FAZ 01.10.2026
15:11 Uhr

Hells-Angels-Razzia: „Die Nachricht ist klar: Wir kriegen euch!“


Mit einer Razzia sprengt die Polizei ein Geldwäschenetzwerk im Umfeld der Hells Angels. Ermittler sehen darin einen Schlag gegen die Führungsriege des Rockerclubs.

Hells-Angels-Razzia: „Die Nachricht ist klar: Wir kriegen euch!“

„Dieser Einsatz war nichts Alltägliches“, sagte der leitende Oberstaatsanwalt Gunnar Greier zu Beginn der Pressekonferenz am Donnerstag. In den frühen Morgenstunden des Vortages hatten 1700 Beamte rund 140 Objekte in fünf Bundesländern – mit Schwerpunkt Duisburg – sowie in Belgien, Bulgarien und den Niederlanden durchsucht. Das Ziel war ein Geldwäschenetzwerk. „Für einige der Hauptbeschuldigten konnten wir feststellen, dass diese seit mehreren Jahren in ein Personennetzwerk innerhalb einer bekannten Rockergruppierung eingebunden sind“, sagte Greier und meinte damit die Hells Angels. Beim Zugriff ging es um Vermögensarreste in Höhe von 48,7 Millionen Euro. 14 Personen wurden im Laufe des Tages verhaftet. Ermittelt werde allerdings gegen 71 Beschuldigte wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, räuberischer und gewerbsmäßiger Erpressung, banden- und gewerbsmäßigen Betrugs, gewerbsmäßiger Geldwäsche, diverser Waffendelikte, Körperverletzung und Steuerhinterziehung. Besonders sei in diesem Fall die Verbindung der professionellen organisierten Kriminalität mit dem Rockermilieu. Oder, wie Herbert Reul (CDU) es ausdrückte: „Da gibt es nicht nur die Kutte auf der Straße, sondern auch die Krawatte im Büro.“ Die einen würden für „Druck und Angst sorgen, und die anderen wissen, wie man schmutziges Geld durch Firmen und Konten schiebt, bis es am Ende sauber aussieht“. Hochrangige Mitglieder der Hells Angels in Duisburg festgenommen Wie viele der Festgenommenen Mitglieder der Hells Angels sind, blieb bei der Pressekonferenz offen. Den Ermittlern sei allerdings ein entscheidender Schlag gegen die Führungsriege der Hells Angels in Duisburg gelungen, sagte Alexander Dierselhuis, Polizeipräsident von Duisburg. Zwei der Hauptbeschuldigten würden als Rädelsführer der kriminellen Vereinigung gelten. Und auch anderen hochrangigen Mitgliedern der Rockergruppe würden schwere Gewaltdelikte vorgeworfen werden, wie Nötigung und Erpressung. Noch sei nicht klar, wie hoch der Geldwert ist, der nach der Razzia tatsächlich beschlagnahmt werden kann. Die Durchsuchungen dauerten noch bis zum Donnerstag an. Außerdem müsse man die eingefrorenen Konten noch auswerten. Neben Laptops, Datenträgern und Unterlagen habe man allerdings auch 16 Luxusautos, zwei Motorräder, gefälschte Klamotten, Tabak, Rolex-Uhren und andere Wertgegenstände beschlagnahmt. 21 Waffen wurden gefunden, darunter fünf Schusswaffen. Ein Polizist und drei Mitarbeiter der Stadt im Visier der Behörden Während der Ermittlung gerieten auch ein Polizist und drei Mitarbeiter der Stadt Duisburg ins Visier der Behörden. Zum einen sollen sie unbefugt dienstliche Informationen weitergegeben haben. Einem der Stadtmitarbeiter wird außerdem vorgeworfen, Geld gegen die Gewährung von Vorteilen in Verwaltungsverfahren angenommen zu haben. In der Vergangenheit habe man schon öfter den Verdacht gehabt, dass Informationen durchgestochen worden seien, sagte Polizeipräsident Dierselhuis. Deshalb sei man dieses Mal sehr vorsichtig vorgegangen. Nach dem Grundsatz „Kenntnis nur, wenn nötig“. Viele der 1700 Beamten hätten erst am Morgen erfahren, dass Durchsuchungen stattfinden. Auch das habe zum Erfolg des Einsatzes geführt. Jetzt müsse man dranbleiben, da waren sich die Anwesenden einig. Landesjustizminister Benjamin Limbach (Grüne) sagte: „Die Nachricht ist klar: Wir kriegen euch. Wir decken eure kriminellen Geldwäschenetzwerke auf. Wir bleiben dran und haben einen langen Atem.“