr dicht ran an die Haie, und das wollen wir eigentlich nicht. Lange genug zugehört hingegen hat man, jedenfalls aus Frauensicht, den Männern. „Wie stoppen Sie einen Mann, der 30 Minuten nur über sich redet?“, lautet die „Bunte“-Frage der Woche. Wir würden ja sagen: Wir schalten den Fernseher aus, sodass wir Trump nicht mehr sehen und hören müssen. Er scheint aber kein Einzelfall zu sein. „Eitle Männer kann man nicht stoppen, weil sie sich so um sich selbst drehen!“, sagt etwa Uschi Glas. „Wie eine Teigknetemaschine drehen sie sich immer und immer weiter.“ Und am Ende kommt aus so einem Mann nicht mal ein gutes Brot raus. Ein konventionelles Gegenmittel empfiehlt Moderatorin Rebecca Mir: „Ich würde, während er seinen Monolog hält, anfangen, ihm stückchenweise Schokolade an den Kopf zu werfen – und lachen!“ Aber bitte keine Toble­rone, die hat scharfe Kanten. Könnte natürlich auch sein, dass der Mann das Schokobombardement als Belohnung und als Ansporn missversteht, noch länger zu monologisieren. Wie auch immer: Wir selbst starten jetzt ins Wochenende und fliegen (nicht übers Dubai-Drehkreuz) auf ei­ne Karibikinsel. Wir pflanzen Bäume, lauschen den Haien, schenken jeden Tag einer bedrohten Echse die Freiheit und lassen uns von freundlichen Frauen mit Schokoladenstückchen bewerfen. Es wäre so schön.